Was bringt einen Film dazu, dass er trotz großartiger Ideen und einer einzigartigen Erzählweise fast vergessen gerät? Der 1990 erschienene Science-Fiction-Thriller „Die Dunkle Seite des Mondes“, unter der Regie von D.J. Webster und mit einer Besetzung, die Bruce Campbell und Leigh Lombardi umfasst, ist eine Antwort auf diese Frage. In den unendlichen Weiten des Weltraums, wo moralische Komplexität nicht weniger als gravitationslos ist, spielt sich dieser Film auf einem Raumfahrzeug ab, das 2022 in der Nähe des Mondes in Panne gerät. Ja, genau, 2022 – das Jahr, in dem wir angeblich beim Frühstücken Mondspaziergänge machen. Die mysteriösen Umstände zwingen die Crew, auf die dunkle Seite des Mondes zu blicken, nicht nur physisch, sondern auch metaphorisch, und das lässt manche Menschen unruhig werden.
Die filmische Reise, die in Verzweiflung, Spannung und der Erkundung kosmischer Geheimnisse versinkt, legt die menschliche Natur auf zynisch-spannende Weise frei. Liberale Geschichten möchten uns glauben machen, dass der Mensch von Natur aus gut ist, aber hier sehen wir ein erfrischend anderes Narrativ. Die Besatzung, gefangen in der Einsamkeit des Weltraums, entblößt die Dunkelheit in ihren Seelen, welche die kosmischen Weiten, die sie umgeben, noch schwärzen. Wo gibt es denn das im heutigen „alles ist schön“-Kino?
Einer der faszinierenden Aspekte dieses Films ist seine anscheinend prophetische Inszenierung, weit vor der modernen technologischen Realität. Die Darstellungen an Bord des Raumschiffs, ausgerechnet im „Zukunftsjahr“ 2022, entlarven auf subtile Weise das zweischneidige Schwert des wissenschaftlichen Fortschritts. Die Besatzung kämpft mit dem Kontrollverlust und technologischen Defekten, die wie ein Spiegel für die moderne Abhängigkeit von maschineller Perfektion wirken. Wer hat nicht schon einmal versucht, sich mit einer kaputten Version von Windows 95 zu befassen? Diese allegorische Andeutung zeigt, wie technologische Abhilfe nicht zwangsläufig zu wahrem Fortschritt führt und wie neue Gefahren damit einhergehen können. Hat jemand gesagt „Elektroautos“?
Aber es wird besser! In dieser klassischen Geschichte von „Gut gegen Böse“, gerät die Crew schon bald an einem gefundenen Space Shuttle in Kontakt mit einer bösen Präsenz. Spannend ist, wie der Film das Thema Besessenheit auf kosmische Höhen treibt, was irgendwo zwischen Psychoanalyse und Astronomie liegt. Ein Vorläufer für all die Geistergeschichten, die heute als Metaphern für die inneren Dämonen vermarktet werden. Die Besatzungsmitglieder stehen der Frage gegenüber, ob der größte Feind möglicherweise in ihnen selbst liegt. „Die Dunkle Seite des Mondes“ behandelt das Ursprüngliche menschlicher Widersprüche, der Kampf um Kontrolle und Entfremdung in ständiger Dunkelheit. Romantisch!
Vor allem die Besetzung des Films leistet bemerkenswerte Arbeit, die emotionale Tiefe unter gravitationsloser Spannung in einer so kühlen Umgebung einzufangen. Besonders Bruce Campbell, bekannt aus „Tanz der Teufel“, bringt eine schwere Schicht aus menschlicher Verletzlichkeit und zynischem Humor mit sich, die sowohl befreiend als auch unheimlich wirkt. Die figurative Paneelen kosmischen Schreckens klangen noch nie so schön auf der großen Leinwand. Vielleicht sollten ein paar YouTube-Kommentare dafür verantwortlich gemacht werden?
Trotz seines Potenzials und seiner faszinierenden Elemente, bleibt „Die Dunkle Seite des Mondes“ ein verkannter Kultliebling. Warum nur? Oh, das könnte an der subtilen Techno-Paranoia liegen, die darin steckt – eine Vorstellung, die zwar en vogue, aber unpassend für eine Welt ist, die sich auf ihrer Liebe zu Technologie und Fortschritt verzehrt. Die Vorfahren dieses Films, wie „2001 – Odyssee im Weltraum“, agieren eher als beruhigende Erzählungen in einer Welt, die fortschrittssüchtig ist. Vielleicht sind manche Wahrheiten einfach zu unbequem, um damit umzugehen.
Das Ende, welches in all seiner Ambiguität und moralischer Zerrissenheit daherkommt, führt die Staffel dahin, Fragen zu stellen, an denen sich viele moderne Filme und Serien ein Beispiel nehmen könnten. Das ist kein typisches Hollywood-Happy-End mit Zauberstäbchen und Sternenstaub, mit dem man das Publikum berauscht. Es gibt keine einfache Erlösung, sondern eine Reihe von Fragen, mit denen man nach Hause gehen kann.
In einer überfüllten Genrelandschaft mit Dutzenden von Weltraumoper-Abenteuern, hat „Die Dunkle Seite des Mondes“ eine Nische geschaffen, indem sie die Vorstellung vom Glauben in der Dunkelheit hinterfragt. Sie zeigt, dass nicht alle bedeutsamen Geschichten in geplanten Fortsetzungen oder elaborierten CGI-Explosionen enden müssen, sondern in der Fähigkeit, das Publikum herauszufordern, ihre eigene Dunkelheit zu erkennen. Wenn ein klassischer Film das erreicht, dann kann man getrost sagen, dass er einen Platz auf dem Tisch verdient – sonst fehlt uns wirklich die Gelegenheit, auf der Dunklen Seite des Mondes zu tanzen.