Wer hat gesagt, dass alle schönen Dinge nur in der Vergangenheit liegen, oder in fernen Traumwelten versteckt sind? Der neueste Roman „Alle schönen Dinge“ von Joe Hartmann führt uns in die moderne Welt der versteckten Poesie des Alltags, die oft übersehen wird. Er beschreibt die Reise eines jungen Menschen, Marie, die in der hektischen Umgebung der Großstadt Berlin lebt und dabei die kleinen Momente der Schönheit um sich herum entdeckt. Veröffentlicht im Herbst 2023, beschreibt der Roman, wie Schönheit nicht immer in Monumenten liegt, sondern in einem fallenden Herbstblatt oder einem flüchtigen Lächeln eines Fremden.
Marie, die Protagonistin, steht an einem Punkt in ihrem Leben, an dem sie von gesellschaftlichen Erwartungen erdrückt wird. Sie ist Mitte 20, gerade aus der Uni und nun in einem Job gefangen, der scheinbar keinerlei Bedeutung hat. Kein Wunder, dass viele junge Menschen sich hierin wiedererkennen können. Das Unbehagen, in einer Form zu leben, die man nicht selbst gewählt hat, ist weit verbreitet. Aber in Momenten der Verzweiflung findet Marie einen Brief von ihrer verstorbenen Großmutter, die ihr rät, das Schöne in den kleinsten Dingen zu suchen. Diese simple Aufforderung bringt Marie auf einen neuen Weg.
Unsere Welt, voll von Social Media und ständiger Erreichbarkeit, fokussiert sich auf das Große, das Laute und das oft Künstliche. Die simple, aber ehrliche Botschaft von „Alle schönen Dinge“ widersteht diesem Druck, in dem es zeigt, dass wahre Erfüllung in der achtsamen Wahrnehmung des Alltäglichen liegen kann. Jeder kleine Augenblick kann ein Kunstwerk sein, wenn man ihn zu erkennen weiß.
Die Empathie mit der Hartmann schreibt, spiegelt sich in der Tatsache wider, dass das Buch nicht versucht, einfache Lösungen zu bieten oder gar zu romantisieren. Marie erfährt weiterhin Krisen und Selbstzweifel, illustriert dabei aber, wie Verletzlichkeit und Unperfektheit Teil des Schönen sind. Im Gegensatz zum gegenwärtigen gesellschaftlichen Trend, bei dem alles optimiert und gefiltert sein muss, um „Instagram-worthy“ zu sein, zeigt Hartmann eine Perspektive, die Kritik an der derzeitigen Lebensweise übt. Doch er tut dies ohne Verbitterung. Hartmann will junge Menschen nicht belehren, sondern inspirieren, den Moment bewusst zu erleben und das Beste darin zu sehen.
Trotz seiner philosophischen Gedanken bleibt der Roman leicht und fesselnd. Hartmanns politische Ansichten fließen ein, wenn er moderne Herausforderungen, wie Umweltkrisen und soziale Ungleichheiten, streift. Anstatt diese Themen zu umgehen, erlaubt es der Autor seiner Protagonistin, sich ihnen zu stellen und dabei die eigene Ohnmacht sowie den Wunsch nach Veränderung zu artikulieren. Hier wird eine Brücke zwischen dem, was viele von uns fühlen, und dem, was in uns zu finden ist, geschlagen.
Es ist kein Geheimnis, dass jedes Generationengefühl von der Ahnung geprägt wird, vor unüberwindbaren Hürden zu stehen. Doch was „Alle schönen Dinge“ bietet, ist ein stilles Plädoyer für Resilienz und Achtsamkeit. Für das, was Generation Z bewegen kann, ist dieses Buch eine wertvolle Ressource an Ermutigung. Inmitten der sich zuspitzenden Klimakatastrophe und sozialer Ungleichheit ruft es uns auf, aktiv zu sein, bewusst zu genießen und gleichzeitig das Schöne im Kleinen zu finden.
Für diejenigen, die glauben, dass Bücher wie diese Realitäten romantisieren oder Probleme vereinfacht erscheinen lassen, sollte angemerkt werden, dass „Alle schönen Dinge“ kein Manifest für Eskapismus ist. Vielmehr stützt sich Hartmann auf die Herausforderungen, die in uns nach Veränderung rufen, ohne die Komplexität der Situation zu leugnen. Das Buch katalysiert kein „Zurück in die Vergangenheit“ oder ein „Es war alles besser damals“, sondern zeigt auf, dass Wachstum und Schönheit nicht statische Konzepte bleiben müssen.
Das Erstaunlichste ist, dass der Roman in seiner Einfachheit eine eigene Art von Widerstand bietet. Eine stille Rebellion gegen den Drang, immer größer, besser und berühmter zu sein. Diese Erzählung erinnert uns daran, dass Schönheit und Erfüllung nicht in einem toxischen Kreislauf vermehrter Produktion und Konsums gefunden werden, sondern in dem, was bereits vor uns liegt. Marie lehrt uns, das Gute im Hier und Jetzt zu schätzen, indem sie ein Kerzenlicht in einer Welt voller Neonlichter darstellt.
In dieser Zeit, in der viele von uns versuchen, den Sinn unseres Handelns und der Entscheidungen unserer Gesellschaft zu ergründen, gibt dieses Buch eine Perspektive, ohne das dringende Bedürfnis nach Veränderung zu ignorieren. „Alle schönen Dinge“ ist nicht nur ein Buch über Menschlichkeit und die kleinen Freuden, die uns oft entgehen. Es ist ein Aufruf zur Besinnung und eine Ermutigung, dem Druck, den die Außenwelt uns auferlegt, mit einem sanften Lächeln zu begegnen und die verpassten Schönheiten wiederzuentdecken. Und vielleicht ist das genau das, was wir mehr denn je brauchen.