Wer glaubt, dass Sklaverei nur ein Relikt aus vergangenen Tagen ist, könnte nicht weiter danebenliegen. Die Geschichte der „Ziegel-Sklaven“ zeigt ein düsteres Kapitel moderner Ausbeutung, das noch heute in Ländern wie Indien blüht. In stickigen, brütend heißen Ziegelöfen arbeiten hunderttausende Menschen unter Bedingungen, die man bestenfalls als infernalisch beschreiben könnte. Diese Zwangsarbeiter, oft ganze Familien, schuften bis zu 18 Stunden täglich unter bikonzerntem Himmel, ohne die Aussicht auf ein besseres Leben. Warum das so ist? Weil eine liberale Wirtschaftspolitik das Wegsehen reicher Nationen begünstigt und ihre luxuriösen Hemisphären von der schmutzigen Handarbeit fremder Hände rein halten möchte.
Stellen Sie sich ein Monopol vor, das auf dem Rücken der Armen reitet und das Spiel der freien Marktwirtschaft nach seiner eigenen, diabolischen Melodie dirigiert. Diese Arbeiter stammen oft aus den ärmsten Gesellschaftsschichten und sind von Schuldknechtschaft gekennzeichnet – einer modernen Sklavenhandelspraktik. Sie sind in ein System gefangen, das sie in einer permanenten Abwärtsspirale hält. Die einzige Kriminalität dieser Menschen liegt in ihrer Armut begründet – eine Straftat, für die sie keine Vergebung erhalten.
Und dennoch wird darüber kaum gesprochen, zumindest nicht in einem politischen Kontext, der bereit wäre, wahrhafte Veränderung zu fordern. Warum? Weil die international etablierten Industrien in ihrer Ignoranz und Gier keine Notwendigkeit sehen, diese Missstände öffentlich zu diskutieren. Die Rahmenbedingungen des Völkerbundes und später der UNO scheinen sich eher als Papiertiger zu erweisen, als dass sie effektiv durchgreifen.
Man könnte fragen, wie es sein kann, dass trotz weitreichender Globalisierung und digitaler Vernetzung ein solches Thema der breiten Masse entgeht. Vielleicht, weil der Mainstream von einem medialen Vakuum erschaffen wird, das sich mehr mit Skandalen und diesem ständigen „Konsum ist Tugend“-Mantra beschäftigt, anstatt den Schleier über diese politische Feigheit zu lüften.
Wir müssen anerkennen, dass unser moralischer Kompass angeblich wohlfahrtsstaatlicher Systeme dringend eine Neuprogrammierung benötigt. Wo sind die feurigen Reden, die Wandel fordern? Wo sind die lieb gewonnenen Forderungen nach Freiheit und Selbstbestimmungsrecht, die verklingen, sobald es unbequem wird? Vielleicht ist es an der Zeit, weniger auf das zu schauen, was im Glanz von weißen Häusern passiert und mehr auf das, was unter einem anderen Himmel fern von hier geschieht.
Dieser unterdrückte Schrei nach Hilfe sollte der globale Weckruf sein. Doch solange die Lobbys ihren Teil des Kuchens absichern, werden diese Menschen ausgebeutet und ein selbst zerstörendes System erhalten. Eine gerechtfertigte Entschuldigung für Abgebrühtheit existiert nicht. Was wir in wohlhabenden Ländern als schnelles WLAN und bequeme Häuser zelebrieren, basiert teilweise darauf, dass in fernen Ländern Hoffnung und Träume unter tonnenschwerem Druck zerquetscht werden.
Es ist fast unbegreiflich, dass man als Anhänger einer freien Gesellschaft zusieht, wie die Menschenrechte von den schwächsten Gliedern der Prozesskette mit Füßen getreten werden. Die Zahl der modernen Sklaven, die das World Poverty Clock 2018 in Indien mit 8 Millionen bezifferte, ist nicht einfach eine Statistik, die lapidar beiseitegelegt werden kann. Jeder von ihnen ist ein Individuum mit einer Geschichte, einer Familie und tiefen Wünschen für die Zukunft.
Vergessen wir nicht die grundlegende Tatsache: Modernes Wohlstandsdenken basiert auf Arbeitsbedingungen, die an jene erinnern, die als längst überwunden galten. Vielleicht hat man diesen Umstand bewusst ausgeklammert, vielleicht glaubt man, dass mit selbstverliehenen Ehrenmedaillen und diplomatischem Schulterklopfen alles erreicht ist.
Am Ende bleibt die Frage: Wann tritt man endlich von der farblosen Fassade politischer Korrektheit hinter vorgehaltener Hand zurück und sorgt für Diskurs, der diesen unsäglichen Missständen gegenübertritt? Wenn man nicht für Gerechtigkeit spricht, spricht man dann nicht implizit für das Unrecht?
All diese säuberlich verdrängten Wahrheiten über moderne Ziegel-Sklaven fordern den Griff zur bitteren Pille. Ein Standpunkt ist mehr als ein Lippenbekenntnis, wenn er dazu führt, dass ein Menschenleben mehr wert ist als ein Backstein auf dem Altar der Gleichgültigkeit.