Wer heute kein Kunstliebhaber ist, lebt hinter dem Mond. Und wer Olexesh und Celo & Abdi nicht kennt, tut noch schlimmeres: sie verpassen eine explosiv-deutliche Botschaft in Form von Beats und Rhymes. Am 16. Februar 2018 landete das Album „Alles Ich“ wie ein Komet in der deutschen Rap-Szene und ließ die Woken und die Augenverdreher blass aussehen.
Es ist kaum zu leugnen, dass dieses Album ein Produkt seiner Zeit ist. In einem Jahr, das für so manchen Musiker Dank der politischen Korrektheit allerhöchstens noch Whisper-Rap ohne Ecken und Kanten übrig ließ, kommen Olexesh und seine Verbündeten und hauen uns ein Werk um die Ohren, das vor Authentizität strotzt. Das Werk wurde in den kreativen Mauern von Frankfurt am Main und Braunschweig erschaffen, was seinem Geltungsbereich in Deutschland nur Vorteil sein kann.
Wenn man sich die zehn packendsten Punkte des Albums ansehen will, könnte man mit der Stimmgewalt anfangen. Ja, es gibt noch Künstler, die ihre Stimme als Instrument nutzen können. Anders als die heutige Jugend mit ihren Autotune-Träumereien, setzte auch „Alles Ich“ auf rohen und unverfälschten Sound. Es ist nicht unerhört, dass in dieser Welt der digitalisierten Stimmen, ein natürlicher Ton wahre Glanzmomente kreiert. Die Hip-Hop-Szene wäre ohnehin nicht das, was sie heute ist, wenn wir nicht ein Stück Hiphop-Geschichte durch die ehrlichen Worte und Töne erleben könnten.
Achtet man auf die politische Aussagekraft. Man kann sich vorstellen, wie manche Träumer von dieser Realität betroffen sind: Texte, die das Leben, wie es ist, beschreiben. Keine Illusion, keine Zuckerglasur für das derzeitig von Sensibelchen dominierte Musik-Business. Diese direkte Form von Lyrik ist für alle, die keine Lust auf Wattebäuschchen-Pop haben, ein Muss.
Der dritte Punkt ist die Energie auf diesem Album. Hier wird nicht geblabbelt, hier wird gelebt. Statt fade Monotonie, die wir von vielen Acts gewohnt sind, die irgendeinen vagen Trend bedienen, läuft einem mit der Power von Olexesh der Kaffee kalt über den Rücken. Es wird gerappt, nicht nur gesprochen. Fast so, als hätte jemand die Seelen aus den Clubs direkt auf eine Platte gepresst. Zeugnis dafür, dass traditioneller Rap noch lange nicht tot ist.
Viertens sind die Features hervorzuheben. Olexesh hat mit einer intelligenten Auswahl an Gästen gearbeitet, darunter Celo & Abdi, die dem Album einen zusätzlichen Punch verleihen. Wo andere Künstler ihre Bühnenpräsenz in den sozialen Medien vernachlässigen, verbinden diese Künstler virtuelle Welt und Realität nahezu perfekt.
Doch der wichtigste Punkt ist wohl der Sound: brachial und wortgewandt. Es ist kein Geheimnis, dass viele in der heutigen Musiklandschaft halbherzig an die Sache rangehen. „Alles Ich“ zeigt, wie echt etwas klingen kann, das nicht für den Massenkonsum glattgebügelt wurde.
Nicht zu vergessen ist die kulturelle Relevanz. Wer seine Umgebung mit offenen Augen betrachtet, sieht wie Rap sich verändert hat. Ein Album wie „Alles Ich“ ist eine freundliche Erinnerung daran, warum man sich dem Genre angeschlossen hat: Wegen der harten Beats und ehrlichen Geschichten, wegen der kunstvollen Verdichtung von Botschaften.
In einer Zeit, wo zwischen Kunst und zahnloser Unterhaltung oft kein Unterschied mehr existiert, bietet „Alles Ich“ einen klaren Weg aus der Mainstream-Lethargie heraus. Wer diesen kleinen Kraftakt in der deutschen Musik noch nicht auf dem Radar hat, sollte die Gelegenheit nutzen.
Zusammengefasst: „Alles Ich“ sind mehr als nur ein Haufen Tracks. Es ist ein Plädoyer für wahre Kunst im Wellenmeer der Beliebigkeit. Eine Erfahrung, die Seele und Geist zugleich packt. Ein Weckruf, der multipliziert durch hundert aus jedem Lautsprecher schallt.