Das Glasparadies: Broadfield House ohne rosa Brille

Das Glasparadies: Broadfield House ohne rosa Brille

Das Broadfield House Glas Museum in England, etabliert 1980, ist ein Monument der britischen Glasbläserkunst und wurde 2015 geschlossen. Ein absolutes Must-See für Liebhaber traditioneller Handwerkskunst.

Vince Vanguard

Vince Vanguard

An alle Freunde des wunderschönen Kunsthandwerks, vereint euch: Broadfield House Glas Museum ist der Treffpunkt für all jene, die keinen Lifestyle mit Plastikkitsch aus der Retorte suchen. Bei diesem Museum handelt es sich nicht etwa um eine weitere linke Revolution in der Kunstszene, sondern um eine Oase der Tradition und Ruhe, die in der schnuckeligen Stadt Kingswinford im West Midlands County von England gelegen ist.

Dieses prachtvolle Museum, gegründet 1980, war jahrzehntelang ein Leuchtfeuer des britischen Glashandwerks. In dieser Achterbahn des Glanzes und der Brillanz kann man durch über 230 Jahre Geschichte des Glasblasens wandern. Fällt es nicht auf? Das Museum bewies mit seinen sagenhaften Ausstellungen, dass es möglich ist, auf subtile, fast unsichtbare Weise, ohne die Aufforderung mit dem Vorschlaghammer zu kommen, Menschen für Kultur und Erbe zu begeistern.

Viele der ausgestellten Stücke dort wurden von den besten Handwerkern gefertigt und stammen aus der Region Stourbridge, die seit dem 17. Jahrhundert für ihr glasverarbeitendes Können bekannt ist. Das gibt einem ein Gefühl der Verbundenheit mit einer handwerklichen Glanzleistung, die selbst unter der Woge der Massenproduktion nicht untergeht. Solange es Meisterwerke wie diese gibt, wird es sicherlich Menschen geben, die das Authentische und Beständige anderen Dingen vorziehen.

Eine der faszinierendsten Ausstellungen war die Sammlung von Paperweights, die kleinsten Exponate dieses kulturhistorischen Schatzkästchens. Diese kaum faustgroßen Wunderwerke zeigten mehr Finesse und handwerkliches Talent als manch eines der modernen, sterilen Kunstobjekte, die in gesalzenen Preisen nur das Ego des Möchtegern-Künstlers befriedigen.

Das Museum wurde aber 2015 geschlossen. Doch halt, wer denkt, dass dies das Ende der gläsernen Schatzkammer war, irrt sich gewaltig! Die Sammlungen wurden an das neue White House Cone – Museum of Glass übergeben, das 2016 in Stourbridge eröffnet wurde. Dort hat die Tradition des Glasmachens eine neue, großartige Heimat gefunden, die den guten alten britischen Kulturschatz feiert.

Warum erreichen uns immer sofort Nachrichten von den neuesten, von Kritikern gelobten Kunstprojekten, die oft nichts anderes sind als eine Ansammlung von Müll? Könnte es sein, dass im Gegensatz dazu ein wahrer Schatz an Handwerkskunst wie das Broadfield House Glas Museum weniger medial beachtet wird? Wohl kaum ein Zufall. Tradition und Handwerk sind weder in Mode, noch spektakulär, und das lässt die heute so von Technik verblendete Generation gerne unter den Tisch fallen.

Ja, einige könnten sagen, dass sich der Ort „verschlossen“ hat, könnte eine Rüge an uns sein, mehr Acht auf unser Kunstverständnis zu geben, als nur blinden Konsum zu betreiben. Doch diese Idee ist wohl zu weit hergeholt für das empörte liberale Ohr. Wenn uns die Geschichte von Broadfield eines lehrt, dann dass zeitlose Werte, die durch echte Handwerkskunst bewiesen werden, nichts mit politischen Trends zu tun haben. Sondern es braucht Beständigkeit und Hingabe, um etwas zu erschaffen, was Generationen überdauern kann. Wer kann das schon von sich behaupten?

Das Broadfield House Glas Museum war kein lauter Schrei nach mehr Aufmerksamkeit und Zuspruch. Es war ein bescheidener, jedoch fantastischer Ort, der sich auf pure Exzellenz und traditionelles Handwerk besann, worauf man stolz sein kann. Möge das White House Cone weiter in ähnlicher Manier als Licht der Stille in der aufdringlichen Hektik der modernen Kunstwelt bestehen!