Stell dir vor, ein Ballspiel, das in Japan vor über tausend Jahren entstanden ist, lebt noch heute und fasziniert Menschen weltweit! Das ist Kemari. Es ist ein traditionelles japanisches Spiel, das im 7. Jahrhundert in der Heian-Periode populär wurde. Es wird normalerweise auf einem von Bäumen umgebenen Platz gespielt und hat sowohl historische als auch kulturelle Bedeutung, die über Generationen hinweg Bestand hatte und sich sogar über kulturelle Grenzen erstreckt hat.
Kemari ist eigentlich eine Mischung aus Sport und Kunst. Es ähnelt in gewisser Weise Fußball, aber nicht im Wettkampf, sondern im Zusammenhalt der Spieler. Ziel des Spiels ist es, den Ball, der 'mari' genannt wird, in der Luft zu halten, ohne dass er den Boden berührt. Das Spiel wird in einem Kreis gespielt, und die Teilnehmer, bekannt als 'Mariashi', arbeiten zusammen, um den Ball hochzuhalten. Es erfordert Geschick, Präzision und vor allem Teamarbeit. Die Bewegungen sind zugleich akrobatisch und anmutig, und daher wirkt das Spiel fast wie ein Tanz.
Interessanterweise hat Kemari nicht die gleiche Konkurrenzmentalität wie viele westliche Sportarten. Es wird nicht darum gekämpft, möglichst viele Tore zu erzielen, es gibt keine Gewinner oder Verlierer. Stattdessen liegt der Fokus auf Harmonie und Kooperation. Diese Ideale spiegeln sich in der japanischen Philosophie wider, wo soziale Harmonie einen hohen Stellenwert hat. Während viele von uns mit Sportarten aufgewachsen sind, die von Konkurrenz und Leistung geprägt sind, bietet ein Spiel wie Kemari eine völlig andere Perspektive auf den Gruppensport.
Die Ursprünge von Kemari gehen auf das kaiserliche China zurück, als das Spiel Cuju bei Gericht populär war. Danach wurde Kemari in Japan von den Aristokraten, insbesondere den Samurai, aufgegriffen und weiterentwickelt. Trotz seines Alters ist Kemari noch heute Teil traditioneller Feste und wir sogar in Shinto-Schreinen gespielt. Durch die Bewahrung dieser Traditionen ehren die Japaner nicht nur ihre eigene Geschichte, sondern schaffen auch eine Verbindung zur Vergangenheit, die im schnelllebigen digitalen Zeitalter oft verloren zu gehen droht.
Kritiker könnten behaupten, dass ein so altes Spiel wie Kemari heute irrelevant sei, insbesondere angesichts der Popularität moderner Sportarten. Doch genau das Gegenteil ist der Fall. Im digitalen Zeitalter, wo viele von uns mehr Zeit vor Bildschirmen als auf Spielplätzen verbringen, bietet Kemari eine Möglichkeit zur physischen und geistigen Entschleunigung. Es ermutigt die Teilnehmer, in der Gegenwart zu sein, ihre Bewegungen zu koordinieren und eine Verbindung zu ihren Spielkameraden herzustellen.
Doch die Realität ist, dass viele junge Menschen mehr von der Schnelligkeit des Internets als von der Langsamkeit traditioneller Spiele wie Kemari angezogen werden. Das ist völlig verständlich. Moderne Spiele und Sportarten bieten schnelles Vergnügen und stimulierende Unterhaltung. Dennoch könnten Spiele wie Kemari uns wertvolle Lektionen über Geduld und Zwischenmenschlichkeit lehren, die in unserer digitalen Welt oft vernachlässigt werden.
Kemari bekommt von seinen Unterstützern durchaus positives Feedback für die kulturelle Bildung und den Respekt, den es fördert. Es verbindet Menschen über Generationen hinweg und bietet Raum für gemeinsames Erleben abseits vom täglichen Stress. Viele, die das Spiel ausprobieren, erfahren eine Art meditativer Ruhe, die in der Natur des Spiels selbst verwurzelt ist.
Obwohl Kemari nicht in den internationalen Mainstream-Sportkalender aufgenommen wurde, bleibt es ein faszinierendes Beispiel für die Vielfalt und Tiefe unserer kulturellen Geschichte. Es erinnert uns daran, dass Spiele nicht nur zum Spaß da sind, sondern auch integraler Bestandteil unserer kulturellen Identität sein können. So betrachten auch wir in der Zukunft Spiele wie Kemari nicht nur als Relikte vergangener Zeiten, sondern als lebendige Kulturtraditionen, die inspirierend und überraschend relevant sind.