Warum das 'Corpus Scriptorum Historiae Byzantinae' nichts für Weicheier ist

Warum das 'Corpus Scriptorum Historiae Byzantinae' nichts für Weicheier ist

Das 'Corpus Scriptorum Historiae Byzantinae' ist eine beeindruckende Sammlung byzantinischer Texte, die zwischen 1828 und 1897 veröffentlicht wurde. Es liefert einen ungeschönten Blick auf die majestätische und brutale Realität des Byzantinischen Reiches.

Vince Vanguard

Vince Vanguard

Das 'Corpus Scriptorum Historiae Byzantinae' (CSHB) könnte genauso gut der heilige Gral für all jene sein, die nicht genug von der glorreichen Geschichte des Byzantinischen Reiches bekommen. Diese wertvolle Sammlung von byzantinischen Geschichtswerken wurde zwischen 1828 und 1897 in Bonn veröffentlicht, als die Menschen noch echten Respekt vor historischer Genauigkeit und Notwendigkeit hatten. Johann Albert Fabricius und dann Karl Wilhelm Dindorf haben diese riesige Enzyklopädie zusammengetragen. Sie verschafft uns einen wertvollen Einblick in das Große, das Mächtige und ja, auch das Kontroverse an der byzantinischen Geschichte. Von Kaisern, die mit stählerner Faust regieren, bis hin zu Intrigen, die ‚House of Cards‘ wie ein Kinderbuch aussehen lassen, bringt das CSHB das volle Spektrum der Menschheit ans Licht. Ohne rosarote Brille und mit einem harten Blick auf die Tatsachen, bietet diese Sammlung keine seichten Enden für liberale Träumer, die glauben, die Geschichte wäre nur ein unbeschriebenes Blatt, auf dem man nach Lust und Laune kritzeln kann.

Wer bereit ist, sich auf die wahre Geschichte einzulassen, wird schnell begeben, dass das Byzantinische Reich nicht nur ein Spiegelbild der Antike, sondern auch ein Vorbote der modernen Kultur und Politik ist. Und brauchen wir das nicht mehr denn je? Während die moderne Gesellschaft immer mehr den Fokus auf das Gegenwartsgeschehen legt, bietet das CSHB eine willkommene Möglichkeit, auf die Wurzeln unseres heutigen Europa zu blicken. Es stellt vielleicht auch eine peinliche Wahrheit dar – nämlich dass wir oft dieselben Fehler wiederholen.

Die Veröffentlichung des CSHB in Bonn, das damals sowohl ein Zentrum akademischen Lebens als auch konservativen Denkens war, fand während einer Zeit des Aufbruchs und der Neuausrichtung statt. Während in Frankreich die Revolution tobte und in Großbritannien die Industrialisierung die Lande veränderte, konzentrierte sich Deutschland auf das Studium der Geschichte. Eine weitsichtige Entscheidung, die zurecht als das Fundament der deutschen akademischen Tradition gilt.

Das CSHB enthält Werke, die von Prokopios bis hin zu Anna Komnena reichen und behandelt damit die Taten so unterschiedlicher Gestalten wie Justinian I. und seiner exzentrischen, wenngleich politisch versierten Ehefrau Theodora. Geschichte wird hier nicht zensiert oder gefiltert, sondern präsentiert in all ihrer brutalen Pracht. Ausbrüche, Eroberungen, und politische Manöver sind an der Tagesordnung – das ist keine gefilterte Erzählung für zarte Gemüter. Wer die rohen Details der byzantinischen Geschichte scheut, sollte die Finger von dieser Sammlung lassen.

Und in Zeiten, in denen sich so viele um historische Korrektheit bemühen und sich nicht zu schade sind, die Geschichtsbücher umzuschreiben, um den modernen Sensibilitäten zu entsprechen, bietet das CSHB eine erfrischend unveränderte Perspektive. Diese historische Sammlung schickt den Leser in eine Welt, in der das Wort „Authentizität“ nicht nur ein Modebegriff ist. Dieses Werk ist so nah an den Originalquellen, wie man es sich nur wünschen kann. Es malt ein Bild von einer Zeit, in der Ehre, Kultur und eine eiserne Faust die Geschicke der Welt leiteten.

Vielleicht wird es Zeit, dass wir uns vom CSHB inspirieren lassen und das Haus der Geschichte wieder so aufbauen, wie es einmal war – nicht als Schönfärbung irgendeiner Ideologie, sondern als robuste Erinnerung an das, was einst war, und ein Warnsignal für die Zukunft. Eben dies sollten Geschichtswerke wie das 'Corpus Scriptorum Historiae Byzantinae' bieten: eine unvergleichlich wertvolle Ressource, die nicht dem aktuellen Trend des Vergessens und Verdrängens weicht.

Daher weht der Wind: das CSHB ist nicht nur eine historische Aufbereitung für verstaubte Bibliotheken, es ist aktueller denn je. Es erinnert uns, wohin wir gehen, wenn wir vergessen, woher wir kommen. Wer Stärke, Weisheit und ein unverblümtes Bild der Geschichte schätzt, wird hier fündig. Und für alle anderen – nun, vielleicht bleibt ihr besser bei den Comicbüchern.