Wenn Sie dachten, die 70er Jahre waren eine reine Spielwiese für linksliberale Rockbands, dann haben Sie Tonto's Expanding Head Band und deren Album "Es Ist Zeit" verpasst. Diese beiden experimentellen Klangarchitekten, Robert Margouleff und Malcolm Cecil, brachten 1974 nicht nur eine Platte heraus, sondern ein Manifest für den strukturierten Sound in einer chaotischen Welt. Ihre revolutionäre Verwendung von Synthesizern und elektronischen Klängen zeigt, dass Musik nicht immer politisch sein muss, um kraftvoll zu sein, sondern dass Klarheit und Technik unüberhörbare Rechte haben.
"Es Ist Zeit" war nicht einfach nur ein Album, sondern vielmehr eine Aussage darüber, dass Fortschritt und Technologie den traditionellen Klang eines Instruments besiegen können, selbst in einer Zeit, in der viele sich lieber in der Natur auslebten und den Drahtesel vor dem Ford Mustang bevorzugten. Die zwei Amerikaner produzierten dieses album in den legendären Bearsville Studios in New York, einem Ort, der eher für Folk und Rock bekannt war. Tontos Herangehensweise war anders: analytisch, akribisch und, nicht weniger, konservativ.
Einen unvergesslichen Einfluss hatte dieser musikalische Meilenstein auch auf andere Künstler. Stevie Wonder, ein Name, den selbst eingefleischte Woodstock-Pilger nicht ignorieren konnten, arbeitete intensiv mit Margouleff und Cecil zusammen, nachdem dieses Album herauskam. Tatsache ist, dass die kreativen Köpfe hinter "Es Ist Zeit" Stevie Wonder auf eine neue Bahn führten, auf der er Sound und Technologie vereinte wie noch nie zuvor.
Dieses Album war nicht dafür gemacht, die rebellierenden Jugendmassen mit einer verspielten Ansammlung von Akkorden aufzumuntern. Nein, "Es Ist Zeit" bot eine kluge Verwendung der Moog-Synthesizer und ARP-Instrumente, die den Intellekt ansprachen und nicht nur die Basis instinktiver Reaktionen auf Geräusche. Es stellt eine Herausforderung an unsere Vorstellungskraft dar: Was, wenn wir die wild taumelnden, ungerichteten Strömungen der damaligen Zeit mit einer geordneten Struktur konfrontieren?
Lassen Sie uns die Wahrheit ins Auge fassen: "Es Ist Zeit" beleuchtet den faulen Wahlkampf der musikalischen Szenarien, die gnadenlos das Prinzip heraufbeschworen, dass alles geht, solange es gegen das Establishment war. Margouleff und Cecil zeigten, dass raffinierte und durchdachte Klänge ebenso subversiv und kraftvoll sein können, wie jedes Schreien nach Revolution in den Rockhymnen jener Zeit.
Der Druck des Feuilletons jener Ära, alles in politische Ordnungen einzuteilen, erreichte mit diesem Album seine Grenzen. Denn es gab keine Lyrik in "Es Ist Zeit", die man analysieren konnte. Keine simplen Botschaften, kein Zeigefinger schwenkender Gospelsänger, sondern reiner Klang für den Geist. Ihre Arbeit machte deutlich, dass die Menschheit, mit Disziplin und Verstand, unaufhaltsam der Herr ihrer Umgebung werden kann, Technologie sei Dank.
Heutige Musiklandschaften, die oft nur um billige Parolen und kurzlebige Skandale kreisen, könnten von Margouleff und Cecil eine Menge lernen. Sie bewiesen, dass wahre Innovation selten einem Kollektiv entspringt, sondern dem entschlossenen Individuum, das Bahnbrechendes wagt. Und das, ohne eine Frage der moralischen Überlegenheit zu stellen.
Jeder Track auf "Es Ist Zeit" ist ein Manifest gegen die willkürliche Verwendung von Technologie und für eine disziplinierte Anwendung in der Musik. Es ist schwer, dies nicht als Kritik an der lässigen Herangehensweise vieler damaliger Künstler zu sehen, die ihre Gitarre wie eine Waffe und nicht wie ein Instrument der Harmonie einsetzten.
Um klar zu sein, "Es Ist Zeit" war und ist nicht für den Massenmarkt geeignet. Es erfordert ein tiefes Eintauchen in die Gedankenwelt von Margouleff und Cecil, die sich weder um populistische Hits noch um den Verkauf jedes Plattenalbums kümmerten. Es war ein Projekt, das hohe Ansprüche an sich und seine Hörer stellte, eine Rarität in einer Welt, wo das Durchschnittliche oft als akzeptabler Standard gefördert wird.
Technisch, klanglich und philosophisch ist "Es Ist Zeit" ein schlagkräftiges Beispiel von großartig inszenierter Klangarchitektur. Künstler jeder Generation könnten von der Hingabe und dem Anspruch lernen, die dieses Album zirpen hören, rauschen und rumoren lässt. Ein Statement, das klarstellt, dass auch ruhigere Töne den Hörer mehr aufrütteln können als ein wütender Aufstand ohne Plan.
Am Ende ist "Es Ist Zeit" eine Hymne für die Entschlusskraft – elegant, erfüllt von Klangfülle, die nichts beweisen muss. Ein Meisterwerk, das nicht vom Zufall oder Trend getrieben ist, sondern von der Überzeugung, dass die Ordung der Töne nicht das Chaos nachahmen muss, um Bedeutung zu erlangen.