Wer Denman Thompson für irrelevant hält, hat die Geschichte des amerikanischen Theaters nicht kapiert. Der am 15. Oktober 1833 geborene Bursche aus Girard, Pennsylvania, wurde nicht nur ein Dreh- und Angelpunkt der American-Stage-Szene des 19. Jahrhunderts, sondern auch eine Figur, die mit voller Wucht traditionelle Werte verkörperte. Zu seinem Werk „The Old Homestead“, das 1886 Premiere feierte und viele Jahre am Broadway lief, kann man nur eines sagen: Fundiertes Theater trifft auf unerschütterliche Rural-Realität. Während andere zur selben Zeit auf urbane Modernisierung und politische Schwärmerei setzten, blieb Thompson standhaft in seiner Darstellung des Landlebens und der damit verbundenen Familienwerte.
Über 40 Jahre lang begeisterte Denman Thompson Leute im gesamten Land mit der unverblümten Ehrlichkeit und Authentizität seiner Charaktere. Dabei war seine Weltanschauung ebenso konservativ wie beliebt. Es sind nicht nur die Werte, die er vermittelt, sondern auch die Art und Weise, wie er der Großstadthektik eine urige Alternative entgegenstellt. Man kann ohne Übertreibung sagen, dass seine Produktionen fast ein manifestgewordener Protest gegen das rasante Tempo der Industrialisierung und Urbanisierung waren.
Thompson als Autor und seine Arbeit waren wie eine Zeitreise zurück in eine Ära, die eine geradlinige Gesellschaftsstruktur und Gemeinschaftssinn hochhielt. Und der Erfolg gibt ihm recht: „The Old Homestead“ war nicht einfach nur ein Stück, es war eine soziale Bewegung für ein Amerika, das nicht vergessen werden wollte. Der Plot um die knorrige Figur ‚Uncle Joshua Whitcomb‘ war mehr als simple Unterhaltung. Er stellte die Frage, ob Modernisierung das Wahre bringt oder ob mit der Verblüffung die Werte nicht über Bord geworfen werden.
Obwohl viele versuchten, Thompson als unmodern oder überholt darzustellen: Sein Ausverkauf an Theatern quer durch die Staaten spricht Bände. Er zeigte, dass die Amerikaner eben doch eine Sehnsucht nach Entschleunigung und tiefsitzenden Traditionen haben. Moderne Denker mögen müde darüber lächeln, aber Thompson war einer der ganz Großen, weil er die Schnittstelle zwischen Nostalgie und Realität perfekt zu vermitteln wusste.
Interessanterweise bot Thompson trotz des Eindrucks, in der Vergangenheit zu leben, massentaugliche Unterhaltung mit einem enormen Empathiepotential. Publikum, dass von revolutionären Innovationen und gesellschaftlichen Umbrüchen überflutet war, fand den unverfälschten Geist Amerikas in seiner Arbeit. Und genau das macht ihn im Rückblick zu einem Künstler, der vielleicht nicht für jeden, aber definitiv für diejenigen ist, die das Wesentliche preisen.
Lang vor der heutigen Spaltung zwischen urbanem Kosmopolitismus und ländlichem Konservatismus war Thompson mit seinen Figuren und Dialogen Wegbereiter für den traditionellen Stolz des Peanut-Belt. Seine Werke agieren als historische Zeitkapsel des Amerika, das ‚American Gothic‘ in einem neuen und sehr lebensechten Licht zeigt.
Es bleibt festzuhalten, dass Denman Thompson trotz oder gerade wegen seiner Bühnenstarrheit im konservativen Amerika heute immer noch ein Begriff ist. Seine tiefliegende Liebe zu den ländlichen Landstrichen und zu den hart arbeitenden Menschen blieben nicht unbeachtet. Es ist diese Integrität, die Generationen überdauert und ihm eine loyale Anhängerschaft sicherte.
Wer Denman Thompson nicht kennt, hat definitiv was zu lernen. Wer ihn versteht, erkennt den Glanz dessen, was er für die Bühne geleistet hat. Es geht bei ihm nicht um Zurschaustellung, sondern um das Gefühl und die Verbindung, die er immer wieder authentisch herzustellen wusste. In einer Welt voller Selbstzweifel und sozialer Aufführungssucht zeigt er Courage durch Tradition.