Bahnhof Mercer: Ein konservativer Blick auf ein linksgerichtetes Kunstprojekt

Bahnhof Mercer: Ein konservativer Blick auf ein linksgerichtetes Kunstprojekt

Bahnhof Mercer, ein interaktives Kunstprojekt in SoHo, wird von manchen als Beispiel für kulturellen Übermut betrachtet.

Vince Vanguard

Vince Vanguard

Bahnhof Mercer – klingt wie das nächste Kapitel in einem typischen New Yorker Dramen, aber in Wirklichkeit wird hier ein Schlag auf das kulturelle Gut der Stadt ausgeteilt. Inmitten von SoHo, unter der unechten Blüte einiger künstlerischer Projekte, befindet sich dieses umstrittene Konstrukt. Hier in SoHo, einem Stadtteil, der ehemals der Quintessenz des konservativen Manhattans entsprach, hat sich nun ein Schmelztiegel der modernen Kunst aufgetan. Doch was tun, wenn Modernität zu frei und unkorrigiert wirkt?

Die Bevölkerung der Stadt, im Netz dieser künstlerischen Meilensteine verstrickt, sieht sich gezwungen hinzunehmen, was an gestalterischer Propaganda in ihren Alltag fließt. Man denke an eine Art sozialer Experimente, die den konservativen Bürger herausfordern statt erfreuen. Während die Kunstbetrachter in eine gedämpfte Bewunderung versinken und das Projekt mit leeren Lobgesängen feiern, ist nicht zu ignorieren, dass diese Art von Projekten eher dazu tendiert, traditionellen Werten ihre Bedeutung abzusprechen. Das Projekt ist ein Musterbeispiel dafür, wie man mit Hyde-Park-farbenfrohen Experimenten einen politischen Standpunkt niedertrampeln kann.

Der Bahnhof Mercer ist geschichtsträchtig. Ohne Zweifel. Einst war er ein Wahrzeichen für den Aufstieg von Industrie und Handel. Sein Erbe wird hier jedoch unter einer Schicht von unerkannten, aber sicherlich nicht anerkannten Bedeutungen begraben, die in die verzogene Leinwand eingewoben sind, welche die heutige Installation prägt. Wo einst ein simpler Industriezug vorbeifuhr, propagiert nun eine surreale Collage von vermeintlich tiefgründigen Kunstwerken die Dekonstruktion jeglicher kritischer Infrastruktur – sowohl physisch als auch ideologisch.

Der Künstler hinter der Installation, dessen Namen hier aus Respekt erstenorts vermieden wird, präsentiert das Werk als Brückenbauer zwischen Vergangenheit und Gegenwart. Aber Hand aufs Herz: Wäre es nicht eine wunderbare Ironie, wenn wir dies als Symbol dafür ansehen würden, wie solch liberale Experimente an der Wahrnehmung der einfachen Leute vorbeigehen? Sind es nicht oft diese hochtrabenden Projekte, die uns über die tatsächliche Zweckmäßigkeit und Erreichbarkeit der Kunst ins Zweifeln zu bringen vermögen?

Es zu leugnen wäre absurd – Kunst ist ein notwendiger Bestandteil der menschlichen Erfahrung. Aber was passiert, wenn diese Erfahrung nicht in die Breite vermittelt, sondern eher exklusiv ausgesiebt wird? In der Kunst dreht sich nicht alles um Schönheit allein, sondern auch um Empfang. Aber wenn der Zugang eingeschränkt wird und nur einer Praxis der Desillusionierung dient, rückt es in ein ganz anderes Licht.

Das Bemerkenswerte an Camden Station ist die Art und Weise, wie sie einerseits den innerstädtischen Geschmack, der einst so stolze Bauten wie die Brooklyn Bridge zierte, überlagert, und andererseits zeigt, wie kulturelle Naherhohlungsgebäude dazu missbraucht werden, um alternative Sichtweisen zu fördern. Es knüpft nicht an die Tage disziplinierter Eisenbahnenthusiasten an, sondern fördert einen Vorwärtsschub zu einer alternativen Progressivität, die alte Werte nachlässig negiert. Und während die Kreativität der Künstlerin unbestreitbar zum Diskurs einlädt, muss man sich fragen: Zu welchem Zweck wird dieser Diskurs gelenkt?

Die Standortverlegung von traditionell stabilen zu experimentellen Strukturen mag vielleicht einigen Spannungen einen kreativen Auslass bieten, könnte aber andererseits die Flut der Zufallskunst, die uns tagtäglich überrollt, nur intensivieren. Ist es die Mühe wert, ein kuscheliges Netz für Künstler zu spannen, die nicht bereit sind, ihre Arbeiten frei von erdichter Symbolik auszulegen?

Ein neutraler Beobachter – oder zumindest der Korrespondent, den der gesunde Menschenverstand sieht – würde den Schwerpunkt nicht auf unstetige Manifestationen traditioneller Elemente lenken. Rational betrachtet nennt man das wohl Kitsch – jedoch in einem Kleid aus sozial kritischer Tiefgründigkeit, das sich nur schwer vom westlichen Festland trennen lässt.

Rümpfen wir nicht alle die Nase, wenn Kunst uns veranlasst, als Bürgerrechte erachtete Konzepte zu hinterfragen, die schon seit Generationen gelegt wurden? Natürlich ist Kunst dafür da zu provozieren, aber wenn die Provokation zur regelverbindlichen Annahme wird, zeigt sich eine Schwäche im Diskurs, die kaum zu übersehen ist.

Ja, die Mercer Street hebt sich für alle hervor, die bereit sind, sich in diese Mischung aus Archaischem und Neuzeitlichem zu stürzen. Doch für den aufmerksamen Bürger vereinnahmt sie mehr als sie konsumiert. Gebt uns lieber einen Bahnhof, der unsere alten Werte zugänglich und interpretierbar macht, ohne das Bedürfnis, eine pseudointellektuelle Agenda zu fördern.

Am Ende stellt sich nur die Frage, wie sehr wir riskieren, die traditionellen Strukturen für ein schöpferisches Eigeninteresse zu zerstören. Könnte es nicht auch ausreichen, uns an sachlichen Werten zu orientieren? Sie sind sicher hier, aber manchmal zahlt es sich aus, die Reinheit der Kunst aus ihr selbst heraus zuzulassen, statt sie zu verkünsteln.