Gossip kann's immer noch: Bewegung und der Soundtrack einer Generation

Gossip kann's immer noch: Bewegung und der Soundtrack einer Generation

Wer hätte gedacht, dass die 2000er-Rocker Gossip zurückkehren? Mit ihrem Album „Bewegung“ setzen sie auf künstlerische Provokation und politische Statements, die nicht jeden Geschmack treffen, aber das Ohr fangen.

Vince Vanguard

Vince Vanguard

Wer hätte gedacht, dass die 2000er-Rocker erneut die Musikwelt aufmischen wollen? Das Trio Gossip, bekannt durch ihre charismatische Frontfrau Beth Ditto, ist zurück mit ihrem neuesten Album „Bewegung“. Dieses musikalische Werk wurde im Oktober 2023 veröffentlicht und versetzt die Fans des Indie-Rock in absolute Ekstase. Jene Generation, die mit 'Standing in the Way of Control' auf Partys unterwegs war, bekommt nun eine bittersüße Nostalgie geliefert, erweitert um aktuelle politische Kommentare, die sicher nicht jedermanns Geschmack treffen.

Gossip war schon immer eine Band, die sich darum bemühte, durch ihre Musik gewisse gesellschaftsrelevante Themen anzusprechen. Doch mit „Bewegung“ tritt die Gruppe noch stärker aus der Komfortzone der unpolitischen Popklänge heraus. Ihr Album ist nicht nur ein ironischer Blick auf den aktuellen Stand der Welterereignisse, sondern auch ein kraftvoller Call-to-Action für eine Generation, die immer mehr aus ihren Sesseln gerüttelt wird. Mit Zitaten aus politisch links-motivierten Diskussionen und klangvollen Rhythmen, die sich ihren Platz in jedem Gehörgang erobern, ist dieses Album doch mehr als nur ein weiterer Eintrag im Musikkalender.

Der erste Track des Albums, „Start It Up“, gibt den Ton an: energetisch, laut und unmissverständlich. Wer sich über den politischen Tenor von Gossip aufregt, wird hier keine Atempause finden, denn jeder Song dieses Albums birgt seine eigene Message. Es ist, als wolle die Band stets aufs Neue provozieren und damit Unruhe stiften, perfekt passend zum Titel: „Bewegung“ möchte zum Denken anregen, ganz gleich, wohin die Gedanken dann auch führen mögen.

Natürlich, die Sympathie für diese Musik wird stark davon abhängig sein, wie man selbst zum Kurs der derzeitigen Politik steht. Kritik wird dabei hauptsächlich aus einer Richtung kommen: von jenen, die sich einfach nicht vorschreiben lassen wollen, was in ihrem Kopf vor sich gehen soll. Es ist diese widerständige Haltung, die „Bewegung“ zu einem durchaus interessanten Album für den modernen Konservativen macht, der seine eigene Meinung nicht so leicht beeinflussen lässt.

Man darf bei Gossip nicht die Tendenz zur ironischen Übertreibung vergessen. Das sollte nicht überraschen, angesichts Dittos Hang zur dramatischen Bühnenpräsenz und eindringlicher Botschaften. Besonders in Liedern wie „Revolutionary Work“ wird eine Mischung aus den Beats der 80er und 90er Jahre verwendet, die stark an die musikalischen Kampfreden vergangener Zeiten erinnern.

Ein weiterer Rockkracher ist „Energy“, fast schon ein Slogan für all jene, die nicht mehr wortlos am Laptop sitzen wollen, sondern bereit sind, für ihre Überzeugungen auf die Straße zu gehen. Doch ist dieser Drang zur Aktion wirklich durchdacht, oder lediglich aus einer hitzigen Emotion heraus geboren? Hier offenbart sich die größte Kritik: Die Gefahr der bloßen Originalität ohne echtes Hinterfragen. Einfach auf die plakative Testosteron-Rebellion zu setzen, anstatt sachlichen Diskurs zu fördern, könnte als unklug angesehen werden.

Politisch konservative Individuen erkennen schnell, dass „Bewegung“ vor allem ein Rockalbum für die Generation Buzzfeed ist — alles in Eile, bloß keine grauen Zellen überanstrengen, während man den Finger Richtung Probleme unserer Zeit streckt. Es ist, als hätte die Band entschieden, die Kontrolle erneut abzugeben, immer auf Schnäppchenjagd nach der nächsten Anti-Fahne.

Was aber auch spannend ist, ist die durchaus meisterhafte Produktion des Albums. Gossip hat es geschafft, eine klangliche Brücke zwischen ihren eigentlichen Wurzeln und der modernen Musikszene zu schlagen. Die angedeuteten Retro-Synths, kombiniert mit trotzigem Indierock machen aus jedem Track einen Ohrwurm, selbst wenn man nur wegen der Melodie zuhört und die Botschaft ignoriert.

Der Versuch, ein politisches Statement zu setzen, verschwindet häufig jedoch im Überschwang der endlosen Beats und hohlen Parolen. Doch vielleicht ist es genau das, was uns Gossip sagen wollen: Lasst euch die Gedanken nicht vordinieren, egal ob von links oder rechts. Mach dir dein eigenes Bild, höre 'Bewegung', und wenn du herausfinden magst, was in deinem Umfeld gerade schief läuft, dann schau nicht nur nach, sondern schaffe dir Klimawandel in deinem Inneren. Oder auch nicht. Man akzeptiert oder kritisiert nach eigenem Ermessen.

So bleibt „Bewegung“ ein wenig die Definition eines modernen Musikphänomens: Eine stilistische Kakophonie, dazu gedacht, um in unserer unkontrollierbaren, schnellen Unterhaltungskultur überleben zu können. Eine Welt, in der viele sich fragen, ob es nicht sinnvoller wäre, auf das eigene Wohl zu hören, anstatt auf den Krach von denjenigen, die versuchen, den Widerstand gegen den Widerstand zu Widerstand zu erklären. Ob man es mag oder nicht, „Bewegung“ ist da, um die nächste Party zu stürmen, mit oder ohne freigeistigem Konsens.