Stellen wir uns vor, ein Album, das, anstatt vorsichtig in der musikalischen Szene zu tapsen, mit einem gewaltigen Tritt einschlägt, als hätte man gerade einen generationsübergreifenden Weckruf verpasst. B4.Da.$$, der Debüt-Holzhammer von Joey Bada$$, erschien am 20. Januar 2015, hatte seinen Ursprung in Brooklyn, New York, und schüttelte die hippe Musikindustrie so heftig durch, dass selbst altehrwürdige Konservative und betont erfolgreiche Wirtschaftstreibende aufwachten. Die nahezu 2000er-jahre-reminiszent Melodien lassen die Herzen von Hip-Hop-Enthusiasten höher schlagen, während sie gleichzeitig die Straßenrealität unverblümt schildern. Wieso dieses Album? Die Antwort liegt auf der Hand: es ist ein Aufstand gegen den glitzernden Musik-Mainstream der damaligen Zeit.
Altbackene Anhänger des Establishments sehen in B4.Da.$$ eine Bedrohung für den musikalischen Status quo. Es ist wohlbekannt, dass in der Welt der neoklassischen Marktstrategen jeder Hauch von Innovation misstrauisch beäugt wird. Aber Joey Bada$$ fordert den Hörer heraus, die Komfortzone zu verlassen und in eine Welt einzutauchen, in der lyrische Schärfe und old-school Beats sich zu einer Rarität vereinen. Die intensiven Tracks wie "Paper Trail$" sind ein direkter Angriff auf unsere verschwenderische Konsumgesellschaft. Hier prallen purer Rap und knallharte Wirklichkeit aufeinander.
B4.Da.$$ ist eine starke Anklage gegen die materialistische Besessenheit unserer Zeit: Ein wichtigerer Aspekt für den Künstler, der die Augen öffnete für die Schattenseiten des amerikanischen Traums. Bei "Christ Conscious" geht es darum, den Mut zu haben, den eigenen Glauben an sich nicht zu verlieren, selbst wenn man die unausweichlichen Wurzeln des kapitalistischen Drucks kaum mehr bewältigen kann.
Das Album ist keine leere Rhetorik in neuem Gewand, sondern eine kraftvolle Manifestation dessen, was passiert, wenn ein junger Künstler sich aufmacht, das Wirtschaftsmodell mit Sprachkunst zu konfrontieren. B4.Da.$$ ist puristisch und als ein unverwechselbares Symbol gegen die zunehmend inhaltslosen Produktionen, die die Charts überschwemmten, ein ungehobeltes Juwel.
Joey Bada$$ tritt als Frontkämpfer einer Generation auf, die den Wert von Ehrlichkeit und Authentizität im Hip-Hop wieder beansprucht. Statt ablenkender Oberflächlichkeit nimmt uns dieses Meisterwerk mit auf eine unprätentiöse Reise zurück zu den Wurzeln, zu den goldenen Zeiten, in denen Beats und Wahrheiten Hand in Hand gingen. "No. 99" holt die Straßen wieder ins Rampenlicht und fordert die eingesperrten Gedanken heraus, während "Hazeus View" die Reflexion und Kontemplation über das eigene Dasein schärft und beschleunigt.
In einer Ära der Selbstverherrlichung und der farbigen Pop-Hysterie ist B4.Da.$$ das Spielverderben für jene, die Munition brauchen gegen die Angriffe der neoliberalen Fanatiker. Die Erfolgsformel dieses Albums liegt in der treibenden Verbindung der beatslastigen Chemie mit tiefgehender Symbolik und einer geheimen Sehnsucht nach wirklichem Wert.
Wer sich einmal daran wagt, dieses Album aufmerksam zu hören, wird schnell feststellen, dass es eine nahezu spirituelle Erfahrung ist, die anregt, über den Lärm dieser Welt hinauszuhorchen. B4.Da.$$ ist mehr als Musik; es ist ein gegenwärtiges Szenario, das die Intoleranz gegenüber der bloßen Existenz von Echtheit auf den Prüfstand stellt. Sollten wir als aufgeklärte Gesellschaft nicht genau das suchen? Eine Möglichkeit, hinter den Schleier der alltäglichen Täuschungen zu blicken?
Während die Pioniere des Kapitalwachstums weiterhin die Maßnahmen ergreifen, um unseren kreativen Freigeist mit bestehenden Schemen zu fesseln, bietet B4.Da.$$ eine willkommene Abwechslung, die sich nicht mit der allgemeinen Beliebtheit messen lässt. Es stellt eine Provokation dar, die beweist, dass Musik nach wie vor ein legitimes Werkzeug der Veränderung sein kann, wenn sie nur entschlossen genug ist, Verantwortung zu übernehmen.