Die Sintflut von Krasnodar: Wenn der Regenbogen nicht reicht

Die Sintflut von Krasnodar: Wenn der Regenbogen nicht reicht

Die Überschwemmungen in Krasnodar Krai 2012 sind ein Paradebeispiel dafür, wie die Natur den Menschen in die Knie zwingt. In einem politischen Wirbelwind aus Versagen und Eigenverantwortung wurde die Tragödie zur Lektion der Selbsterkenntnis.

Vince Vanguard

Vince Vanguard

Was passiert, wenn der Regenbogen nicht reicht? Die Überschwemmungen in der Region Krasnodar Krai im Juli 2012 sind ein Paradebeispiel dafür, wie Naturgewalten die Menschheit im Handumdrehen in die Knie zwingen können. Was wie ein harmloser Sommerregen begann, endete als katastrophale Flut, die mehr als 170 Menschen das Leben kostete. Ortschaften wie Krymsk, Gelendschik und Novorossiysk wurden buchstäblich von Wassermassen verschluckt.

Der monsunartige Regen in der Nacht des 6. Juli 2012 und die anschließende Sturmflut führten zu einer schnell eskalierenden Katastrophe, die, wie man so schön sagt, „ungewholliche Dimensionen“ annahm. Der Damm am Fluss Adagum brach und das Niederschlagswasser strömte unaufhaltsam in die Städte. Man stelle sich die Panik in diesen frühen Morgenstunden vor, als Menschen von der Flut überrascht wurden, ohne eine funktionierende Warnung.

Und hier liegt der Knackpunkt: Wo waren die Vorwarnungen? Die lokalen Behörden behaupteten, ihre Pflicht getan zu haben. Ironisch, da selbst die Regierungspläne zur Katastrophenbewältigung im Hochwasser versanken. Wenn der Staat versagt, wird sofort der Ruf nach mehr Kontrolle, mehr Regulation und mehr Verwaltung laut. Dabei ist offensichtlich, dass schon bestehende Regelungen nicht effektiv umgesetzt wurden. Muss denn wirklich alles bewacht und kontrolliert werden, bevor etwas schiefgeht? Da lachen ja die Hühner!

Wenn wir schon bei der Politik sind, dann darf man auch die Rolle der Regierung nicht ignorieren. Dieser Vorfall wurde zum Prüfstein für die russische Zentralregierung, deren Reaktion auf die Tragödie dann auch nicht unbedingt als Meisterleistung in die Geschichtsbücher eingehen wird. Während Präsident Vladimir Putin die betroffenen Gebiete besuchte und Unterstützung versprach, hinterfragten Kritiker die Effektivität und die Schnelligkeit staatlicher Hilfsleistungen. Doch das ist das übliche Spiel – immer schnell mit dem Finger auf andere zeigen.

Man verzeiht dem Staat da auch gleich, nicht wahr? Aber werfen wir mal einen Blick auf den Moralismus, der hier und überall die Überhand zu gewinnen versucht. Hätte man diese Tragödie verhindern können, wenn die Leute systematisch mehr Verantwortung übernommen hätten? Ein Ja wäre wohl ein zu kleines Wort für so große Ignoranz. Ständig die Umwelt im Munde führen, wie es manche tun, aber das eigene Handeln nicht hinterfragen—das ist die wahre Gefahr, vor der wir uns in Acht nehmen müssen.

Während die Überschwemmungen unermesslichen Schaden anrichteten, spielte sich in der Abwesenheit eines funktionierenden Frühwarnsystems ein weiteres Drama ab. Freiwillige Helfer und Bürgerinitiativen zeigten, was eine zupackende Community erreichen kann. Ohne staatliche Hilfe, versteht sich. Beeindruckend, was echte Eigeninitiative alles bewegen kann, wenn man im wahrsten Sinne des Wortes im Wasser steht.

Doch macht euch keine Illusionen, wenn man dem lauen Gesäusel mancher glauben schenken möchte, ist letztlich der Klimawandel schuld. Gerade so, als sei die „Wetter“-Karte ein universeller Persilschein für die Unverantwortlichkeit des Einzelnen. Stattdessen wäre es vielleicht an der Zeit, bei sich selbst zu beginnen, bevor man immer andere für seine eigene Unzulänglichkeit verantwortlich macht.

Schließlich drängt sich die Frage auf, ob diese Flut eine natürliche oder menschengemachte Katastrophe war. Die Antwort darauf könnte unbequem sein, besonders für all jene, die in den Tag hinein leben, ohne die Konsequenzen ihres Tuns zu überdenken. Planung und Vorsorge sind schließlich nichts anderes als konservative Tugenden, die dem Nanny-Staat ein Dorn im Auge sind.

Im Nachgang zu dieser Katastrophe müsste man meinen, dass ein Umdenken stattfinden würde. Schaut man aber genauer hin, stellt man schnell fest, dass viele lieber die Klischees bedienen wollen - man redet über Vorkehrungen, man schreibt Berichte, man hält Meetings. Effizienz ist da Fehlanzeige.

Was bleibt uns von den Überschwemmungen in Krasnodar Krai 2012? Ein Lehrstück über menschliche Selbstüberschätzung, getarnt als Naturkatastrophe. Und die moralische zumutbare Frage: Sind wir bereit, aus unseren Fehlern zu lernen oder ist das nächste Hochwasser lediglich ein weiteres Kapitel in der endlosen Diskussion um die Schuldfrage?