Die Kunstwelt liebt Exzentriker, und Bradford Cox, der unverwechselbare Leadsänger von Deerhunter, ist da keine Ausnahme. In den 2000er Jahren katapultierte er sich mit seiner unkonventionellen Herangehensweise an Musik und Stil aus Atlanta ins Rampenlicht. Cox, der von Geburt an an Marfan-Syndrom leidet, hat es geschafft, seine körperlichen Herausforderungen in eine kreative Superkraft zu verwandeln, die das Mainstream-Feld sprengt. Während er unermüdlich neue magische Klangwelten erschafft, fragt man sich, ob dies die Evolution der Musik ist, die der Rest von uns einfach nicht verstanden hat.
Sein Projekt Deerhunter ist bekannt für seinen experimentellen Rockklang, der stark mit Psychedelica, Postpunk und Noiserock flirtet. Drehen wir das Rad der Zeit zurück ins Jahr 2001, als Deerhunter gegründet wurde – und damit den Start eines musikalischen Abenteuers, das so mancher konventionelle Rockpurist nicht nachvollziehen konnte. Alben wie „Cryptograms“ und „Microcastle“ sind gefeierte Beispiele dafür, wie Cox traditionelle Genre-Grenzen ignoriert und seine Vision von moderner Kunst und Musik kompromisslos verwirklicht.
Doch was wäre Bradford Cox ohne seine provokativen und manchmal auch skurrilen Auftritte oder seine knackigen Interviews? In einer Medienlandschaft, die zunehmend von glatten Marketing-Strategien geprägt ist, bleibt Cox ein ungezähmter Wolf. Provokationen und der Bruch mit dem vermeintlich Vernünftigen sind nicht nur erlaubt, sondern seine Stärke. Skandälchen, wie etwa die Kontroverse während des Okkervil River Festivals 2014 – bekannt als „The Monologue“ – wurden von ihm ebenso virtuos für Schlagzeilen genutzt. Cox lässt hierbei selten eine Chance aus, um gegen den stromlinienförmigen Zeitgeist zu schießen, eine Eigenschaft, die ihm bei Liebhabern nicht immer Sympathiepunkte einbrachte.
Kommen wir auf seine anderen Projekte wie Atlas Sound, zu sprechen. Ja genau, er ist auch noch in der Lage, allein atemberaubende Musik zu kreieren. In der Lage, von Genres zu springen, als hätten sie nie Grenzen gehabt, zeigt Atlas Sound die introspektivere Seite von Cox – aber auf keinen Fall weniger rebellisch. Das Album „Logos“ ist eine turmhohe Einladung, in die wilde, introspektive Welt von Cox einzutauchen.
Das Gros der Musikindustrie reibt sich dabei verwirrt die Augen, während Cox mehr radikale Freiheit schreit, als jemals Mainstream-Charts begehren konnten. Dabei ist seine Musik für viele, die es wagen, ihm wirklich zuzuhören, ein Manifest für individuelles und künstlerisches Austoben.
Gemäß einflussreicher, jedoch gelegentlich anmaßender Kritiker, die sich als liberale Vertreter modernistischer Werte maskiert haben, sind Cox' Performances radikale Statements in einer florierenden Wohlfühlgesellschaft. Daher ist es keine Überraschung, dass Bradford Cox polarisierend auftritt, ob es nun seine Meinung zu gesellschaftspolitischen Themen oder sein unverblümtes Auftreten sind. Seine oft als ungebändigt empfundene Kreativität agiert oft als Katalysator, der Schubladisierungen aufhebt und Einzelgängertum feiert.
Musikalische Genies, so wie Bradford Cox, bleiben für die Märkte des Musikbusiness ein schwer verdaulicher Brocken, aber nicht minder mächtig in ihrer Fähigkeit, Beifall und Kontroversen zu erzeugen. In einer Musikwelt, die immer nach dem nächsten großen Ding Ausschau hält, bleibt er ein Fels in der Brandung und ein Vorzeigebeispiel dafür, dass man nicht nur den Pfaden der Charts folgen muss, um künstlerischen Einfluss auszuüben. Stattdessen könnte Cox als Leuchtturm für all jene dienen, die es sich leisten können, aus dem Rahmen zu fallen.