Carmen Parra ist die Künstlerin, über die wirklich jeder spricht – zumindest, wenn man einen Sinn für farbenfrohe Skandale und eine tiefe Abneigung gegen den Einheitsbrei der modernen Kunst hat. Geboren 1944 in Mexiko-Stadt, hat sie es geschafft, sowohl Infinity Ward als auch die traditionelle Kunstszene herauszufordern. Parra, die Tochter der prominenten mexikanischen Intellektuellen Tomás und Carmen Parra, hat eine Karriere aufgebaut, die sowohl Bewunderung als auch Kontroversen weckt.
Sediert von der Eintönigkeit der minimalistischen Kunst, entschied sich Parra für einen ganz anderen Weg. Während andere gegen den Strom schwammen, schuf sie Kunstwerke, die die mexikanische Tradition wie die Sprachen der Azteken und Mixteken zelebrieren. Diese Werke drängen förmlich darauf, dass unsere liberalen Freunde die Augen verdrehen. Parra entstaubte die mexikanische Ikonografie, indem sie Engel und barocke Elemente in ihren Arbeiten vereinte. Und ja, das Ganze spielt größtenteils in Mexiko-Stadt, dem kulturellen Epizentrum, das sie auch heute noch ihre Heimat nennt.
Kunst, die nicht nur anschaut, sondern hinterfragt. Parra greift zu Farben und Texturen, die jedem eine klare Botschaft aufdrücken: Die mexikanische Kultur lebt und gedeiht jenseits der Klischees und Kapitalismusschablonen, die manche darauf projizieren. Sie hat ihre Werke in renommierten Galerien auf der ganzen Welt ausgestellt, darunter auch das Museum of Modern Art in Mexiko-Stadt – denn wo könnte sie besser passen als in das Herzstück ihrer eigenen kulturellen Wurzeln?
Wer sich fragt, warum sich die Kunstwelt so leicht provozieren lässt, hat wohl noch nie von Carmen Parras Kooperationen gehört. Mit geschickten Kollaborationen, darunter Projekte mit mexikanischen und internationalen Künstlern sowie öffentlichen Institutionen, trägt Parra die kulturelle Fackel weiter. Eines ihrer beeindruckendsten Projekte war das 'Ángeles Custodios', das 1993 ins Leben gerufen wurde, um verloren gegangene mexikanische Kulturschätze wieder aufleben zu lassen und zurückzugewinnen.
Wenn man über Carmen Parra spricht, kommt man nicht um die Frage herum, ob sich ihre Werke jenseits der Kontroversen mit der Zeit als kunstgeschichtliche Säulen behaupten können. Klar ist, dass sie ihre Ikonografie mit einem bewussten politischen und sozialen Bewusstsein versehrt, was in einer Zeit, in der viele Künstler auf Mainstreamaktualitäten setzen, ein riskanter Schritt ist. Ihre kritische Auseinandersetzung mit dem kulturellen Erbe Mexikos könnte einige zeitgenössische Kunstbetrachter abschrecken, gleichzeitig jedoch das Kapital in der Nische der echten Kunstliebhaber immens anheben.
Parras Einfluss geht weit über ihre Gemälde hinaus. Sie ist auch eine Vordenkerin in der Art, wie sie die Grenzen zwischen Kultur und Politik verwischt. Ihr Interesse gilt der Bewahrung und Neuerfindung der mexikanischen Kultur, einer Kultur, die leider oft von den Wellen der Globalisierung verdrängt wird. Dass diese staubige Wiedergutmachung überdauert, zeigt nur, wie tief ihre Leidenschaft für das kulturelle Erbe ihres Landes verankert ist.
Man könnte sagen, Carmen Parra weiß, was ein echter Künstler tun muss: Sein oder ihr Publikum ständig herausfordern und provozieren. Sie hat sich ihren Platz im Rampenlicht der mexikanischen Kunstszene verdient, und ob man ihre Arbeit nun mag oder nicht, eines ist sicher: Mit Carmen Parra vor Augen wird die Diskussion über Kunst und ihre Bedeutung sicher nie langweilig.