Warum ‚Feelin' Myself‘ von will.i.am den Nerv der Zeit trifft

Warum ‚Feelin' Myself‘ von will.i.am den Nerv der Zeit trifft

‚Feelin' Myself‘ von will.i.am ist ein Ohrwurm, der mit seiner unverblümten Botschaft und energischen Beats das moderne Credo der Selbstentfaltung zelebriert. Ein Manifest gegen Anpassung und für persönliche Freiheit in musikalischer Form.

Vince Vanguard

Vince Vanguard

Wenn will.i.am eine Botschaft in das vierminütige Spektakel namens „Feelin' Myself“ packt, dann ist es die Feier der persönlichen Selbsterkenntnis, die uns alle zur Musik mit den Füßen wippen lässt. Ursprünglich 2013 veröffentlicht, setzt dieser Song eine Lebensfreude frei, die man nicht ignorieren kann. Auf den ersten Blick mag es scheinen, als drehe sich alles um die Ego-Zelebrierung über einen synthetischen Beat, dabei steckt mehr dahinter. Mit der Beteiligung so berüchtigter Künstler wie Miley Cyrus und Wiz Khalifa lässt will.i.am in L.A., der Hauptstadt der Stars, die Beat-Bombe platzen. Die Kollaboration ist so gewagt und einflussreich, dass selbst die am wenigsten aufgeschlossenen politischen Gruppen eine Stirn runzeln lassen.

Ein Blick auf den Text von „Feelin' Myself“ und man sieht genau, wo der Puls der Jugend hin will: Sei wer du bist, ignoriere die Kritiker und genieße dein Leben. Diese simple Philosophie des Individualismus trifft den Kern der heutigen Generation. Aufrechter, taktischer Individualismus, punktgenau geliefert in einer Zeit, in der viele Jungen und Mädchen sich nach Leitfäden sehnen, die sie so annehmen können. Was ist daran falsch, mag man fragen? Kritiker würden sagen, dass dies genau das ist, was die Gesellschaft nicht braucht – mehr Narzissmus und weniger Kompromissbereitschaft.

Nun ja, in einer Welt, die versucht, uns in Schemata zu zwingen und uns mit vorgeschriebenen Begriffen wie 'Inklusivität' vollzupflastern, macht ein Lied, das persönliche Zufriedenheit priorisiert, durchaus Sinn. Für viele ist dies der perfekte musikalische Ausdruck einer Anti-Mainstream-Bewegung, die entgegen dem Strom schwimmt. Die beeindruckenden Klänge und die unverschämt selbstbewusste Haltung sind Manifestationen einer Kultur, die nicht nach Erlaubnis fragt. Der Song ist deshalb mehr als nur ein Hit, er ist ein Statement.

Worauf konzentrieren wir uns hier? Auf Authentizität. Artists wie will.i.am verstehen die Kunst der Selbstvermarktung besser als die meisten Berufspolitiker den Haushalt. Während in politisch geraden Teilen der Welt Interessenvertreter fordern, dass wir uns mit dem Mindestmaß angeben, predigt „Feelin' Myself“ Exzess als Pflicht. Es ist keine Kleinigkeit, dass in diesem Musikvideo alle Hedonismus auf den Punkt bringen, während sie eine nonchalant gelebte Extravaganz verkörpert.

Unerwartet könnte dieser Song als eine Hymne des Konservatismus aufgefasst werden. Denn recte gesagt, richtet sich die Botschaft gegen eine Form der Regulierung: Die kulturelle Erwartung der Anpassung. Hier überrascht Miley Cyrus mit ihrem punkigen, unapologetischen Auftreten, während sie dem Song weiteren kulturellen Schub verleiht. Keine Idylle, keine Maskerade – alles eine schnörkellose Darlegung unverfälschten Lebens.

Wir könnten sogar so weit gehen zu sagen, dass „Feelin' Myself“ das Antithese der immer lauter werdenden politischen Korrektheit ist. Es existiert, um ein bisschen Chaos in die Routine zu bringen, die man in der gesellschaftlichen Anstrengung der Bequemlichkeit pflegt. Ein Ohrwurm, der daran erinnert, dass Authentizität nicht getauscht oder verboten werden kann und dass persönlicher Ausdruck weit mehr wert ist als jeder kollektive Konsens. Dabei bleibt bemerkenswert, dass die todsicheren Anhänger von Gruppenzwang und Kontrolle vor Neid erblassen.

Ob es im Club, bei einem Autorennen oder einfach nur alleine in den vier Wänden am Sonntagmorgen gehört wird, „Feelin' Myself“ führt dazu, dass die Zuhörer sich ermächtigt fühlen. Und vielleicht schaffen es ein paar, damit zu erkennen, dass es keine Schande ist, sich aus der Menge abzuheben, keine Schande, ambitiös und willens zu sein – selbst wenn der Rest des Raumes scheinbar nach Unisono ringt.

Wenn die heutige Jugend mit einem einzigen Song die Fahne dafür zeigt, unerschrocken die Individualität zu umarmen und die Nostalgie der mundtoten Zeiten hinter sich zu lassen, dann ist „Feelin' Myself“ der perfekte Ankerpunkt dafür. Hail to the Chief der Unabhängigkeit, wie will.i.am es ausdrücken würde. Egal, was Kritiker zu sagen haben, der Song bleibt ein Ohrwurm, der solid in seiner Grundhaltung ist: Du bist nur dir Rechenschaft schuldig.