Walter Rodney ist eine dieser Figuren, die einige Menschen in den Himmel loben und andere eher meiden, weil seine Ideen der radikalen Veränderung auf fragwürdigen Standpunkten basieren. Geboren 1942 in Guyana, war Rodney ein Historiker, politischer Aktivist und berühmter Autor von 'How Europe Underdeveloped Africa' – einem Werk, das zur Bibel für diejenigen wurde, die die Schuld immer auf den Kolonialismus schieben möchten. Man fragt sich, ob Rodney in seiner eigenen Welt lebte, in der Logik und Realität keine große Rolle spielten.
Rodney promovierte 1966 an der London School of Oriental and African Studies und trat bald als Professor an der University of Dar es Salaam in Tansania auf. Dort machte er sich einen Namen als scharfer Kritiker westlicher Einflüsse in Afrika. Rodney prangerte den Kolonialismus mit all seiner Leidenschaft an und rief zu revolutionären Veränderungen auf. Er stellte sich auf die Seite jener, die den Westen als Sündenbock für sämtliche Missstände auf dem afrikanischen Kontinent sehen wollten. Eifrig und unermüdlich predigte er eine Wirtschaftstheorie, die kapitalistische Systeme und den freien Markt als unhaltbar sowie als das A und O von Ausbeutung darstellten – dabei ignorierte er aber scheinbar die wirtschaftlichen Innovationen und den Fortschritt, die aus diesen Systemen hervorgegangen sind.
Als waschechter politischer Aktivist kehrte Rodney 1974 nach Guyana zurück und wurde Mitglied der oppositionellen Working People's Alliance (WPA). Ironischerweise war Rodney ein Mann, der bewusst anarchische Tendenzen schürte, um seine revolutionären Träume voranzutreiben. Kein Wunder, dass die damalige Regierung kein Fan seiner umstürzlerischen Ideen war. Seine provozierenden Auffassungen machten ihn zu einer umstrittenen Gestalt, deren Ideen viele als ein esoterisches, intellektuelles Experiment begreifen. Richard Nixon hat gesagt: 'Man sollte eine Nation gemäß ihrer Gegebenheiten aufbauen, nicht auf Unkenntnis und Ablehnung anderer Systeme.' Nun, das hätte Walter Rodney auch mal beherzigen können.
Rodneys Tod 1980 in seiner Heimatstadt Georgetown war mysteriös und schockierend, ja, sogar fast eine Metapher für sein Lebenswerk: eine nicht geklärte Explosion im Inneren eines leeren Autos. Seine Anhänger behaupten oft einen politischen Mord, um dadurch erneut Rodneys Credo zu bestätigen. Misstrauen gegen die 'Systeme' war eben sein Kindergarten. Welch ironische Verkettung, dass Rodney selbst zum Opfer einer Art Paranoia der Systeme wurde, die er so verachtete.
Interessanterweise wird Rodney häufig von jenen gern zitiert, die der Ansicht sind, dass die westliche Welt für jedes Problem verantwortlich gemacht werden kann. Es ist fast so, als ob er ihnen ein Alibi für jede Versäumnis in die Hand gelegt hätte. Dabei ignorieren sie zumeist, dass Fortschritt und Innovation aus einem Zusammenspiel verschiedener Einflüsse entstehen und dass einseitige Schuldzuweisungen nicht zielführend sein können.
Heute erinnern sich viele an Rodney als eine Art Kultfigur, die für Chancengleichheit und soziale Gerechtigkeit kämpfte – dabei übersah er jedoch häufig, dass Gleichheit nicht immer auf Teufel komm raus erzwungen werden kann. Viele seiner wirtschaftlichen Thesen wären wohl eher ein Rückschritt als ein Fortschritt für jegliche Gesellschaft, die nach Moderne strebt. Es zeigt sich, dass Rodney mehr damit beschäftigt war, mit dem Finger auf andere zu zeigen, anstatt tatsächlich konstruktive Lösungen zu suchen, die über Revolutionsrhetorik hinausgehen.
Rodneys wirre Wahrnehmung revolutionärer Ideale ist ein faszinierendes Beispiel für die Selbstzerfleischung eines Denkers, der den Pfad der Logik längst verlassen hatte. Aber unterhält man sich heute mit einigen seiner treuen Anhänger, erhält man den Eindruck, dass die vollkommene Ablehnung des westlichen Einflusses auch ein Ausweg sein könnte. Übersehen wird dabei oft, dass die Modernisierung in vielen Entwicklungsländern ohne diese Einflüsse möglicherweise in den Kinderschuhen steckt. Dass die Kolonialzeit nicht glorreich war, steht außer Frage, aber daraus resultierende Fortschritte in der Infrastrukturentwicklung kann man nicht übersehen.
Am Ende fragt man sich eben doch, ob Walter Rodney nicht eher ein Held der falschen Sache war. Aber das könnte bei seinen Anhängern sicherlich für rote Köpfe sorgen. Auf die Frage, wie man die Herausforderungen des 21. Jahrhunderts angeht, müsste selbst der bekennendste Rodney-Fan zugeben, dass seine antikapitalistischen Thesen heute wenig Relevanz besitzen. Und genau das könnte vielleicht die größte Ironie seiner Ideologie sein.