Ausgezeichnet - ein Wort, das viele Zeitgenossen ins Schwärmen bringt. Aber was bedeutet es wirklich in der heutigen Gesellschaft, in der der Begriff inflationär gebraucht wird? Wer sind die Menschen, die alles 'ausgezeichnet' finden, und warum ist das öfter ein Problem, als es auf den ersten Blick scheinen mag? Alles begann früher, meist in der Schule, wo Schüler ausgezeichnet wurden, um herausragender Leistungen willen. Doch wurden diese Auszeichnungen zu einem Trend, der längst über seine ursprünglichen Grenzen getreten ist.
Nicht nur Schüler, sondern irgendjemand und jeder bekommt heute eine Auszeichnung. Scheinbar spielt es keine Rolle, ob diese tatsächlich verdient ist oder nicht. Das Phänomen, alles und jeden mit einem 'ausgezeichnet' zu belohnen, hat ein ernsthaftes Problem geschaffen. Wie kommt es, dass in einer Gesellschaft, die Effizienz und Ergebnisse preisen sollte, das Lob inflationär geworden ist?
Die Verknüpfung von 'ausgezeichnet' mit jedem kleinen Sieg führt zu einer Abwärtsspirale, in der echte Leistung oft in der Flut von allgemein verteiltem Lob ertrinkt. Dienten Auszeichnungen einst als Motivationshilfe, als Belohnung für harte Arbeit und bedeutende Leistung, sind sie heute auf bloße Teilnahmeurkunden reduziert. Warum sollte man sich anstrengen, wenn das Prädikat 'ausgezeichnet' doch so leicht zu erlangen ist?
Ein weiterer Problempunkt: Diese entwerteten Auszeichnungen fördern eine Kultur der Mittelmäßigkeit. Die Standards sinken, während das Selbstwertgefühl künstlich aufgeblasen wird. Der Markt der Erwachsenenwelt erwartet mehr als nur eine Teilnahme, und leider sind viele unvorbereitet, wenn die harten Realitäten des Lebens auf sie zukommen.
Die allgegenwärtige Lobkultur, die damit einhergeht, hat gesellschaftliche Schlagseite erzeugt. Nehmen wir als Beispiel die Arbeitswelt: Wie viele Mitarbeiter von heute laufen Gefahr, in ihrer Position unfähig zu sein, sich weiterzuentwickeln, weil sie nie die Anstrengung machen mussten, an ihre Leistungsgrenzen zu gehen? Zu oft verbirgt sich hinter einem 'ausgezeichnet' nichts anderes als die Angst, die richtigen Maßstäbe anzusetzen.
Warum also diese Verirrung? Die Antwort liegt in einer falschen Vorstellung von Fairness und Gleichheit, die sich eher an Emotionen orientiert als an Tatsachen. Der Drang, niemanden zu enttäuschen, weicht dem Bedürfnis, jeden zu ehren. Dies geschieht auf Kosten echter Exzellenz und führt zu einem Mangel an Ehrgeiz.
Das Missverständnis von 'Gleichheit der Chancen' ist oft ein Argument, das die Verbreitung von 'ausgezeichnet' rechtfertigt. Die traurige Wahrheit ist, dass Talent und Fähigkeiten selten gleich verteilt sind. Doch dies zuzugeben, dürfte den modernen Mainstream vor den Kopf stoßen. Anstatt wahre Talente zu fördern, versuchen wir, das Spielfeld zu nivellieren, auch wenn es den Fortschritt bremst.
Wer profitiert von dieser Entwicklung? Menschen, die Innovationen fürchten, verstecken sich hinter dem Schleier von 'ausgezeichnet', weil es die Erwartung nimmt, mehr zu leisten als das Mindestmaß. Mit wenig Aufwand kann man eine Illusion der Vortrefflichkeit bewahren.
Wohin führt uns das alles? In ein System voller Unzufriedenheit, in dem echte Talente unentdeckt bleiben und Menschen sich mit dem Status quo zufrieden geben. Es schleift die Leistungsfähigkeit ab und hinterlässt eine verblüffte Gesellschaft, die sich fragt, warum sie zurückfällt.
Die wahre Herausforderung besteht darin, 'ausgezeichnet' nicht als Endziel, sondern als überlegenswerte Anerkennung für tatsächliches Können zu sehen. Wer außer den Liberalen würde sich über diesen gesunden Maßstab aufregen? Solange wir weiterhin glauben, dass Wohlfühllob eine universelle Lösung darstellt, laufen wir Gefahr, einer Generation den tatsächlichen Ansporn zu untersagen.
Lasst uns die vermeintlichen Ausgezeichneten kritisch betrachten und uns auf das Wesentliche konzentrieren. Denn nur durch das Streben nach wahrer Exzellenz werden wir den Fortschritt antreiben. Heutige Standards herabzusetzen, bedeutet nichts anderes, als die Zukunft zu sabotieren. Heben wir den Begriff 'ausgezeichnet' auf ein Niveau zurück, das er tatsächlich verdient.