Wenn du glaubst, dass die 1980er nur aus fluoreszierenden Farben, Synthesizer-Pop und Schulterpolstern bestanden, dann gewährt 'Dies ist England '86' einen völlig anderen Einblick in diese turbulente Dekade. Die britische Miniserie, die 2010 von Channel 4 ausgestrahlt wurde, ist eine Fortsetzung des erfolgreichen Films 'Dies ist England' aus dem Jahr 2006. Geschrieben von Shane Meadows und Jack Thorne, zeigt die Serie authentisch das Leben junger Menschen im England der 1980er Jahre. Das Setting ist das Jahr 1986, wo wir auf Shaun, Woody, Lol und ihre Clique treffen, die inmitten ökonomischer Unsicherheiten, gesellschaftlicher Spannungen und persönlicher Dramen navigieren.
Die Serie besteht aus nur vier Episoden, die jedoch durch ihre Intensität und Tiefe bestechen. Diese Dramaserie entfaltet sich in einem post-industriellen England und ist ein Spiegelbild der damaligen Zeit. Arbeitslosigkeit ist hoch, und soziale Ungerechtigkeit prägt den Alltag vieler. Es ist eine Epoche des Übergangs, in der neue Werte alten Traditionen gegenüberstehen, und das wird in der Serie meisterhaft eingefangen. Wir erleben, wie Freundschaft und Liebe unter Druck geraten und wie persönliche Traumata ans Licht kommen.
Shane Meadows selbst wuchs in dieser Umgebung auf und sein Anliegen, diese Zeit authentisch darzustellen, wird in jeder Szene spürbar. Die Charakterentwicklung ist tiefgründig und realistisch. Besonders herausragend ist Vicky McClure in der Rolle der Lol, deren Geschichte oft im Mittelpunkt der emotionalen Strudel steht, die die Serie durchziehen. 'Dies ist England '86' zeigt uns nicht das glamouröse England der achtziger Jahre, sondern das des alltäglichen Kampfes.
Die Serie wirft ein Licht auf Themen wie Rassismus, Arbeitslosigkeit und Kindesmissbrauch, ohne dabei in melodramatische Klischees abzurutschen. Sie fordert den Zuschauer heraus, sich den unangenehmen Wahrheiten zu stellen, mit einer Ehrlichkeit, die manchmal schwer zu ertragen ist. Dies wird besonders deutlich in den dynamischen Kameraeinstellungen und dem durchdachten Soundtrack, der die düstere und hoffnungslose Stimmung unterstreicht.
Trotz der düsteren Thematiken bietet die Serie jedoch auch Hoffnung und zeigt die Kraft von Zusammenhalt und Freundschaft. Der Humor, der die Serie durchzieht, mag schwarz sein, aber er sorgt dafür, dass der Zuschauer immer wieder einen Moment zum Lachen hat, auch wenn es nur ein kurzes Aufatmen ist. Dies macht die Serie so menschlich und nahbar.
Es ist interessant zu sehen, wie 'Dies ist England '86' bei einem Teil der Zuschauer gemischte Reaktionen hervorgerufen hat. Während viele die brutale Ehrlichkeit und die starke Darbietung loben, fühlen sich andere durch die intensive Darstellung abgeschreckt. Es ist verständlich, dass nicht jeder diese rohe Form der Realität verarbeiten kann oder möchte. Dies verdeutlicht jedoch die bedeutende Funktion solcher Medien: ein Medium zu sein, das zum Nachdenken anregt und Diskussionen fördert.
Für die jüngere Generation, die die 1980er Jahre lediglich durch nostalgische Bilder oder kinofilmatrieben Popkulturphänomene kennt, bietet 'Dies ist England '86' eine wertvolle historische Perspektive. Es ist wichtig, solche Geschichten zu erzählen, um zu verstehen, wie wir an den Punkt gelangt sind, an dem wir uns heute befinden. Und das erzählt die Serie mit einer Klarheit, wie sie nur wenige Werke bieten.
'Letztendlich bleibt 'Dies ist England '86' nicht nur eine geschickte Fortsetzung eines beeindruckenden Films, sondern steht auch als eigenständiges Werk, das Zeitgeschichte verflicht mit persönlichen Geschichten. Es lädt ein, in eine vergangene Ära einzutauchen und Gespräche über Themen zu führen, die bis heute von Bedeutung sind. Serien wie diese beweisen, dass Fernsehen mehr sein kann als bloße Unterhaltung — es kann ein Mittel sein, um Empathie zu fördern und auf Missstände aufmerksam zu machen.