'Die Cassandra Katze': Ein Blick auf das Verrückte in der Kunstlandschaft
Wer hätte gedacht, dass ein kleines Kinderbuch für so viel Aufsehen sorgen könnte? „Die Cassandra Katze“ von der deutschen Autorin Uschi Flacke hat mit Sicherheit das Potenzial dazu. Es begann alles im nostalgischen Jahr 1981 in Deutschland, wo das Buch seinen ersten Abdruck fand und seitdem durch die Hände deutscher Kinder und ihre besorgten Eltern wandert.
Dabei ist das Buch kein unschuldiger Zeitvertreib. Es handelt sich um eine Geschichte über eine Katze in einem kleinen deutschen Dorf, die die unheimliche Gabe hat, die Zukunft zu sehen. Das klingt vielleicht harmlos, mag man denken, jedoch malt die Katze Bilder von bevorstehendem Unheil an die Wände der Stadt. Das Buch stellt sich als ein bizarres Sammelsurium von Katastrophenszenarien heraus, die durch die Katze prophezeit werden - von Feuern über Hochwasser bis hin zu seltsamen Sabotagen.
Dieses Werk, das in Bibliotheken landauf landab zu finden ist, ist bei näherer Betrachtung ein Paradebeispiel dafür, wie man der Realität entfliehen kann: Ein Musterbeispiel für die Nanny-State-Kultur der Moderne. Politisch unterwandert? Da bleibt wohl kein Zweifel. Normale, unschuldige Kinderbücher waren gestern. Heute wird der Nachwuchs mit Geschichten vollgestopft, die kein wirkliches Konzept von Realität zulassen.
Es gibt nun einige, hauptsächlich aus der linken Ecke, die sich für die künstlerische Freiheit von Schriftstellern wie Flacke stark machen. Sie preisen das Buch als innovativ und anregend für das kritische Denken und die Vorstellungskraft der Kinder. Diese Vorstellungskraft fördert jedoch vielmehr die Abkehr von traditionellen Werten: Respekt, Verantwortungsbewusstsein und gesunder Menschenverstand. Werte, die auf der Strecke bleiben, wenn man seine Propheten im Katzenpelz heranwachsen lässt.
Nun mag es dem Leser des Buches an ein Schaudern erinnern: Die Bürger des Dorfes werden von der Cassandra Katze gewarnt, sie ignorieren sie und erleben schreckliche Konsequenzen. Eines der Teachings? Misstraue den Autoritäten und höre auf die unkonventionellen Stimmen, könnte argumentiert werden. Klar, das klingt doch passend für eine Gesellschaft, die in der Frage um die Natur ihrer Traditionen zunehmend gespalten wird.
Es stellt sich jedoch die Frage: Was sagt das über unsere Gesellschaft, wenn wir unseren Kindern eine Welt hinterlassen, in der zukunftsweisende Tiere als tatsächliche Hoffnungsträger fungieren? Ist es das, was wir sehen wollen – dass die nächste Generation in einem ständigen Gefühl des drohenden Unheils erzogen wird? Die Antwort liegt im Auge des Betrachters, aber man kann sich gewiss sein, dass die Herausforderungen der Zukunft nicht durch das Hören prophetischer Katzen gelöst werden.
Man könnte durchaus sagen, dass „Die Cassandra Katze“ beinahe symbolisch für eine bestimmte Art von neuzeitlicher Literatur steht. Werke, die sich nicht mit den Gegebenheiten des realen Lebens beschäftigen, sondern die Grenzen der Fiktion in Richtungen verschieben, die alles andere als konstruktiv sind. Es ist die Art von Literatur, die von der Aufgabe ablenkt, die kommenden Generationen darauf zu vorbereiten, verantwortungsbewusste, selbstdenkende Erwachsene zu werden.
In einer Welt, in der jeder Realitätssinn zunehmend durch die Verlockungen von Fantasie, Visionen und apokalyptischem Denken beiseite gewischt wird, bleibt die Frage: Welche Konsequenzen ziehen wir, und noch wichtiger, welche wollen wir ziehen? „Die Cassandra Katze“ ist eine Schablone dessen, was man viele Jahre später als produktiven Einschnitt in den Bereich der Kinderliteratur ansieht – oder vielleicht als eine Mahnung der Fundamentalunterschiede zwischen Vorstellungskraft und Ignoranz.
Am Ende des Tages, ist es nicht das, was schriftlich steht, sondern das, was daraus gemacht wird, das zur Desintegration oder Wiederherstellung unserer gesellschaftlichen Strukturen führt. Flackes werk zeigt eventuell auf, dass in künstlerischer Form mehr propagandistischer Ansatz als Unterhaltung zu finden ist.
Absurd? Vielleicht in den Augen mancher. Aber eines ist klar – in einer Welt, in der wir uns lieber von Katzen prophezeien lassen als unsere eigene Zukunft aktiv zu gestalten, ist der wahre Verlust der Menschlichkeit nicht mehr weit.