Warum 'Besser als Schokolade' tatsächlich Keins von Beiden ist

Warum 'Besser als Schokolade' tatsächlich Keins von Beiden ist

Eine Provokation für die moderne Lesewelt: Warum das Buch 'Besser als Schokolade' nicht das Zuckerwerk der Wahrheit liefert, das seine Leserschaft glauben mag.

Vince Vanguard

Vince Vanguard

Deutschland, das Land der Dichter und Denker, des Bieres und der Brezeln, hat eine ganz spezielle kulturelle Eigenheit hervorgebracht: das sogenannte 'Besser als Schokolade'. 2020 erschien dieser moderne Roman der deutschen Autorin Julie Leuze – freundlich ausgedrückt ein Versuch, die vermeintlich komplizierten Realitäten der Erwachsenwerdens zu untersuchen. Warum, liebe Töchter vom linken Spektrum, greift ihr jedoch so enthusiastisch nach einem Buch, das versucht, alltägliche Schokolade mit einer Mischung aus jugendlicher Romantik zu ersetzen? Es findet Unterstützung in den Lesekreisen, jemand hat beschlossen, dass es angebracht sei, dieses Werk in die Herzen und Köpfe heranwachsender junger Frauen zu pflanzen. Wer glaubt, ein paar Seiten moderner Romanze könnten die Realität süßer machen als zartschmelzende Schokolade?

Beginnen wir bei den Figuren. Kaum eine davon strahlt echte Reife oder Intelligenz aus. Wie bitte, soll eine Rachel (die Protagonistin), sich durch den Dschungel der Pubertät schlagen? Über Schokolade mag man sich streiten können, doch die aspartamgesüßten Dialoge hinterlassen einen bitteren Nachgeschmack. Dort, wo Tiefgründigkeit gefragt ist, findet sich nur Melasse. Kein Wunder, dass die eigentliche Substanz fehlt und die Figuren in klischeehafter Monotonie verharren, statt sich in Themen wie Disziplin, Ethik und Verantwortungsbewusstsein zu vertiefen.

Die Handlung? Ein Pseudo-Drama aus der Welt von High-School-Haltungen und emotionalen Achterbahnfahrten. Hier wird angedeutet, dass Emotionen über Logik siegen sollen. Ein schwaches Plädoyer für das Intuitive, das mit symbolischen Zuwiderhandlungen gegen institutionalisierte Strukturen sympathisiert. Wenn Bücher wie dieses als kulturelle Erweckung gefeiert werden, dann weiß man sicher: Der Verlag weiß genau, wie man bei der Zielgruppe einen Image-Gewinn erzielen kann. Denn was brauchen wir heutzutage mehr als zuckerfreie Illusionen, die die eigentliche Härte des Erwachsenenlebens kaschieren?

Bevorzugen wir nicht doch lieber Literatur, die den Verstand herausfordert, an dem Punkt, an dem man nur noch zynisch mit dem Kopf schütteln kann? Erinnern wir uns an Goethes 'Die Leiden des jungen Werthers' – ein Werk, das die innere Zerrissenheit konsequenter ausdrückt und methodisch Kraft in der Einsicht verleiht und nicht durch Träumereien ablenkt. Was war mit Bildungsromanen, die nicht nur zum Denken anregen, sondern auch zur Handlung im echten Leben? Während 'Besser als Schokolade' Erwartungen durch ein imaginäres Label der Rebellion lenkt, frage ich mich, ob solch Geschwätz als wirklicher Kompass auf der Reise durchs Leseleben präsentieren sollte.

Was könnte 'Besser als Schokolade' also für euch bereit halten? Steigert sich das Verständnis, so diesen Roman als neuen Kurs der jugendlichen Identitätsbildung zu verstehen, zu Kummer für die Elite der analytischen Literatur, die die Leser inspirieren soll? Ein Buch, dass uns fälschlich vorgibt, das unausweichliche 'Realerwachsenwerden' durch Flucht in Fantasien zu bewältigen. Statt uns das Leben hart erarbeiten zu lassen, werden wir durch rosarote Formulierungen in Sicherheit gewogen. Genug der Prosa, um deutlich zu machen, weshalb wir skeptisch gegenüber der Erwartung bleiben sollten, dass solche Literatur als neue Norm eingeführt wird.

Es gibt sicherlich jene unter uns, die den Charme der literarischen Unterhaltung suchen – Unterhaltung, die nicht im Schwebezustand der Handlung von 'Besser als Schokolade' hängen bleibt, sondern greifbare Elemente bereitstellt. Der Gedanke an konkrete Lösungen durch handwerklich brillanter Literatur scheint jedoch nicht mehr zu genügen. Warum nicht den Versuch unternehmen, Lesematerial auszuwählen, das inspiriert und Leser zu selbstständigem Nachdenken führt, anstatt sie in übersüßter Oberflächlichkeit zu belassen?

Am Ende bleibt die Gewissheit: 'Besser als Schokolade' ist wohl kaum, was der Titel suggeriert. Der eigentliche Coup liegt in der Marketingleistung, kein literarischer Hochgenuss im eigentlichen Sinne. 'Besser als Schokolade' bleibt damit bestenfalls anekdotisch, ein subtiler Hinweis darauf, wie weit wir uns von substanzreicher Lektüre entfernt haben. Dies ist der Art von Material, die sich an eine Generation wendet, die brav ihre pseudorebellischen Noten wider allem hintergreift, was früher einmal als ansehnliches Leseverhalten wert war. Daher: Wozu ein Buch in den höchsten Himmel loben, wenn Schokolade ihnen schlicht alles gibt, was sie brauchen?