Wenn Essenspartys zum politischen Minenfeld werden

Wenn Essenspartys zum politischen Minenfeld werden

Essenspartys könnten so simpel sein wie ein gemütliches Abendessen mit Freunden oder Familie. Doch heutzutage ähneln sie eher einem politischen Minenfeld als einem gewöhnlichen Dinner.

Vince Vanguard

Vince Vanguard

Die Vorstellung einer Essensparty könnte einen harmlosen und erfreulichen Abend mit Freunden oder Familie heraufbeschwören. Aber die Realität, die einige erleben, verwandelt dieses harmlose Event in ein Theater der Absurditäten, das kaum wiederzuerkennen ist. Wer hätte gedacht, dass ein einfaches Essen, das Wann und Wo auf eine entspannte Atmosphäre verweist, zum Schauplatz politischer Grabenkämpfe wird?

Einst genossen Menschen Essen einfach als Ausdruck von Kultur und Gemeinschaft. In den furiosen Debatten um das Klima und die Ernährung haben Essenspartys, abseits von simplen Abendessen, einen neuen, geradezu hitzigen Anklang gefunden. Sie sind nicht mehr nur ein Ort, bei dem fragt 'Wer kommt?' und 'Was wird serviert?', vielmehr geht es darum, welche ideologische Fahne man hisst. Öko, glutenfrei, vegan oder Paleo – wählen Sie weise, denn es könnte teuer werden, nicht nur für Ihren Geldbeutel, sondern auch für Ihre sozialen Beziehungen.

Ein Grund für solche Entwicklung mag die verstärkte Politisierung beinahe aller Lebensbereiche sein. Die Frage nach dem Was und dem Wie, also was wir essen und wie es produziert wird, ist zu einer politischen Frage geworden. Im Namen der Nachhaltigkeit ziehen einige in den Krieg der Ideologien, legen sich in der Küche fest auf das offensichtlich wohl einzig wahre Dogma, bei dem Moral über Geschmack triumphiert. Dabei verliert man leicht aus dem Blick, dass vor allem Grillwurst schon vor Jahrzehnten den sozialen Frieden sicherte. Der Samstagabend, damals an den wir mit Freunden die Welt und uns selbst feierten, droht zu einer Bühne der moralischen Selbstdarstellung zu werden.

Es gibt heute einen Ansturm auf lokale Bio-Produkte, als wären sie der heilige Gral, der alle Sünden der Landwirtschaft tilgt. Es sollte keine Überraschung sein, dass kleinere Ertrag mit höheren Kosten einhergeht, was das Budget mancher Gastgeber sprengen kann. Natürlich will man nicht als Klimasünder dastehen, aber seien wir ehrlich, das 800-Gramm-Steak vom Rind verlockt immer noch mehr als der Bio-Tofu-Brocken, der aussieht, als hätte er seine besten Zeiten in den 70ern gehabt. Die Realität wird oft von den bestinformierten Konsumenten übersehen, die nicht bemerken, dass weder Kosteneffizienz noch kulinarischer Genuss die primären Vektoren einer Essensparty sind, sondern politische Korrektheit.

Das Tischgespräch, welches einmal durch zu viel Soße oder verbranntes Brot ausgelöst wurde, wird heute häufig durch den scharfen Duft veganer Käsealternativen oder durch die selbstgerechte Verteidigung des eigenen 'sauberen Lebensstils' bestimmt. Gastgeber sehen sich ungewollt in der Rolle gedrängt, die Diiplomaten ihrer kulinarischen UN zu spielen, um die Spannungen zwischen den verschiedenen Ernährungsfraktionen zu mildern.

Der ostentative Veganismus diktiert nicht nur die Bedingung, dass kein Tier leiden darf, sondern auch, dass die Teller mit bedächtiger Liebe zu Pflanzen gefüllt werden sollten, die vom Gast selbst geerntet wurden. Scham auf den Gastgeber, der es dennoch wagt, die herkömmliche, tierische Pizza zu servieren, sogar umgeben von einer Armada von ausführlichen, fleischlosen Optionen. Daraus folgt, dass eine Essensparty nicht nur mehr Vorbereitung erfordert, sondern auch diplomatisches Geschick, um sicherzustellen, dass sich kein Gast unwissentlich durch den Verzehr von 'nicht nachhaltigen' Optionen ins Abseits katapultiert fühlt.

Weniger aufregend ist es, in einer Zeit zu leben, in der die Toleranz für unterschiedliche Ernährungsweisen verschwindend gering ist. Man kann sich nur fragen, wie man je dazu kam, Freude am gemeinsamen Essen statt am ideologischen Spektakel zu finden. Die Küche war ein Zentrum des Gemeinschaftslebens, ein Ort des Austausches, nicht der moralischen Überlegenheit. Die Partys, die früher von pflegeleichten Pizzaschnitten und Bier definiert wurden, sind einem überbordenden Büffet aus organischen, lokal bezogenen Rezepten gewichen, das mehr Arbeit(en) erfordert, als Lohn abwirft.

Für all diejenigen, die künftige Gastfreund-Debakel vermeiden möchten, scheint es am einfachsten, zum altbewährten Grillabend zurückzukehren. Das prasselnde Feuer ist ein vertrautes mittelständisches Symbol, das die Bedürfnisse der Masse bedient. Fleisch brutzelt, prallen Kartoffeln prahlen im Feuer, und das Brot ist charmanter Begleiter, ohne den Drang, eine Agenda einzuschleusen. Vielleicht ist nicht alles verloren: Ein solider, entspannter Grillnachmittag könnte das lebendige Symbol eines gemeinsamen, ungeteilten kulturellen Erbes sein, das wir nie aufgeben sollten.

So entfaltet sich das Drama unserer Zeit exemplarischer Weise am gedeckten Tisch, das die Einheit des Essens als Geschwister der Gemeinschaft nur noch als ferner Traum erscheint. Eine Essensparty könnte noch immer der Anker in einem umstrittenen Meer sein, der uns ineinander verwebt und verbindet. Denken wir aber daran, dass das, was wirklich zählt, nicht die ideologische Konstanz einer Speisenauswahl ist, sondern das unverfälschte Gefühl der Zusammengehörigkeit, das mit nichts gekauft werden kann.