Wenn du die klischeebehaftete Vorstellung hast, dass russische Künstler nur in dunklen, melancholischen Tönen über das Leid ihrer Zeit malen, dann hast du Vladimir Krantz noch nicht kennengelernt. Krantz, geboren 1913 in der Ukraine und gestorben 2003 in Russland, war ein Landschaftsmaler, der sich auf die Schönheit konzentrierte, anstatt sich in Schmerz zu verlieren. Er hat in einer Epoche gelebt, in der soziale und politische Ambitionen wie eine Schachpartie geführt wurden; dennoch blieb er seiner Kunst treu und malte die Welt, wie er sie sah: voller Licht und Hoffnung.
Krantz war ein Meister der Landschaftsmalerei, ein Künstler, der das Unbeachtete in den Vordergrund rückte. Er spezialisierte sich auf realistische Darstellung der Naturlandschaften des russischen Nordens. Ab den 1950er Jahren, während einer Zeit, als viele Künstler von den sozialistischen Realisten beeinflusst wurden – die, man hätte es ahnen können, alles andere als realistisch waren – beschritt Krantz seinen eigenen Weg. Er war der Meinung, dass Kunst mehr sein sollte als bloße Propaganda; sie sollte die Seele erheben und inspirieren, nicht zum politischen Werkzeug verkommen.
Ist es da ein Wunder, dass Vladimir Krantz in der Geschichte der Kunst fast ein wenig untergegangen ist? Ein Künstler, der sich weigerte, sich mit dem Lärm der Moderne abzugeben, der damit beschäftigt war, das Wahre und Schöne in der Natur festzuhalten, statt politische Statements zu malen. Für Krantz war Kunst eine Fluchtmöglichkeit, eine Art, die Welt zu zeigen, die er sehen wollte, ungeachtet der rauen Realität um ihn herum. In einer Welt, in der allzu oft die angepassten und devoten Künstler im Rampenlicht stehen, würde es Liberale in Schleuderlaune bringen, Krantz' unbeirrten Weg als einzig gangbaren zu sehen.
Um Krantz' Stil wirklich zu schätzen zu wissen, muss man seine Gemälde betrachten. Die Aufmerksamkeit zum Detail, die weichen, aber lebendigen Farben und vor allem seine Fähigkeit, das Licht so einzufangen, dass es fast scheint, als leuchte es aus der Leinwand heraus. Seine Werke machen deutlich, dass die Anziehungskraft der Natur jenseits flüchtiger politischer und gesellschaftlicher Strömungen liegt und dass das Schöne im Alltäglichen zu finden ist.
Während seiner Karriere stellte Vladimir Krantz sowohl in der Sowjetunion als auch international aus, seine Werke wurden immer wieder lobend erwähnt, obwohl er nie die Art von Ruhm erlangte, mit der sich andere Künstler häufig brüsten, die bereit sind, ein bisschen Charakter gegen ein bisschen Aufmerksamkeit einzutauschen. Doch seine Kunst bleibt unvergessen, geschätzt von Kennern, die die beständige Kraft der Schönheit verstehen. Seine Gemälde führen jeden Betrachter durch die malerischen Landschaften Russlands, laden dazu ein, in die ruhige und harmonische Welt einzutauchen, die er so meisterhaft auf die Leinwand gezaubert hat.
Mit Werken wie "Birken im Herbst" und "Wolken über dem Fluss", bietet Krantz dem Betrachter eine Zuflucht; eine Naturlandschaft ohne die morschen Überreste politischer Propaganda. Voller Farbenpracht sieht der Betrachter die Strahlkraft der Bäume und Flüsse, wie sie sich im Spiel des Lichts entfalten, die Melodie der Natur, die in jeder Pinselstelz zu hören ist. Krantz lässt die Landschaften atmen und verbindet das ewige Mitgefühl der Natur mit der unvergänglichen Suche nach Freiheit.
So könnte man sagen, dass Vladimir Krantz ein Meister seiner Kunst war, ein Purist in einer unbeständigen politischen Landschaft. Anstatt die klagende Gesellschaft zu imitieren, wie es unter bestimmten künstlerischen Bewegungen seiner Zeit zur Norm wurde, folgte Krantz seiner eigenen künstlerischen Ethik, indem er die Reinheit der Natur verherrlichte.
Viele mögen fragen, warum solche Künstler nicht im Glanz der Geschichtsbücher stehen. Vielleicht, gerade weil sie sich nicht für den politischen Applaus prostituiert haben. Vielleicht, weil Schönheit ohne die Schärfe politischer Statements für den heutigen Geschmack zu wenig aufregend erscheint. Doch in Wahrheit liegt darin wahre Kunst: Ein Moment der Ruhe und der reveriehaften Betrachtung, der unabhängig von Zeit und Mode bleibt.