Es ist schon erstaunlich - während die Welt in einer Flut aus Social-Media und Dauerbeschallung zu ertrinken droht, gibt es Menschen, die sich freiwillig still hinsetzen. Diese Menschen praktizieren Zazen, eine traditionelle Form der Meditation, die aus dem Zen-Buddhismus stammt. Aber macht uns dieses Stillsitzen etwa zu besseren Menschen? Die Praxis stammt aus Japan und ist seit Jahrhunderten ein fester Bestandteil von Zen-Klöstern. Obendrein ist es überraschend, wie Zazen gerade jetzt eine Renaissance erlebt, weg vom modernen Getöse und hin zu alter Stille. Warum nur ausgerechnet, jetzt, wo unser Leben vom Chaos beherrscht wird?
Erstens, was ist Zazen eigentlich genau? Im Grunde geht es um nicht viel mehr als einfaches Sitzen – aber nicht auf der Couch, Sonne tankend im Garten oder beim Latte Macchiato im Café. Zazen wird in einem speziellen Meditations-Setting praktiziert, am häufigsten in einem Dojo, wo man auf einem Kissen auf dem Boden sitzt und die eigene Atmung beobachtet. Man mag sagen, dass Zazen den Geist klärt, aber unter uns gesagt, es scheint so manch einem liberale Idealisten in Trance, sogar auf den abgehoben Wolken, zurückzulassen. Schließlich wird den „Sitzungen“ gern zugeschrieben, innere Achtsamkeit zu bringen – ein Zauberwort, das heutzutage inflationär verwendet wird.
Zweitens: Warum Zazen? Hier ist der Haken: Es ist anfangs nicht bequem. Wer würde aus freien Stücken still sitzen und diese Unbequemlichkeit auf sich nehmen, wenn er alternativ hinter einer Tastatur toben oder Netflix durchstöbern könnte? Doch die Antworten, die die Anhänger geben, sind faszinierend. Eine davon ist, dass diese Sitzungsart dazu führt, den eigenen Geist in einer Weise zu trainieren, die über alltägliche Ablenkungen hinwegsehen lässt. Es wird behauptet, dass es eine existenzielle Klarheit bringt. Man könnte sagen, es erlaubt einem, in der lauten Welt Abstand zu gewinnen und ein innerer Kritiker des Getöses zu werden.
Drittens, welchen Platz nimmt Zazen im modernen Leben ein? Es wirkt beinahe rebellisch still. Während die Schnelllebigkeit des täglichen Lebens Menschen in den Ruin zu treiben scheint, bietet Zazen einen seltsamen Sicherheitshafen. Selbst bei der Hektik des Großstadtlebens wächst die Anzahl der Menschen, die Zeit für diese Praxis finding. Stillhalten inmitten eines Sturmwütens? Ganz genau. Es ist eine subtile, aber bedeutsame Form des Widerstands gegen das, was viele als moderne gesellschaftliche Ablenkung beschreiben würden.
Viertens, wie wird Zazen praktiziert? Klar, man braucht einen Lehrer, meint manch einer. Es wird in einem Zen-Dojo oder einem stillen Raum praktiziert, am besten in einem selbstgewählten Schutzraum fern von äußeren Einflüssen. Hier schließt sich auch der Kreis: die Realität wird durch innere Ordnung wieder hergestellt. Liberale mögen es belächeln, aber für viele Adepten ist dies eine Stärke, keine Schwäche. Es ist ein Streben nach persönlichen Höchstleistungen, nicht eine weitere soziokulturelle Orbitreise.
Fünftens, was macht Zazen mit den Menschen? Hier wird es spannend. Heutzutage schwören einige Menschen auf die gesundheitlichen Nachteile von Zazen, während andere es als Seelentherapie feiern. Der Geisteszustand, der durch das ruhige Sitzen erreicht wird, ist für viele unentbehrlich geworden. Man fühlt sich angeblich befreit von künstlichen Eitelkeiten und konzentriert sich auf metareligiöse Werte.
Was ist das große Bild? Die Einführung von Zazen in das Leben gleicht fast einer heimlichen Revolution - es gibt nichts politisches daran, aber es macht das Individuelle zu einem persönlichen Protest gegen die Lärmzeit. Während manche an vermutete Einsamkeit und Isolation fürchten, sehen Praktizierende des Zazen eine Möglichkeit, um die „Erfüllungsleere“ zu überwinden. Man könnte fast meinen, die neoliberale Offenheit müsste einen neuen, inneren Friedenssucher erkennen.
Zazen im 21. Jahrhundert ist der Versuch einer stillen Weltveränderung. Während die äußere Welt lauter und hektischer wird, drehen sich Zazen-Praktizierende um und verweigern die Teilnahme an diesem ohrenbetäubenden Chor. Diese Antithese zur modernen Lebensweise könnte mehr Anklang finden, als man es denkt. Vielleicht – nur vielleicht – könnte das stille Sitzen der lauten Welt das zu bieten haben, was so viele verzweifelt suchen: Frieden, Ruhe und einen Sinn inmitten des Chaos.