Die wilde Achterbahnfahrt des Sundance 2016: Ein Fest für den Mainstream

Die wilde Achterbahnfahrt des Sundance 2016: Ein Fest für den Mainstream

Das Sundance Filmfestival 2016 in Utah etablierte sich als Sammelbecken für konforme und politisch korrekte Erzählungen. Anstatt frischen Wind zu bringen, erlebte das Publikum einen Schwall von Mainstream-Oberflächlichkeit.

Vince Vanguard

Vince Vanguard

Im Jahr 2016 fand im verschneiten Park City, Utah, das allseits beliebte Sundance Filmfestival statt, ein Eldorado der Filmschaffenden und ihrer politisch korrekten Filme. Statt frischem, ungeschminktem Content gab es jede Menge Mainstream-Charakterdarstellungen und bedeutungsschwangere Filme, die die Masse wohlgefällig abnickte.

Ein Film, der sicherlich die Stirn zum Runzeln brachte, war "Swiss Army Man". Daniel Radcliffe, der ewig junge Harry Potter, spielt dabei einen toten Körper mit erstaunlich vielfältigen Fähigkeiten. Als wenn die "Genies" der Independent-Szene nicht kreativer sein könnten, um eine Unterhaltung jenseits von schrägen Metaphern zu bieten.

Dann war da "The Birth of a Nation", die Lieblingsgeschichte eines Schulkindes, erneut in epischer Breite erzählt. Warum den staubigen Schulstoff bloß aufleben lassen, wenn doch die heutigen Probleme so vieler junger Leute anders gelöst werden könnten? Aber nein, alles dreht sich um vergangene Missstände und die obligatorischen Schuldzuweisungen. Ein Film wie jeder zweite, gewürzt mit einer Prise absichtlicher Polemik.

Es ist offensichtlich, dass das Sundance Filmfestival von Jahr zu Jahr in einen Tunnel der konformen Erzählungen rutscht. Sobald man denkt, man hätte die spitze Komödie "Toni Erdmann" durchschaut, entfaltet sie ihre lauwarme Kapitalismuskritik ohne jeden Biss. So aufregend wie eine lauwarme Tasse Kaffee.

Ich frage mich, ob jemand überhaupt beim Festival bemerkt hat, wie sehr das radikale Potenzial von damals auf den Altar der gesellschaftlichen Akzeptanz geopfert wird? "Manchester by the Sea" und seine emotionale Achterbahnfahrt könnten eine wahre Perle sein, hätte man nicht ständig das Gefühl, als würde einem ein Fingerzeig zu den moralischen Imperativen der Gegenwart gegeben.

Ach ja, dann war da noch der Dokumentarfilm "Gleason". Eine Geschichte über den Überlebenskampf eines Menschen, dick belegt mit Phrasen, die den Zuschauer emotional einweichen lassen, nur um danach ins politisch korrekte Leere zu stürzen.

Ein besonders interessantes Beispiel politischer Konformität war "Certain Women". Geschichten über drei Frauen im amerikanischen Nordwesten, die mit ihren Alltagsproblemen kämpfen. Leider macht der Film wenig mehr, als behäbig aus dem Elfenbeinturm herunterzublicken und dabei die subtile Kunst der Subversion zu verachten.

Aber, und hier lege ich einfach die Karten auf den Tisch, das, was Sundance einst bedeutete, verblasst unter dieser Last der "progressiven" Erzählungen. Wohin verschwand die harte, glorreiche, ungeschminkte Darstellung der Wirklichkeit, die Filme unvergesslich machte? Stattdessen betritt man ein Areal der moralischen Agenda, ordentlich verpackt mit einer Schleife der "Toleranz".

Ganz ehrlich, das Sundance Filmfestival 2016 war kein Ort der Neuerung. Es war ein Ball der Konformität, bei dem man entweder mitmacht oder ignoriert wird. Und das, liebe Freunde, ist was der Mainstream geworden ist: Immer auf der Jagd nach Zustimmung und Anerkennung, gespickt mit Themen, über die wir seit Jahrzehnten ständig reden, ohne dass sich was ändert.

Fassen wir es also zusammen: Filme, die versuchen, anders zu sein, verlieren dabei das Ziel des echten, radikalen Filmens aus den Augen. Diese Art von Kinokunst blendet die Anpassung an die gesellschaftliche Normen ein, sodass wir die wirklichen Probleme unserer Gegenwart nur durch eine Nebelwand von Phrasen erkennen können. Gute Nacht, Sundance.