Man könnte meinen, dass Autoren wie Eliot Schrefer, die mit ihrer Tierreihe kritische gesellschaftliche Themen ansprechen, die Aufmerksamkeit erklärter Tierschützer und Naturfreunde auf sich ziehen. Und genau das tut er – ob man es nun mag oder nicht. Eliot Schrefer ist ein US-amerikanischer Schriftsteller, bekannt für seine Romane, die sich um Tierverhaltensforschung ranken. Seine erste große Anerkennung erlangte er mit dem Roman „Endangered“ aus dem Jahr 2012, der im Kongo spielt und die Beziehung zwischen einem Mädchen und einem Bonobo-Schimpansen untersucht. Warum? Weil er einfach versteht, wie man Erzählungen so verwebt, dass sie sowohl berührend als auch brisant sind. Schrefer meidet nicht die harten Themen, was ihn gleichzeitig zu einem gefeierten wie auch polarisierenden Autor macht.
Eliot Schrefers Werk lässt sich schwer ignorieren, vor allem wenn man die faszinierende Mischung aus Abenteuer und Forschung bedenkt, mit der er seine Geschichten durchdringt. Seine Bücher mögen Hauptdarsteller wie Schimpansen, Jaguare oder Delfine haben, aber um Tiere geht es nur vordergründig. Im Kern geht es um menschliches Zusammenleben, gesellschaftliche Missstände und natürlich die drängende Frage unseres Umgangs mit der Umwelt. Es ist, als würde man sich am Kinderbuch orientieren, um schwergewichtige Themen einem jungen Publikum radikal nahezubringen – genau die Art von Provokation, die seinen Namen bekannt macht.
Doch trotz seiner Erfolge, und vielleicht gerade deshalb, tritt Schrefer oft in die Sphäre der umstrittenen Diskussionen. Während viele seiner Bücher von Kritikern gelobt werden, ernten sie gleichzeitig Skepsis von jenen, die weniger enthusiastisch sind in der Umarmung von Schrefers eher progressiven Ansichten zu Umweltfragen und dem Naturschutz. Hier ist einer, der es geschafft hat, Umweltbewusstsein zu inszenieren, jedoch dem launischen Publikum, das keine Apologien für ihre Überzeugungen duldet, als Dorn im Auge erscheinen könnte. Man muss seine Entschlossenheit anerkennen, in einer Welt des Mainstreams keinen Bogen um sensible Themen zu machen – selbst wenn das heißt, sich in den hitzigen Debatten wiederzufinden.
Wo befindet sich der Schreiber politisch? Es stellt sich die Frage, ob Autoren gänzlich von der Politik ablenken können, wenn sie ihre Romane konzipieren. Eliot Schrefer scheint jedenfalls eine andere Meinung zu vertreten, indem er seine persönlichen Sorgen über die moderne Umweltkrise unverblümt in Hotelbuchungen, Grauwassersystemen und Krisenverhandlungen über Rohstoffabbau verwebt. Der Hinweis darauf, wie unser Lebensstil ganze Tierarten an den Rand des Aussterbens bringt, verleiht seinen Büchern eine konfrontative Note, die besonders in Gesellschaften Widerhall findet, die sich mit Umweltschutzthemen schwertun.
Dabei könnte man meinen, dass Schrefers eigener Erfolg ein Widerspruch zu den radikalen Positionen ist, die er in seinen Büchern annimmt. Immerhin verkauft er die Geschichten über den Buchhandel, der seinerseits Teil eines Konsumkreislaufs ist, den er zu kritisieren scheint. Aber viele würden argumentieren, dass Schrefers Kraft darin liegt, gerade diese Absurditäten und Spannungen zu enthüllen – ähnlich wie ein mühselig versiegelter Brief, der zerrissen werden muss, um den Inhalt zu lesen.
Seine Fähigkeiten als Erzähler sind unbestreitbar; er versteht es, seine Leser zu bewegen. Schrefers „Orangutan“ aus der Großen Menschenaffen-Reihe ist ein Meisterwerk darin, zeitlose Debatten über artgerechte Tierhaltung in der modernen Welt wachzurütteln und Fragen aufzuwerfen, die unbequem, doch notwendig sind. Es ist ein Stil, der wie der Elefant im Raum erscheint und liberale Zuschauer umso mehr verärgert, wenn ihn jemand aus der konservativen Ecke aufgreift.
Ist Eliot Schrefer damit ein Liberaler in einem Wolfsfell? Scheinbar anti-liberal, punktet er mit Themen, die einen nervösen Nerv in progressiven Kreisen treffen könnten. Diese Ironie ist greifbar – ein Autor, dessen Werk sich Leidenschaftlichkeit in der Umweltdiskussion auf die Fahnen schreibt und doch marktfähig genug ist, um Bücher in Tausenden von Kopien abzusetzen. Man mag sagen, dass seine exklusiven Zoom-Meetings, in denen er mit Schülern über die Rettung der Orang-Utans spricht, keine Ehrfurcht gebieten. Vielmehr schlagen sie eine Brücke zwischen idealistischer Naivität und einer zutiefst kommerzialisierten Buchwelt.
Prominent vertreten auf den Bestsellerlisten, ist es kein Kunststück mehr, diese Bücher als anders zu etikettieren. Ja, sie unterscheiden sich in ihrer Darstellungsform, bleiben jedoch innerhalb eines Systems, das sie kritisieren – ganz wie ein Wolf unter Schafen. Und dieser Widerspruch macht Eliot Schrefer zu einem Autor, an dem man sich reiben kann, sei es aus Begeisterung oder Abwehr. Versteht man es geschickt, fokussiert man das Augenmerk letztlich auf die Botschaft – dass Aufruhr machende Schreibkunst auch im Mantel der Fiktion von tierischen Protagonisten bestehen kann.