Bube, Dame, König, grAS: Ein konservativer Blick auf einen literarischen Kult

Bube, Dame, König, grAS: Ein konservativer Blick auf einen literarischen Kult

"Bube, Dame, König, grAS" von Boris Koch erlangte Kultstatus für seine Darstellung der Berliner Lebensweise der 1980er Jahre und bietet Stoff für Diskussionen über Ideale und Lebensstile.

Vince Vanguard

Vince Vanguard

Was hat es mit dem deutschen Roman "Bube, Dame, König, grAS" auf sich, der 1994 von Boris Koch veröffentlicht wurde und seitdem die Gemüter erhitzt hat? In einer Welt, in der Literatur oft als intellektueller Spielplatz genutzt wird, gelingt es diesem Werk, eine unverwechselbare Spur in der Literaturlandschaft zu hinterlassen. Der Roman erzählt die Geschichte von vier Freunden, die im West-Berlin der 1980er Jahre mit Drogenexperimenten jonglieren. Aber Achtung, das ist kein zukunftsweisender Kulturschmankerl, sondern ein Abbild vom chaotischen Lebensweg der Protagonisten, die das System herausfordern – nicht, dass es ihnen auffällig gelungen wäre.

In der liberaler geprägten Literaturlandschaft wird man als Konservativer vielleicht nicht gleich auf die Shortlist des Feuilletons gesetzt, aber das macht Boris Koch umso unverfrorener. Die Charaktere sind nicht etwa moralisch erleuchtet, sondern mit rücksichtsloser Hingabe dem Hedonismus verfallen. Damit ist der Roman ein Paradebeispiel für die postmoderne Unfähigkeit, festgefügte Werte zu schätzen. Man fragt sich unweigerlich, wohin all die Lebensfreude und das Streben geblieben sind, wenn die Hauptfiguren des Romans von einer Selbstzerstörung zur nächsten taumeln.

Jetzt fragen Sie sich vielleicht, warum dieses Buch immer noch thematisiert wird und warum es konservativen Lesern den einen oder anderen Gedanken wert sein könnte. Ganz einfach: Es lässt die Defizite einer ideologisch einseitigen Erziehung und Weltanschauung erkennen. Während es manchen als authentisches Porträt des „glorreichen“ West-Berlins erscheinen mag, durchstückelt es aus konservativer Sicht sämtliche Prinzipien geordneter Lebensführung.

Ein Metier wie das der Literatur ist kein Ort, an dem die klare, rationale Weltanschauung oft viel Platz findet. Doch geben wir dem Roman seinen gebührenden Respekt für die Darstellung eines politischen und kulturellen Zeitgeists, dem Kollaps von Idealvorstellungen in den 1980er Jahren. Wer würde behaupten, dass eine Generation, die sich von Verantwortung verabschiedet, nicht ihren ganz eigenen Untergang inszeniert?

In „Bube, Dame, König, grAS“ wird die Zeit thematisiert, als West-Berlin noch ein Sammelpunkt der kulturellen Avantgarde war, in der die Berliner Mauer mehr als nur ein Stück Beton war. Ein Ort der Freiheit? Oder war es die Geburtsstätte eines moralischen Labyrinths, das die Seele und den Verstand zersetzt? Die Vier aus „Bube, Dame, König, grAS“ erkunden dies mit den immer gleichen Mitteln: Drogen, Rebellion und einer gehörigen Portion Sorglosigkeit.

Man könnte meinen, das literarische Werk stelle eine nostalgische Hommage an eine epische Ära dar. Konservative Leser sollten jedoch mehr mit einer vorsichtigen Kritik an den zerstörerischen Sehnsüchten einer Zeit rechnen, als aus ihr Wertvolles zu ziehen. Wer kann ernsthaft behaupten, dass das Leben eines Charles-Uwe, Frank, Nina und Thomas erstrebenswert ist? Möge es die Liberalen aus dem Sessel reißen – der Roman skizziert das Streben nach unaufhörlicher Freiheit, doch er endet in einem Morast aus Konsequenzen, aus dem sich die Charaktere nur selten herausheben können.

Es mag viele geben, die sich in den beschränkten Freigeistern der 80er wiederfinden und darin eine Ode an die Freiheit sehen. Aber dieser Freigeist führt in Kokain bewusste Gliedmaßen in den Abgrund. Das bringt uns zu der unbequemen Frage: Wie ist ein moralisches Schiffswrack wie das in unserem eigenen Alltag zu verhindern?

Lassen wir das Berlin der 80er nicht als Erfindung auf dem Altar der Retro-Religion hingeben. Es kann lehrreich sein, aber nicht im Sinne eines Nachahmungsobjekts. Beobachten wir lieber, wie verstörende Nischen unserer Gesellschaft realen Schaden anrichten. Nein, wir können nicht alles der Kreativität oder der Freiheit opfern. Die wahren Opfer dieser Geschichten sind am Ende die Charaktere selber.

„Bube, Dame, König, grAS“ hat uns vielleicht unzählige Zusammenstöße mit den Verblendungen einer epikureischen Gesellschaft gelehrt. Während der Rauch der letztlich zerstörerischen Lifestyle-Attitude sich legt, blicken wir auf das Trümmerfeld der Illusionen und erkennen: Nicht alle Stürze sind glorreich, manche sind in ihrer Substanz schlichtweg traurig.