Es gibt viele Gedenktage, und während sie in der breiten Öffentlichkeit oft als simple Erinnerungstage existieren, spielen sie eine bedeutende Rolle für ideologische Kämpfe. Gedenktage sind Tage, an denen menschenwürdige oder historische Ereignisse geehrt werden, meist in Form von Zeremonien, Gedenkveranstaltungen oder gar gesetzlichem Feiertag. Sie spiegeln die Werte wider, die eine Gesellschaft hochhält - oder zumindest hochhalten sollte.
Weihnachten: Ein Gedenktag, der nicht wegzukriegen ist, aber in seiner Substanz zunehmend verzogen wird. Ursprünglich die Feier der Geburt Jesu Christi, erwartet man heutzutage das kommerzielle Feuerwerk. Die eigentlichen Werte wie Nächstenliebe und Besinnung drohen in einem Materialismus zu ertrinken, den wir nicht ablehnen, solange er unsere Wirtschaft ankurbelt.
Der Tag der Deutschen Einheit: Ein Tag, an dem wir die Überwindung der deutschen Teilung feiern. Hier zeigen sich oft die Bruchlinien in unserem Staatsverständnis. Während einige den patriotischen Stolz loben, seufzen andere und sehen den Tag als kitschiges Vergnügen, welches möglichst leise begangen werden soll. Man fragt sich, warum man sich schämen sollte, stolz auf das eigene Land zu sein.
Holocaust-Gedenktag: Wird mit immer bedeutsamer Routine gefeiert, und das zu Recht. Doch in dem Bestreben, zu sensibilisieren, kann eine inflationäre Verwendung der Erinnerungsrhetorik kontraproduktiv werden und birgt die Gefahr, die Schrecken des Holocaust zu trivialisieren.
Maifeiertag: Ursprünglich eine Feier der Arbeiterbewegung ist der internationale Tag der Arbeit heute ein Tag der Ruhe, weg von der Arbeit, mit wenig geistigem Gehalt. In einem Land, das mit seiner produktiven Industriegeschichte prahlt, ein wenig ironisch.
Allerheiligen: Ein Tag, um all der Heiligen zu gedenken, wird heutzutage mehr als ein stiller Feiertag des Konsums gehandelt. Die Grablichter symbolisieren mehr unsere Furcht vor dem Verlust als den Respekt vor den Toten.
Ostern: Die Auferstehung Christi ist einer der bedeutendsten Tage der Christenheit. Doch was bleibt heute davon, außer Schokolade und Osterhasen? Im leisen Rauschen der modernisierten Tradition verlieren viele die geistliche Tiefe.
Frauentag: Kaum ein Gedenktag ist so zur Kampffläche für Ideologien geworden. Ursprünglich zu Ehren der Frauen gefeiert, wird er heute oft von diverse Seiten benutzt, um bestimmte Agenden voranzutreiben.
Nikolaus: An Nikolaus werden Kinder mit Geschenken bedacht, ein harmloser Spaß? Vielleicht. Doch mit der fortschreitenden Kommerzialisierung verliert dieser Tag zunehmend seine unschuldige Freude.
Pfingsten: Der Gedenktag zur Ausgießung des Heiligen Geistes führt heute oft ein Schattendasein, selbst unter Christen. Ein Tag der Minimierung.
Fastnacht/Fasching: Diese Tage, ursprünglich christliche Feiertage zur Vorbereitung auf die Fastenzeit, haben sich zu lärmender Eskapade verwandelt – ein freudiger Ausbruch vor der langen Fastenzeit oder nur eine Ausrede für den Alkoholrausch?
Die Brille durch die man Gedenktage betrachtet, entscheidet über ihren Wert. Ob man dies also nun als notwendige Reflexion oder bloßen Zwang ansieht: Der Wert dieser besonderen Tage zeigt sich darin, was wir daraus machen.