Findhorn, der Ort, der als ökologische Vorzeige-Siedlung im Norden Schottlands angepriesen wird, ist wohl die Antwort auf die Frage, was passiert, wenn man die utopischen Träume der Blumenkinder einfach wuchern lässt. Im Jahr 1962 von Jock und Dorothy Maclean sowie Eileen Caddy gegründet, versprachen die Findhorn-Gemeinschaften eine spirituelle Lebensweise im Einklang mit der Natur. Doch was hier wirklich gedeiht, ist schwer zu sagen – und dabei spreche ich nicht von biologisch angebauten Zucchinis. Findhorn liegt an der windgepeitschten Küste von Moray Firth und empfängt Menschen mit offenen Armen, die glauben, dass man die Welt durch Meditation, Gartenbau und ökologischen Fußabdruck retten kann. Wer nicht bereit ist, zehn Kilometer am Tag zu barfußen oder im Regen zu tanzen, um seinen „spirituellen Kern“ zu finden, wird in dieser Enklave ausgerollter Teekannen wahrscheinlich gähnend zurückgelassen.
Ein Grund, warum der Ort bei vielen auf Unverständnis stößt, ist die trügerische Erscheinung, dass ökologisches und spirituelles Leben allein für ein erfülltes Dasein ausreichen. Es gibt keine Fabriken, klar, aber auch keine Banken oder Institutionen, die real zu einer Gemeinschaft beitragen. Machen wir uns nichts vor, die Grow-Your-Own-Fanatiker hatten bestimmt gute Absichten, aber was bleibt, ist eine übersteigerte Hippie-Sekte, die sich selbst viel zu ernst nimmt. Die Gurus dieser Bewegung erwarten, dass man bestimmten spirituellen Führern folgt, während es plausibler wäre, einige wirtschaftliche Seminare zu besuchen, um zu lernen, wie man das eigene Potential tatsächlich ausschöpft.
Der „Ökodörfer-Kontext“ wirkt wie eine Spielwiese konservativer Weltflucht. Ach, die Natur, in der alles so einfach ist! Was könnte man alles mit gut durchdachtem Pragmatismus erreichen, anstatt sich in Waldmärchen und Glöckchenläuten zu verlieren? Es sind solche Vorstellungen wie diese, die suggerieren, dass man die planetarische Urbanisierung durch beschleunigten Konsum von Tofuwürstchen verhindern kann. Schon mal ein elektrisches Auto zur Findhorn-Gemeinschaft gebracht? Viel Spaß bei der Stromversorgung!
Dazu kommt noch die ironische Tatsache, dass viele Teilnehmer aus gut situierten Gesellschaftsschichten stammen. Eine feine Art, als abtrünniger Erbe einer der größten Wirtschaftsregionen Europas gegen System, Wachstum und Fortschritt zu protestieren. Wäre es nicht erfrischend, wenn diese Menschen dieselbe Hingabe in das Streben nach sozialem Wohlstand und seiner Verteilung stecken würden, anstatt Ökofarmen zu wässern, die niemand nachhaltig ernähren kann?
Wenn man die aktuelle wirtschaftliche Unsicherheiten betrachtet, wirkt die Findhorn-Utopie wie ein Ballon voller heißer Luft, der gefährlich nahe am Platzen ist. Konservative Werte, wie solide Wirtschaftspolitik und sicherheitsbasierte Gemeinschaftsbildung, kommen in der romantischen Eintopfmentalität dieser Kommune zu kurz. In einem Land, das sich mit ernsten Herausforderungen wie einem stagnierenden Durchschnittseinkommen und sinkenden Produktivitätsraten auseinanderzusetzen hat, ist es befremdlich, dass eine solche wirtschaftsferne Blase so viel Zuspruch erhält.
Diese Art von Gemeinschaft mag zwar oberflächlich Frieden und Seelenfrieden bieten, jedoch besteht für die Zukunft die Befürchtung, dass dies nichts weiter als eine Fassade aus abgenutzten Träumen und machbaren Kompromissen bleibt. Und während diese gleichgesinnten Seelen in ihren Gartenwelten verweilen, bleibt das wahre Leben draußen auf der Strecke. Wenn es doch nur eine Möglichkeit gäbe, den glitzernden Verve von Findhorn auf den Boden der Realität zurückzubringen und ihre Energien auf die reale Wirtschaftsentwicklung zu lenken, anstatt auf den Anbau von Heilkräutern, von denen kaum jemand je gehört hat.
Am Ende scheint Findhorn weniger ein leuchtendes Beispiel für Umweltverantwortung und mehr eine Untermalung für eine philosophische, liberale Träumerei zu sein. Die Zeit wird zeigen, ob die Gemeinde tatsächlich etwas Wertvolles beitragen kann oder ob sie für immer im Dunst der Dämmerung Schottlands verbleibt – die heilige Halluzination für die, die die Welt mit Blumen bekämpfen möchten.