Stell dir eine Bühne vor, die so energiegeladen ist, dass selbst der wohlbekannt ruhige Rockstar Sting wie ein Vulkan erscheint, der nur darauf wartet auszubrechen. 'Bring On the Night', der halb Dokumentarfilm, halb Konzertfilm aus dem Jahr 1985, zeigt genau das: die Geburtsstunde von Stings Solokarriere. Der Regisseur Michael Apted, ein Gustostück-alter Hase in der Filmindustrie, begleitete Sting und seine einfallsreich zusammengewürfelte Band, darunter Jazzgrößen wie Branford Marsalis, Omar Hakim und Darryl Jones, während sie sich in der Château Neuf-Stadt von Paris auf eine Tournee vorbereiteten und die frisch gebackenen Songs des Albums 'The Dream of the Blue Turtles' einstudierten. Warum Paris? Weil es die Stadt des Lichts ist, und wer könnte besser das Licht der Musik entfachen als Sting selbst?
Jetzt kommt der Hammer: Stings Entscheidung, seine Band mit Jazzmusikern zu füllen, war nicht nur mutig, sondern ein Schlag ins Gesicht für die Musiktraditionen der damaligen Zeit, in denen Rockmusik fest im Sattel saß. Jeder, der ein wenig Ahnung von Musik hat, weiß um die infektiöse Energie des Jazz, der in Stings Live-Performances eingefangen wird. Wer denkt, es sei leicht, die Welt zu erschüttern, während man sanft singt? 'Bring On the Night' zeigte, wie Sting darauf setzt, dass Jazzimprovisationen Rockmusik in den Schatten stellen. Das Ergebnis war keineswegs nur ein Film für Musikliebhaber, sondern ein lebendiger Beweis dafür, dass gute Musik jegliche politischen und gesellschaftlichen Grenzen sprengen kann.
Stings Kommentierungen und reflektierenden Momente im Film kitzeln die grauen Zellen, indem er über Musik als universelle Sprache philosophiert. Interessanterweise wird die Einrichtung der Band nicht bloß als 'Stings neue Supergroup' dargestellt. Stattdessen gewährt der Film einen Blick auf die Herausforderungen, aber auch die witzigen Momente, die sich bei der Zusammenarbeit von Musikern unterschiedlicher Genres ergeben. In gewisser Weise ist dieser Film ein Genuss für Ästheten, die wissen, dass wahre Kunst entsteht, wenn man die Komfortzone verlässt.
Man kann sagen, dass 'Bring On the Night' sich genauso um die Auflösung bestehender Strukturen dreht, wie um das Schaffen neuer, harmonischer Verbindungen. Bedenkend, dass die damaligen kulturellen Narrative Teil einer sehr populistischen Popkultur waren, zeigt der Film den Mut und die Avantgardementalität eines Künstlers, der lieber auf das Unbekannte setzt als auf das Bekannte zu setzen. In einer Welt, in der viele meinen, sich auf konventionelle Sicherheiten verlassen zu müssen, griff Sting nach den Sternen. Der Film ist tatsächlich ein Symbol für das Streben nach Freiheit und kreative Herausforderungen.
Ein wenig Ironie gibt es zudem: Während viele im symbolträchtigen 1980er Jahrzehnt die Schultern zuckten und über den 'Tod des Rock' jammerierten, bringt 'Bring On the Night' die Seele, die Energie und den Puls der Musik zurück auf die Straße. Soziale und kulturelle Grenzen verblassen in den Hintergrund, während die Musik ihren Platz einnimmt. Wer die Stärke der Musik unterschätzt, hat eben noch nicht den hypnotisierenden Einfluss miterlebt, den eine Show wie diese ausstrahlt.
Man darf auch den Punkt nicht übersehen, dass in unserer heutigen Kultur, geprägt von einem Meer an belanglosem Mainstream zu oft der Reiz fehlen kann. Damals wie heute findet man in 'Bring On the Night' endlich wieder einen Keim der Authentizität, in dem künstlerische Integrität die Oberhand hat. Vermutlich wird jetzt klar, warum dieser Film so potenziell Polarisiert! Während der Soundtrack über parlamentarische Debatten hinaus schmeichelt, wird die Message klar: Echtheit übertrumpft Schein, und das blendet all jenen, die fixiert auf politische Korrektheit mit Scheuklappen durch die Welt poltern.
Während andere Filme aus dieser Zeit mittlerweile Staub anzusetzen beginnen, bleibt 'Bring On the Night' in seiner Relevanz standhaft und beweist, dass Musik mehr sein kann als ein einfacher Zeitvertreib. Für diejenigen unter uns, die die Kunst hinter dem Spektakel erkennen, ist dieser Film eine Offenbarung. So wird nicht nur einfach eine Geschichte über ein Konzert erzählt, sondern eine umfassende Erzählung, die die Macht der Kunst und des persönlichen Ausdrucks in einem einzigen Film bündelt.