Wer hätte gedacht, dass ein Sequel zu einem schon fast als guilty pleasure abgestempelten Musical-Film so viel Aufsehen erregen könnte? 2018 kam „Mamma Mia! Here We Go Again“ in die Kinos und lockte mit einer Mischung aus Nostalgie und unvergesslichen Abba-Songs Zuschauer in Scharen. Gedreht auf der atemberaubenden Insel Vis in Kroatien, führt der Film uns zurück in die chaotisch-schöne Welt von Donna und ihrer Tochter Sophie. Zehn Jahre nach dem Original kehren bekannte Gesichter wie Meryl Streep und Amanda Seyfried zurück, aber auch neue Stars wie Lily James und Cher bereichern die Leinwand.
Was macht diesen Film so besonders? Musikfans schwören auf den zeitlosen Charme der Abba-Hits, aber auch all jene, die vor allem eine gute Story und sympathische Charaktere schätzen, kommen auf ihre Kosten. „Mamma Mia! Here We Go Again“ erzählt parallel zwei Geschichten: zum einen die junge Donna, gespielt von Lily James, und zum anderen ihre Tochter Sophie, die in die Fußstapfen ihrer Mutter tritt. Diese beiden Erzählstränge kreieren ein Geflecht aus Erinnerungen und neuen Abenteuern, das für Lacher, Tränen und viele coole Momente sorgt.
Selbst Menschen, die weder Mamma Mia-Fans noch Musical-Liebhaber sind, finden oft einen Grund, diesen Film zu mögen. Der visuelle Genuss und die südkroatische Landschaft lassen einen dem Alltag entfliehen, die Präsenz von Ikone Cher verleiht dem Ganzen einen extra Glamour-Faktor. Zudem wird durch die Verbindung von moderner und klassischer Popmusik eine intergenerative Brücke geschlagen, die selbst Generation Z anspricht – obwohl vielleicht nicht jeder zugeben mag, dass er gerne Abba hört.
Politisch lässt der Film zumeist Spielraum zur Interpretation. Während manche vielleicht das hedonistische Lebensgefühl feiern, fühlen sich andere bei der Darstellung von Frauenfiguren bestärkt. Die weiblichen Hauptcharaktere sind selbständig und verfolgen ihre Träume, was ein positives Zeichen für viele junge Frauen darstellen kann. Dennoch gibt es Kritiker, die monieren, dass der Film in einer Märchenwelt spielt, die nichts mit der Realität zu tun hat. Es ist schon bedeutend, in Zeiten ernsthafter sozialer und politischer Umwälzungen einen Film zu sehen, der weitgehend konfliktfrei daherkommt. Doch vielleicht ist genau dieser Eskapismus das, was manch eine Generation Z heute braucht.
Musik spielt eine übergeordnete Rolle und stellt eine Verbindung zwischen den Generationen her, die den Film überdauert. Viele werden nostalgisch, wenn sie die Melodien hören, die wie ein Soundtrack ihrer Jugend wirken. Vielleicht ist es die Einfachheit von Abba-Songs, die trotz ihres Alters kaum Staub ansetzen, die eine junge Zielgruppe anspricht, die sonst mehr von modernem Pop geprägt ist. Die Lieder sind leicht mitsingbar und genau das, was man braucht, wenn man Freude sucht, ohne darüber nachzudenken, woher sie kommt.
Der politische Ansatz des Films ist subtil, wenn nicht sogar unterbewusst. Während einige Kinogänger vielleicht von der lockeren Aufmachung abgeschreckt sind, gibt es eine angenehme Art, auf ernste Themen hinzuweisen. Im Film geht es um Familie, Selbstfindung, Liebe und Verlust, Themen, die sich jeder Generation stellen, egal welchen sozialen oder politischen Hintergrund sie haben.
Egal, ob du Abba-Fan bist oder nicht, der Film hat eine gewisse Unbeschwertheit, die ansteckend ist. „Mamma Mia! Here We Go Again“ schlägt eine Brücke zwischen verschiedenen Generationen, Dingen im Leben, die gut gehen und solchen, die schiefgehen. Zudem bietet es die Möglichkeit, sich mit alten Freunden zu verbinden und sich zurück in die Zeit zu versetzen, als das Leben vielleicht ein wenig einfacher war.
Es könnte für einige Zuschauer schwer sein, dies als politisches Manifest zu sehen, doch der subtile Hauch von Freiheit und Individualismus, der in den Charakteren und der Handlung mitschwingt, spricht für sich. Es gibt genug Raum zur Vorstellungskraft, um zu träumen, während der zweistündigen Reise in dieser nostalgischen Traumwelt. Während die ländliche Romantik und die farbenfrohe Bildgestaltung im Vordergrund stehen, sprechen der Humor und die Emotionen des Films für alle. Egal welche Erwartung man an diesen Film stellt, eines ist sicher: Er bietet etwas für jeden Geschmack, solange man bereit ist, sich darauf einzulassen.