Warum Veblen-Güter der Albtraum für den moralischen Kompass sind

Warum Veblen-Güter der Albtraum für den moralischen Kompass sind

Veblen-Güter, einst ein Nischenphänomen, sind heute das Aushängeschild für dekadenten Statuskonsum geworden. Sie erodieren den wahren Wert von Gütern und verstärken die gesellschaftliche Kluft.

Vince Vanguard

Vince Vanguard

Wer hätte gedacht, dass eine simple Handtasche zum Symbol statusbesessener Konsumgesellschaften werden könnte? Veblen-Güter, benannt nach dem Ökonom Thorstein Veblen, verkörpern genau das. Diese Produkte werden nicht trotz, sondern gerade wegen ihres hohen Preises gekauft. Luxusmarken florieren, wo immer sie sich niederlassen, und das Konzept von Veblen-Gütern ist inzwischen allgegenwärtig – von den Straßen Manhattans bis hin zu den Boulevards von Paris. Insbesondere in den letzten Jahrzehnten, mit der Globalisierung und dem Aufstieg der Eliteklasse, blühen Veblen-Güter immer weiter auf.

Nun zu dem, was wirklich ein Dorn im Auge ist: Der enorme Preis dieser Güter wird oft künstlich hochgehalten, einzig und allein, um ein Gefühl der Exklusivität zu schaffen. Es ist ein offenes Geheimnis, dass ohne diese Exklusivität viele Produkte ihren Reiz verlieren würden. Man stelle sich vor, wie einige gut betuchte Käufer ihre Luxuswagen ignorieren würden, wenn sie erfahren, dass sie plötzlich erschwinglich und massenhaft verbreitet wären. Die Gesellschaft scheint vergessen zu haben, dass diese Produkte oft nicht viel besser sind als ihre günstigeren Alternativen.

Ein besonders frappierendes Beispiel ist der modische Luxus. Modehäuser wie Gucci, Louis Vuitton oder Prada setzen jedes Jahr Milliarden um. Warum? Weil Menschen, aus welchem Grund auch immer, ein immenses Bedürfnis haben, ihre Mitmenschen mit solch astronomisch teuren Gegenständen zu beeindrucken. Das Resultat? Ein nie endender Kreislauf aus Kaufen, Zeigen und Neiden.

Eine weitere Beobachtung: Diese Produkte ziehen nicht nur Käufer an, die sie sich leisten können, sondern auch solche, die es sich eigentlich gar nicht leisten können. Das Phänomen des Veblen-Effekts beeinflusst das Konsumverhalten über alle Einkommensklassen hinweg. Es ist fast so, als ob ein unsichtbarer Zwang besteht, hohe Kosten für Anerkennung zu akzeptieren. Man könnte meinen, dass manche Leute lieber ihre Existenz riskieren, als ihren sozialen Status.

Was ist mit dem Einfluss auf die Jugend? Junge Menschen wachsen in einer Welt auf, in der Statussymbole wichtiger sind als Substanz. Schulen sind inzwischen auch ein Ort für den Wettbewerb der Markenkleidung geworden. Was früher ein Ort für Bildung war, wird zur Bühne für Shows und stillschweigende Konkurrenzkämpfe. Die Jugend lernt daraus, dass Markenwerbung der direkteste Weg zur gesellschaftlichen Anerkennung ist. Und natürlich gibt es keinen Mangel an Prominenten und Influencern, die diese Werte weiter anfachen.

Wenn man die Entwicklung der letzten Jahrzehnte betrachtet, könnte man meinen, der einzige Zweck dieser Güter sei die Zurschaustellung. Es ist fast ironisch, dass Produkte, deren Nützlichkeit oft unterdurchschnittlich ist, zu diesem kulturellen Phänomen mutiert sind. Im Grunde könnte man sagen, dass die Menschheit ein wenig den Verstand verloren hat – alle in ihrem Streben nach Prestige und sozialem Status.

Das Argument, dass solche Luxusprodukte von erlesenster Qualität sind, ist bei näherer Betrachtung häufig ein Schwindel. Oft sind diese „Luxus“-Produkte aus denselben Materialien und mit ähnlichen Fertigungsverfahren hergestellt wie ihre preisgünstigeren Gegenstücke. Dennoch sind die Schaufenster dieser Luxusläden voller Kunden, die nur allzu gerne mehrfach den Preis zahlen.

Zu guter Letzt muss man sich die Frage stellen: Warum überhaupt diese Obsession? Das ist leicht beantwortet: Es ist das Versprechen von Macht, Ansehen und Zugehörigkeit zu einer erlesenen Elite. Menschen haben schon immer das Bedürfnis gezeigt, sich über andere zu erheben, und was bietet da einen besseren Beweis als der Kauf eines exorbitant überteuerten Veblen-Guts?

In einer Welt, in der die Kluft zwischen Arm und Reich immer weiter auseinanderdriftet, sind diese Konsummuster das perfekte Beispiel für Verschwendung und Gesellschaftsspaltung. Es geht dabei längst nicht mehr um den praktischen Nutzen dieser Güter, sondern um die Zuschaustellung von Reichtum und Relevanz. Und wären es nicht Veblen-Güter, wäre es etwas anderes.

Man fragt sich manchmal, ob diese Konsumkultur jemals eine Grenze kennen wird. Aber angesichts der derzeitigen gesellschaftlichen Werte ist die Wahrscheinlichkeit eher gering. Doch immerhin ist das der perfekte Nährboden für Streitgespräche, die vor allem unter den Liberalen Unbehagen auslösen. Aber solange Luxus das Symbol für Erfolg ist, bleibt der Teufelskreis unverändert bestehen.