Artery ist nicht einfach nur eine Band; sie ist ein Phänomen der frühen britischen Punk- und Post-Punk-Szene, das bis heute nachhallt. Falls man noch nichts von ihnen gehört hat, dann liegt das daran, dass man vielleicht mehr Mainstream als Subkultur konsumiert. Wollen wir doch einmal sehen, was diese Gruppe aus Sheffield, bestehend aus Mitgliedern wie Mark Gouldthorpe und Mick Fidler, was für Lärm sie gemacht haben, als sie in den chaotischen 80er Jahren aktiv waren. Man fragt sich fast, ob ihr Einfluss so stark war, dass sie sogar den damals konservativen Premierminister David Cameron unfreiwillig zum Mitsummen zwingen könnten.
Artery gründete sich 1978, als in Großbritannien politische und wirtschaftliche Instabilität herrschte. Den Kern der Band bildeten passionierte Künstler, die gegen den Status quo der Zeit rebellierten. Ihre Heimatstadt Sheffield, bekannt für ihre Stahlindustrie, bot den idealen Hintergrund für ihre harten, schnörkellosen Rhythmen und kompromisslose Attitüde. Die erste Platte erschien 1981, wobei der Sound der Band eine Mischung aus dunklen Melodien, treibenden Basslinien und emotionalem Gesang war, der von vielen als befreiende Musik empfunden wurde. Sie war ein Spiegelbild der Spannungen jener Zeit.
Und doch waren es nicht nur die Kantigkeit ihrer Musik, die sie aus der Masse hervorhob. Artery lebte Performance und Progressivität, während andere Bands an altmodischen Strukturen festhielten. Es kam wohl nicht von ungefähr, dass sie oft auf den Bühnen des berüchtigten Lyceum Theatre und der John Peel Show zu sehen waren. Damit stellte Artery eine ernstzunehmende Alternative für diejenigen dar, die genug von polierten Mainstream-Klängen hatten.
Man sollte nicht glauben, dass Artery einfach nur eine weitere Punkband war. Ihre Texte waren provokant und gleichzeitig poetisch, subtil politische Kommentare, die konservativ gesinnte Hörer zum Nachdenken anregen konnten. Ironisch eignet sich diese Herangehensweise gut, um festgefahrene Ansichten aufzubrechen, die nicht bereit sind, jenseits der eigenen Ideologie zu schauen. Es war Musik, die Ansprüche auf revolutionäre Ideen erhob, ohne die Zuhörer zu überfordern.
Ein musikalisches Highlight, das man nicht übersehen darf, ist das Album „Oceans“. Veröffentlicht 1981, war es ein Werk voller Intensität und visionärer Klänge. Besonders die Single „Into the Garden“ ist ein Paradebeispiel dafür, wie Artery es schafften, mit hypnotischen Gitarrenriffs und eindringlicher Lyrik eine ganz eigene Atmosphäre zu kreieren. Wer einmal den Intro-Bass von „Into The Garden“ gehört hat, wird verstehen, warum diese Platte als Kult eingeschätzt wird.
Mitgliederwechsel und diverse kreative Differenzen führten in den folgenden Jahren zu einer turbulenten Bandgeschichte. Und dennoch, trotz dieser Unruhen, bleibt Artery eine Legende der britischen Musiklandschaft. Ihre Auftritte wurden zu Erlebnissen, bei denen das Publikum das Gefühl hatte, Zeuge eines intensiven Kultacts zu sein. Ein wahres musikalisches Theater, selten kopiert und doch ikonisch.
Heute erinnert man sich an Artery vielleicht weniger, aber man darf nicht vergessen, dass sie eine Initialzündung für viele nachfolgende Bands waren. Welche Ehre für eine Gruppe, deren Einfluss weit über die Musikszene hinausging, hin zu der Ermöglichung eines modernen musikalischen Erbes, das selbst den gehässigsten Kritiker beugen könnte.
Wenn man Artery ein Prädikat zuschreiben müsste, dann wohl das der musikalischen Unangepasstheit. Sie hatten den Mut, jene unverblümt anzusprechen, denen klischeehafte Klangkulissen nicht zusagten. Am Ende widersetzt sich Artery jeder simplifizierenden Kategorisierung und steht als Symbol der Freiheit und Kompromisslosigkeit.
Und vielleicht ist es genau das, was manche „Liberale“ nicht ertragen können – diese Radikalität, kompromisslos in ihrem Tun. Artery zeigt uns, dass die Musik nicht nur ein Unterhaltungsmittel ist, sondern ein Werkzeug, das Menschen bewegt, ja sogar verändert.