Hollywood verbringt viel Zeit damit, uns zu zeigen, wie glamourös es ist. Aber 2022 hat der Film Babylon bewiesen, dass Hollywood auch ein Sumpf aus Exzessen und Schmutz ist. Regisseur Damien Chazelle, bekannt für La La Land, taucht in seinem neuesten Projekt tief in die Welt der 1920er Jahre ein. Doch während einige vielleicht das Auge für ausgefallene Partys und kostspielige Sets loben, sieht der scharfsinnige Betrachter etwas ganz anderes: ein Schaufenster der Dekadenz.
Babylon spielt in Los Angeles und zeigt das Hollywood der späten 1920er Jahre, als der Stummfilm dem Tonfilm Platz machte und somit eine neue Ära eingeleitet wurde – eine Ära, die alles andere als still war. Die Hauptfiguren sind fiktiv, doch basieren sie lose auf historischen Persönlichkeiten der damaligen Zeit, was dem gesamten Film den Anschein von Authentizität verleiht, während er gleichzeitig die traurigen Realitäten der Branche veranschaulicht. Margot Robbie und Brad Pitt führen die Riege leitender Schauspieler an, die durch ein Labyrinth des moralischen und materiellen Zerfalls navigieren.
Was für einige ein künstlerisches Meisterwerk zu sein scheint, zeigt für andere die vollständige Entfremdung und Dekadenz einer Branche, die kaum den Kontakt zur Realität hält. Jene, die geflissentlich die künstlerische Brillanz dieser Epoche betonen, übersehen, dass Babylon letztlich die Oberflächlichkeiten und Doppelmoral Hollywoods offenlegt. Protzig geführte Partys, hemmungsloser Drogenkonsum und ein ständiges Streben nach Ruhm und Reichtum zeichnen das Bild einer Industrie, die sich selbst destruiert.
Inmitten dieses Spektakels finden wir Figuren, die sich auf der Suche nach Identität und Sinn hin und her gerissen fühlen. Es ist fast so, als ob Hollywood selbst nach Rettung ruft. Doch Rettung ist selten, wenn Dekadenz normalisiert wird. Doch was haben wir erwartet? Hollywood lebt vom Sein und Schein, der sich in Babylon auf die Spitze treibt. Die Annahme, dass dieser Film irgendein moralisches Lehrbeispiel sein könnte, erscheint naiv. Wer glaubt, dass Hollywood irgendwie anders ist als das, was in Babylon dargestellt wird, hat wahrscheinlich noch nie hinter die Kulissen geschaut.
Der Film übertreibt nicht. Er ist aufschlussreich, wenn auch nicht auf die heilige Weise, die der freundliche Liberale gerne glauben würde. Vielmehr zeigt er das reale Gesicht – das fleischliche Gesicht – der Traumfabrik am Abgrund. Während sich die meisten Zuschauer in das kinematografische Abenteuer stürzen, ohne an dessen wahre Bedeutung zu denken, ist dies letztlich eine Blamage für uns alle, die wir uns in die Welt des Glamours einlullen lassen.
Die Karikaturhaften Figuren in Babylon sind ein Abbild dessen, was passiert, wenn der Mensch in der Geißel ihrer selbstgefälligen Illusion versinkt. Was wie ein groß inszeniertes Epos erscheint, offenbart die inneren Risse eines Systems, das seit jeher auf Lügen aufgebaut wurde. Die akribische Liebe zum Detail, die cinematographisch beeindruckend sein mag, ist nichtsdestotrotz bezeichnend für eine Welt, die sich abgezockt hat.
Am Ende verfolgt Babylon keinen moralischen Zielkonflikt, sondern eine Ode an die verrauchte Glamourwelt. Ein Abbild einer glorreichen Vergangenheit, die letztlich nur aus Schein bestand. Diese filmische Erfahrung ist nicht etwa eine Liebeserklärung an die Kunst, sondern eine Hommage an die Sucht nach Ruhm und eine Kette aus gebrochenen Träumen.
Während einige vielleicht von der Erzählung und der extravaganten Umsetzung begeistert sein mögen, kratzen wir nur an der Oberfläche. Babylon mag wie eine Kunstform wirken, ist jedoch eine realitätsgetreuere Darstellung der Abgründe und dem Rausch des Kapitalismus in Reinform. Hollywood wandelt seit jeher auf einem Pfad zwischen künstlerischer Integrität und der Verzweiflung, alles zu haben – um jeden Preis.
Einige mögen den Film über seine ambitionierte Bildsprache oder die kreierten Charaktere loben. Doch letztlich ist Babylon eine riskante Erinnerung daran, dass mehr Schein als Sein hinter dem dünnen Schleier eines Illusionsgebildes liegt. Wer weiß, vielleicht sind Filme wie dieser notwendig, um rechte Denkweisen zu bestätigen, dass die Kulturindustrie mehr mit Selbstverfall zu tun hat, als viele zugeben möchten.