Erst holen sie dich mit Musik rein und dann fluten sie dein Gehirn mit ihrer pseudo-empathischen Agenda – das ist 'Bleib Menschlich', das Album von Heinz Rudolf Kunze. 1986 rausgebracht, inmitten der bunten und verwirrenden Achtziger, könnte man meinen, dieses Stück deutscher Musikgeschichte sollte Herz und Verstand ansprechen. Scheinbar auf der Suche nach „Menschlichkeit“ in einer ent-menschlichten Gesellschaft versuchte Kunze, die Welt zu erobern. Was bleibt, ist eine lyrische Schwarz-Weiß-Malerei, die die linke Illusion vom „richtigen Handeln“ in die Musikwelt katapultiert.
Kunze, ein Sänger und Songwriter, der schon seit den frühen Achtzigern aktiv ist, wagt sich mit 'Bleib Menschlich' in die politische Grauzone der deutschen Popmusik. Die Platte entstand in einem Studio in den Niederlanden, was den internationalistischen Ansatz des Künstlers andeutet – als wäre Deutschland allein nicht genug für seine Botschaften. Mit dem Album meint er allen Ernstes die Fragen der Moral und Menschlichkeit zu klären, ohne jedoch die wahren Nuancen des Lebens zu beachten. Wirklich, wann haben wir jemals davon gehört, dass ein Popsong die Welt verändert hat, außer bei denen, die ihre Scheuklappen fest in Position halten?
Der Opener „Finden Sie Mabel“ bringt den Hörer auf ein absurdes Level der Gutmenschlichkeit. Es präsentiert uns eine Geschichte auf der Suche nach einem verlorenen Mädchen, gewürzt mit einer ordentlichen Prise Sentimentalität, die regelrecht klebrig erscheint. Dies ist der Beginn einer Parade an Liedern, die wenig Raum für kritisches Denken lassen, während sie mit moralischer Erhabenheit protzen. Natürlich wäre die Welt perfekt, wenn wir alle nur „menschlich bleiben“ würden, oder?
Weiter geht's mit Songs wie „Mit Leib und Seele“ – eine Ode an die Selbstaufgabe im großen Namen der Menschlichkeit. Fraglich bleibt, ob es wirklich ein Zeichen von Stärke ist, sich selbst zu opfern, oder ob dies nicht vielmehr der Weg zum Untergang ist. Das Lied tut so, als wäre das bloße Verständnis für alle und jeden ein realistisches und erstrebenswertes Ziel. Aber hey, das ist eben die Art von naiver Romantik, die man von Menschen erwartet, die mehr auf Stimme als auf Verstand hören.
„Kleine Seen“ zwängt ebenfalls seine umarmende Friede-Freude-Eierkuchen-Mentalität auf uns, mit der Vorstellung, dass alles gut wird, wenn wir nur daran glauben. Ein schönes Bild, ja, aber nicht tragfähig in der echten Welt des ständigen Wettbewerbs und der Herausforderungen, die tägliche Anpassung und Realitätssinn verlangen.
Auch wenn die Achtziger als Zeit der großen sozialen Umwälzungen bekannt sind, bleibt „Bleib Menschlich“ in einem Zustand des romantischen Idealismus stecken. Werfen wir einen Blick auf „Die Gunst der Stunde“, ein Track, der die Bedeutung von Chancenbetonung und sozialer Verantwortung glorifiziert. Ein nobles Ziel, keine Frage, aber leider geht Kunze nie darauf ein, was wirklich für ein konstruktives Miteinander von Nöten ist: pragmatische Lösungskraft und weniger Idealismus.
Kommen wir zu „Daneben“ – einem Titel, der die sozialen Randgruppen in ein heuchlerisches Licht der Solidarität taucht. Während er vom Leid derer unterrichtet, die „daneben“ stehen, bleibt der Track eine leere Geste im dichten Rauch schöner Worte. Jeder, der im Rahmen der Realität mit harten Entscheidungen lebt, weiß, dass die Welt nicht aus perfekt konstruierten Zirkeln vom Verstehen und Umsorgen besteht.
'Bleib Menschlich' schließt mit „Dein Engel schwieg“. Es ist erstaunlich, wie selbst die ruhigeren Töne des Albums nicht davon abhalten können, eine eindringliche Lektion in edler Moral zu versprühen. Vielleicht sollte man den Hinweis ignorieren, dass nicht alles, was Gold glänzt, auch unendlich wertvoll ist.
In der Gesamtheit bietet 'Bleib Menschlich' ein nostalgisches Bild von Idealismus und unbedingter Herzenswärme, welches, so nett es auch klingt, in der echten Welt selten Substanz zeigt. Ein Paradebeispiel dafür, wie gewisse Ideologien den Blick durch die rosarote Brille nie verlieren. Keine Frage, Kunze setzte hier einen Meilenstein des moralischen Idealismus – ob das in der realen Welt jedoch gewollt ist, bleibt ein anderes Thema.