Eisige Brüste: Ein Film, der provoziert

Eisige Brüste: Ein Film, der provoziert

Im französischen Film 'Eisige Brüste', der im verschneiten Mont Blanc spielt, treffen Erotik und Krimi aufeinander. Provokant und abseits moderner Normen fordert er den Zuschauer heraus.

Vince Vanguard

Vince Vanguard

Nichts schreit so sehr nach einem einzigartigen Kinoerlebnis wie 'Eisige Brüste' (aus dem Jahr 1974), ein französischer Film, der unter der Regie von Georges Lautner entstand. Die Konstellation? Eine Prise Erotik, eine Portion Krimi und eine ganze Ladung französische Grandeur! Die Geschichte entfaltet sich in der Umgebung des schneebedeckten Mont Blanc, mit einer mysteriösen Femme Fatale und einem prominenten Rechtsanwalt, der sich in einem Netz aus Intrigen wiederfindet. Wozu das Ganze? Um die Zuschauer zu schockieren und zu provozieren, während sie sich in den Film vertiefen, dessen kalte Schönheit sie fast vergessen lässt, dass sie frösteln sollten.

Was gibt dem Film seinen unverwechselbaren Charakter? Beginnen wir mit der Tatsache, dass es in den 1970er Jahren kaum Filme gab, die eine solche Mischung aus Erotik und Spannung boten. Und das beflügelt natürlich den typischen europäischen Hang, nicht politisch korrekt zu sein. Hier entdecken wir auch das gewisse Etwas, das amerikanischen Filmen dieser Ära oft fehlt - diesen Hauch von Originalität und Risikobereitschaft einer alten Kinogarde.

Dann natürlich Alain Delon. Delon ist die Art Star, die man heute leider vermisst, mit seiner charmanten, aber entschlossenen Art. So ein Typ, vor dem man sich lieber in Acht nimmt. In 'Eisige Brüste' zeigt er, warum er eine der großen Ikonen der europäischen Filmwelt ist. Und Simone Signoret! Eine Frau mit solcher Ausstrahlung und Kraft, dass sie ohne weiteres in die moderne Welt der Gender-Politik gepresst und gefeiert werden könnte – aber oft von diesen übersehen wird, weil sie sich nicht brav verhalten hat.

Der Film bewegt sich zwischen den Themen, die, auch heute, als Tabuthemen betrachtet werden könnten: Verführung, Machtspiel und moralische Ambivalenz. Alles Dinge, die Kritiker vielleicht als unzeitgemäß betrachten mögen, aber genau das macht den Film so anziehend. Provokant? Ja! Aber sollen Filme nicht gerade das sein? Ein Film, der den Zuschauer angenehm unterhält, ohne ihn herauszufordern, ist kaum ein Film der Mühe wert.

Die Frage bleibt natürlich, ob moderne Kinogänger mit einem solchen Film warm werden könnten – oder werden es vielleicht nur die, die nicht in die kulturelle Gleichmacherei gezogen wurden? Jene, die bereit sind, nicht jeder moralischen Verwirrung aus dem Weg zu gehen, könnten hier einen wahren Schatz entdecken. 'Eisige Brüste' fordert auf, die Grauzonen zu akzeptieren, ohne davor zurückzuschrecken.

Warum also ist der Film bei einem gewissen Publikum unbeliebt? Vielleicht, weil er zu sehr das eigene persönliche Selbst hinterfragt oder weil er nicht jeden Schritt erklärt, den die meisten Drehbücher angeblich bieten müssen. Was geschieht, bleibt oft in der Schwebe und die Moral verschwimmt im Nebel der alpinen Hinterlandschaft. Vielleicht ist es gerade das, was einige Kulturkonsumenten nicht ertragen können - eine Erzählung, die es wagt, den Zuschauer nicht ans Händchen zu nehmen.

Faszinierend bleibt immer die Tatsache, dass Filme wie dieser von der heutigen liberalen Filmkritik oft belächelt oder sogar ignoriert werden, schlicht weil sie nicht ins moderne Schema passen. Vielleicht ist 'Eisige Brüste' genau die Art Film, die in einer Zeit, die von der Zerbrechlichkeit politischer Diskurse geprägt ist, wiederentdeckt werden sollte. Abseits des alltäglichen Filmtrubels verkörpert dieser Streifen den Mut zu provozierenden und revolutionären Gedanken, ohne sich von den Schranken moderner Erwartungshaltungen einschränken zu lassen.

Letztlich spiegelt 'Eisige Brüste' die Freiheit wider, Geschichten in all ihrer ungeschliffenen Form darzustellen, abseits vom Strom einer vorgekauten politischen Weltsicht. Diese Freiheit, die im Kino oft verlorengeht, ist etwas, das als disruptive Kraft wirken kann und sollte. Denn am Ende will sich keiner nur durch stereotype Erwartungen des Massengeschmacks unterhalten lassen, sondern gerne inspiriert und herausgefordert werden.