Die Letzte Allianz: Ein Albtraum für die moralisch Überlegenen

Die Letzte Allianz: Ein Albtraum für die moralisch Überlegenen

"Die Letzte Allianz" von Saltatio Mortis, 2006 veröffentlicht, bringt eine kraftvolle Mischung aus Mittelalter-Metal und politischen Anspielungen. Ein musikalisches Ereignis, das durchaus Polarität schafft.

Vince Vanguard

Vince Vanguard

Es gibt Alben, die wie ein Donnerhall am musikalischen Horizont auftauchen und die selbst ernannten Hüter der kulturellen Werte ins Rotieren bringen. "Die Letzte Allianz" ist eines dieser Alben. Sie fragen sich: Wer, was, wann, wo und warum? Lassen Sie uns das erläutern. Einst einer der aufrührerischsten Musikereignisse des Jahres, wurde "Die Letzte Allianz" von der deutschen Mittelalter-Metal-Band Saltatio Mortis im Jahr 2006 veröffentlicht. Ein Werk voller Kraft, einem Ungeheuer gleich, das unangefochten den Thron der deutschen Mittelalterszene erklimmt. Gekennzeichnet durch eine Mischung aus politischen Anspielungen und unbändiger Energie, sorgte es allein schon durch seinen Titel bei vielen Anhängern der braven, moralisierenden Hörerschaft für Schweißausbrüche.

Aber gehen wir doch tiefer. Der kriegerische Titel: „Die Letzte Allianz“ bezieht sich auf klassische, uralte Erzählungen großer Schlachten, Helden und Niederlagen. Denken wir an Herr der Ringe, Schlachten zwischen Gut und Böse - eine Symbolik, die die Band eindrucksvoll musikalisch verpackt hat. Die Platte birgt Hymnen, die förmlich nach Rebellion gegen das Establishment schreien, vielleicht ein wenig zuviel für diejenigen, die gern über die Unterdrückung von Kultur durch die sogenannte Elite weinen.

Schon der Opener trackt mit „Prometheus“, einem Song, der wie ein griechisches Feuer dem geneigten Hörer entgegenknallt. Hier wird jene alte Tragödische Gestalt gefeiert, die gegen die Götter revoltiert und den Menschen das Feuer der Erleuchtung bringt. Selbständigkeit, Freiheit und der Trotz gegen Obrigkeit - Themen, die bei den moralisch Überlegenen sicherlich für sorgenvoll gerunzelte Stirnen sorgen.

Natürlich bietet das Album nicht nur Hörstoff, sondern kreiert die Gelegenheit, über die gängige Auffassung von Geschichte und Heldentum nachzudenken. In „Koma“, einem weiteren Geniestreich der Band, werden die Grenzen zwischen Realität und Traum ausgelotet, ein tiefsinniger Titel für alle, die noch den Mut haben, die Welt in Frage zu stellen. Aber warum die Dinge hinterfragen, wenn das bequeme Heulen mit der Masse einfacher ist?

Ein weiteres Highlight auf der Scheibe ist der gleichnamige Track „Die Letzte Allianz“. Hier verbindet Saltatio Mortis gekonnt Dudelsäcke und Gitarren, das Donnern der Drums wird zum Herzschlag eines epischen Gefechtes zwischen den Mächten der Vergangenheit und der Gegenwart. In einer Zeit, in der üblicherweise alles abgeflacht wird, um bloß nicht anzuecken, beschreitet dieses Lied den stolzen Weg der Unangepasstheit. Die Dramen der Vergangenheit dienen als Lackmustest für das heutige Gesellschaftsverhalten, doch wer wagt es, sich diesem Vergleich zu stellen?

„Epitaph“, ein weiteres bemerkenswertes Stück, gibt uns durch seine melancholische Melodie den Stoff zum Nachdenken über den Lauf der Zeit und die Unvergänglichkeit von gewissen Werten – eine ehrliche Rarität in einer Zeit, in der Beliebigkeit als Tugend gepriesen wird. Die Themen Vergänglichkeit und Erinnerungen an alte Kulturen sind hier nicht nur musikalischer Schmuck, sondern dienen als Mahnung an jene, die die eigene Geschichte allzu leicht vergessen.

Man könnte über dieses Album wahrscheinlich ganze Bücher schreiben, aber bleiben wir beim Wesentlichen: „Die Letzte Allianz“ ist eine musikalische Glanzleistung, die uns eine Welt offenbart, welche der modernen politisch korrekten Zeigefinger-Gesellschaft wie schülerhafte Belehrung vorkommen mag. Für diejenigen mit dem Drang zum Nachdenken, zur Hinterfragung der gegenwärtigen Gesellschaftsstrukturen, bietet es nicht nur Ablenkung, sondern auch einen intellektuellen Mehrwert.

Saltatio Mortis schafft mit diesem Werk eine meisterhafte Symbiose aus Musik und Mär der Vergangenheit, die uns zeigt, dass auch in stürmischen Zeiten die Unangepassten die besten Geschichten zu erzählen haben. Und glauben Sie mir, wer etwas Tiefe in Musik sucht, ist mit „Die Letzte Allianz“ besser beraten als mit den üblichen, flachbrüstigen Pop-Hymnen, die einem die Ohren zuwummern.