In der Welt der Romane kommt nicht jeden Tag ein Werk wie "Du bist mies: Eine Liebesgeschichte" vorbei, das die emotionale Achterbahnfahrt der Beziehungen so gnadenlos ehrlich darstellt. Geschrieben von Emily Schwarz, einer provokanten Autorin mit einer Schlagfertigkeit, die einem kultivierten Tory gefallen könnte, steht dieses Buch als Leuchtfeuer ironischer und sarkastischer Liebesabenteuer. Hier trifft die konservative Kritik auf die liberalen Ansprüche der modernen Romantik. Schwarz nimmt uns mit ins Herz von Berlin, wo die Handlung im Jahr 2023 angesiedelt ist, und stellt uns die unkonventionelle Liebesgeschichte von Emma und Ben vor. Was Schwarz hier entfaltet, ist eine erfrischend direkte, manchmal kühn verstörende Perspektive auf die Liebe. Wenn du genug von rosaroten Herzchen und glitzernden Einhörnern hast, wird diese Geschichte wie ein eiskalter Martini wirken.
Emma, eine Dame von Welt mit dem Finger stets am Puls der Zeit, ist in allem, was sie tut, ebenso fasziniert wie irritiert. Während des Sommers, der gefühlt endlos im Schatten der Berliner Mauer steht, kreuzt sie den Weg von Ben, einem selbsternannten Rebellen, der es mit der Treue nicht so genau nimmt, wie mit seinen zuverlässigen Angriffen auf die etablierten Normen des Liebeslebens. Ihre erste Begegnung ist, gelinde gesagt, eine Katastrophe – und genau das lässt uns Leser in einer bizarren Mischung aus Mitleid und Amüsement zurück.
Diese "Liebesgeschichte" vermeidet absichtlich die üblichen romantischen Klischees. Die beiden Protagonisten sind wie zwei Saiten eines ungepflegten Cellos, die bei jedem Streichen ein Missklang erzeugen. Und dennoch – diese Dissonanz fasziniert. Verkleidet als Liebesgeschichte, ist "Du bist mies" viel mehr eine Ode an den Mut, sich dem Durchschnitt und der Schwärmerei zu widersetzen. Emmas steter Pragmatismus trifft auf Bens Vorliebe für das Chaos, und so entsteht eine narrative Energie, die den Leser unwiderstehlich in ihren Bann zieht.
Schwarz' Roman bricht radikal mit den Konventionen. Sie mischt Zynismus mit einer Prise schwarzen Humors, vielmehr ein stechendes Parfum als ein federleichtes Eau de Toilette. Durch die Linsen dieser bizarren Beziehung erfahren wir, wie wichtig es in der heutigen Welt ist, gegen den Strom zu schwimmen. Statt sich der schäumenden Lebensphilosophie der Liberalen hinzugeben, die uns ständig dazu auffordert, "unsere innere Göttin zu umarmen", rät Schwarz zu etwas weit Subversiverem: sich selbst im wahren Sinne zu akzeptieren, Schwächen und alles.
Neben ihrer kernigen Erzählweise kämpft Schwarz erbarmungslos mit den Dämonen der digitalen Welt. Ihren Figuren wird keinerlei Schonung gewährt, als sie in die finstere, flüchtige Welt der sozialen Netzwerke eintauchen. Die Art und Weise, wie Schwarz Twitter und Instagram als enervierende Kontrahenten in Emmas und Bens täglichem Überlebenskampf darstellt – was die Illusion des „unverstellten Lebens“ immer weiter aufbaut –, ist schlicht und ergreifend genial.
Für all jene, die nach erinnerungsträchtigen Dialogen hungern und zwischen explosiven Streitigkeiten nach einem Funken Authentizität suchen, wirft dieser Roman mehr Schatten als Licht, und genau das macht seinen Reiz aus. "Du bist mies" ist kein Roman für schwache Nerven; anstelle von beruhigenden Formeln erwarten die Leser Explosionen der Uneindeutigkeit und Neudefinition dessen, was es bedeutet, ein Paar zu sein. Man erfährt, dass wahre Liebe nicht immer den geraden Weg geht, sondern wie ein ungeschlagener Wanderweg voller Kratzer und Missmut frustrierend schön sein kann.
Wenn du dich in der literarischen Welt oft fühlst, als wärst du nur noch ein weiteres Zahnrad im Getriebe der Massenproduktion von Bestseller-Romanzen, dann ist "Du bist mies" dein würdiger Ausweg. In Zeiten, in denen die Individualität in Gefahr ist, von einer stetigen Welle des Konformismus verschluckt zu werden, bietet dieser Roman eine Amnestie. Lass dir von Emma und Ben zeigen, dass auch die unsichtbaren Häßlichkeiten der maßgebliche Bestandteil dessen sind, was die Essenz echter Bindungen ausmacht.