Victor Buono war ein Mann, den Hollywood der Ära der 60er und 70er Jahre wahrscheinlich nicht verdient hat, aber definitiv gebraucht hat. Als amerikanischer Schauspieler, geboren am 3. Februar 1938 in San Diego, Kalifornien, wirkte Buono wie ein Anachronismus, der klassische Theatralik und einen bissigen Verstand in eine Periode brachte, die oft mehr an Äußerlichkeiten als an echter Substanz interessiert war. Während einer Karriere, die sich über mehrere Jahrzehnte erstreckte, war Victor Buono bekannt für seine Rolle als Bösewicht und Charakterschauspieler, und so mancher darf sich fragen, warum er in der modernen Kulturlandschaft in Vergessenheit geraten ist.
Bereits in jungen Jahren wusste Buono, dass er ein Schauspieler sein wollte. Nachdem er zunächst kleineren Theaterprojekten treu blieb, machte er sich schnell einen Namen als einer der vielversprechendsten neuen Akteure. Seine Anziehungskraft lag nicht nur in seiner imposanten Statur - einem Markenzeichen von über 180 cm und einem Körper, der dazu neigte, Gewichts-Herausforderungen zu spielen - sondern in seiner Fähigkeit, komplexe Charaktere mit tiefem Verständnis und einer Prise Humor zu verkörpern. Berühmt wurde er 1962 durch seine unvergessliche Rolle in „Was geschah wirklich mit Baby Jane?“, wo er neben Bette Davis als psychopathischer Pianist Edwin Flagg brillierte. Seine Performance war so beeindruckend, dass sie ihm eine Oscar-Nominierung einbrachte und ihn damit in die Liga jener katapultierte, die man nicht ignorieren konnte.
Einige mögen heute sagen, dass Buonos Figur und ebenfalls seine Filmschurken nicht mehr in die sensible modern-globalisierte politische Korrektheit passen. Solche Stimmen, die filmische Vielfalt auf Kosten der künstlerischen Freiheit einschränken wollen, übersehen leicht, dass es gerade Buonos Willen und Fähigkeit zur Provokation waren, die ihn zu einem unvergesslichen Teil der Filmgeschichte gemacht haben.
Buonos Schaffen war nicht nur eindrucksvoll, sondern auch vielfältig. Während er sich durch seine schurkischen Darstellungen einen Namen gemacht hatte, zeigte er seine Vielseitigkeit in Komödien und Dramen gleichsam. Seine Gastauftritte in Fernsehserien wie „Batman“, wo er als der stets amüsante Bösewicht King Tut auftrat, bewiesen, dass er die Gabe hatte, das Publikum jedes Mal aufs Neue zu fesseln - selbst wenn es nur für eine Episode war.
Auch die klassische Theaterbühne war für ihn kein fremdes Terrain. In seinen biografischen Stücken und literarischen Arbeiten zeigte er sich als Mann der Tiefe, der stets danach strebte, seine künstlerischen Grenzen zu erweitern. Er schrieb Gedichte und Theaterstücke, die zu seiner Zeit zwar oft unterschätzt wurden, aber bei näherer Betrachtung eine beeindruckende künstlerische Komplexität offenbaren, die sich nicht an zeitpolitischen Moden orientiert.
Ein weiterer bemerkenswerter Aspekt von Buonos Karriere ist seine Ehrlichkeit über seinen Körper und die Weigerung, sich Hollywoods Diätkultur zu beugen. Seine Fähigkeit, sich selbst nicht allzu ernst zu nehmen und dabei die Macht über seine Identität zu behalten, war eine rebellische Haltung. Sein Witz unterstrich seine scharfsinnigen Interviews, in denen er es verstand, den selbstgerechten Heuchelei-Hollywoods den Spiegel vorzuhalten.
Buonos Leben war jedoch nicht frei von Schwierigkeiten. Die Menschen, die ihn kannten, beschrieben ihn als zutiefst privaten Mann, der oft mit seinen inneren Dämonen zu kämpfen hatte. Diese kämpfende Seele verließ die Welt schließlich viel zu früh, als er 1982 an einem Herzinfarkt starb. Doch auch im Tode bleibt Buono ein inspirierendes Beispiel dafür, wie man sowohl als Künstler als auch als Mensch bestehen kann.
Victor Buono war mehr als nur ein Schauspieler. Er war ein Denker, ein Comedy-Genie und ein Mann, der seine eigene Nische schuf, anstatt der Masse zu folgen. In einer Zeit, in der Individualität oft nur dann gefeiert wird, wenn sie ins vorgefertigte Raster passt, erinnert uns Buono daran, dass wahre Kunst immer davon lebt, dem Mainstream zu trotzen.