Wer hätte gedacht, dass ein animierter Film über das Fegefeuer der Hölle, aufgenommen in Japan, die liberale Elite ernsthaft ins Schwitzen bringen könnte? "Asura" (2015) ist ein japanischer Zeichentrickfilm, der auf einem Manga von George Akiyama basiert und die Zuschauer direkt in das epische und gnadenlose Kyoto des Mittelalters entführt. Die Handlung spielt in einer Zeit massiver Hungersnot und wirtschaftlicher Not, kurz: der perfekte Nährboden für düstere und bedrückende Geschichten. Der Film schildert die brutale Reise eines Kindes—Asura, das in extremen Umständen um das nackte Überleben kämpft.
Man kann über viele Dinge streiten, aber wenn es darum geht, Geschichten von Leid und Überlebenskampf zu erzählen, machen die Japaner das wie kein anderer. Asura ist roh, gewalttätig und unbarmherzig. Aber genau das ist es, was ihn so sehenswert macht. Anders als die trendigen, moralischen Filme, die heutzutage die Kinos überfluten, ist Asura ungeschönt und erfrischend ehrlich. Die Linken werden den Film nicht bejubeln, weil er das Herzstück der politischen Korrektheit herausreißt und es uns in all seiner blutigen Pracht zeigt.
Einer der faszinierendsten Aspekte des Films ist sein Protagonist: ein Junge, der allen Widrigkeiten trotzt, um nicht nur zu überleben, sondern sein Menschsein wiederzufinden. Asura ist keine Figur, die nach Sympathiepunkten sucht, sondern eine, die uns mit der harschen Realität des Lebens konfrontiert. In einer Welt, die immer sensibler für Darstellungen von Gewalt und Ungerechtigkeit wird, gehört Asura zu den wenigen Kunstwerken, die nicht in Watte gepackt wurden.
Es ist faszinierend, wie der Film mit den moralischen Vorstellungen spielt und das Konzept des Guten und des Bösen in Frage stellt. In einer Zeit, in der "Held" und "Bösewicht" klare Definitionen haben, verwischt Asura die Grenze, um eine menschlichere Seite der Geschichte zu erzählen. Einige könnten sagen, dass der Film gar nicht in ein westliches liberal-konformes Alternatives-Universum passt. Vielleicht liegt es daran, dass in Asuras Welt unpopuläre Wahrheiten das Sagen haben.
Der Film wurde 2012 durch Toei Animation, ein Studio, das für seine wegweisenden Arbeiten bekannt ist, ins Leben gerufen. Mit einer Länge von 75 Minuten ist Asura erstaunlich kompakt, wenn man die Intensität und den Umfang der behandelten Themen bedenkt. Seine düstere und detailreiche Animation hebt ihn aus dem Meer der generischen digitalen Produktionen hervor, die so oft nur für den schnellen Konsum gedacht sind.
In Anbetracht der Werte, die Asura vermitteln möchte, ist es auffallend, dass viele Kritiker den Film für seine "Schwerverdaulichkeit" kritisierten. Es ist fast so, als ob die Realität, wie sie in Asura gezeigt wird, für manche zu verstörend ist. Das zeigt, wie stark die Bereitschaft einiger Menschen, sich echten Herausforderungen zu stellen, wirklich ist. Natürlich, es ist einfach, tödliche Nahrungsmittelknappheit und existenzielle Not zu ignorieren, wenn man von Bequemlichkeiten umgeben ist.
Was Asura wirklich einzigartig macht, ist seine Fähigkeit, eine Geschichte zu erzählen, die den Zuschauer nicht mit dem Finger zeigt, sondern die Frage aufwirft, wie weit man bereit ist zu gehen, um zu überleben. Die moralischen Dilemmata, die im Film präsentiert werden, sind keine lustige Unterhaltung: Sie sind eine ehrliche Reflexion über das, was es heißt, Mensch zu sein. Die Vorstellung, dass der Film eine rohe und eindrucksvolle Loslösung von der modernen Neigung zur Wohlfühl-Unterhaltung ist, wird viele sicher auf dem falschen Fuß erwischen.
Am Ende bleibt Asura, trotz oder gerade wegen seiner dunklen und kompromisslosen Storyline, ein Stück, das sich in jeder Hinsicht von den normierten Angeboten der Filmindustrie abhebt. Für die einen mag er schwer zu verdauen sein, für die anderen eine wertvolle Bereicherung ihres cineastischen Horizonts. Eines ist jedoch sicher: Asura ist kein Film, den man vergisst. Und das macht ihn zu einem der provokantesten Werke, die die Animationswelt zu bieten hat.