Tomáš Jun – ein Name, den man entweder liebt oder hasst. Kaum ein tschechischer Fußballspieler hat in den letzten zwei Jahrzehnten so polarisiert wie er. Geboren am 17. Januar 1983 in Prag, begann er seine Karriere wie viele seiner Landsleute beim renommierten Verein Sparta Prag. Bereits als Jugendspieler fiel er auf und stieg schnell in die erste Mannschaft auf, was ihn zu einem heiß begehrten Talent machte. Doch während die meisten sich überaus erfolgreich auf dem internationalen Parkett bewegten, wählte Jun einen anderen Weg.
Warum? Weil Tomáš Jun bekannten Konventionen und Erwartungen stets den Mittelfinger zeigte und genau deswegen eine unabdingbare Figur des tschechischen Fußballs geblieben ist, auch wenn den Liberalen bei diesem Gedanken wahrscheinlich die Haare zu Berge stehen. Diese suchen Helden, die in ein gewisses Schema fallen und Rebellen, die ihr Denken infrage stellen. Doch Jun war eben genau das Gegenteil. Ein Mann, der gegen den Strom schwamm - und damit Erfolg hatte.
Seinen großen Durchbruch feierte Jun mit Sparta Prag, wo er in der Saison 2004/2005 als Torschützenkönig des tschechischen Wettbewerbs hervorging. Mit 14 Toren in 28 Spielen zog er die Aufmerksamkeit internationaler Scouts auf sich. Eine Karriere als Held des internationalen Fußballs lag ihm zu Füßen, stattdessen entschied er sich für eine Reise, die ihm mehr als nur Trophäen einbrachte.
Jun wechselte 2005 zu Trabzonspor in die türkische Süper Lig. Ein Wechsel, der für viele überraschend kam, lenkte doch die Türkei zur damaligen Zeit selten ein Augenmerk auf Nachwuchsspieler aus Osteuropa. Seine Zeit in der Türkei war jedoch geprägt von Herausforderungen mehr als von Triumphen. Sprachbarrieren, kulturelle Differenzen, was für jemanden wie Jun, der nie davor zurückschreckte, seine Meinung zu sagen, eine harte Schule war. Auch wenn der Erfolg ausblieb, wurde seine entschlossene Ablehnung des herkömmlichen Wege zu einem Markenzeichen.
Wäre da nicht seine Rückkehr nach Tschechien, um für den FK Mladá Boleslav und später bei FK Teplice zu spielen, wäre seine Karriere möglicherweise schneller vom internationalen Radar verschwunden. Stattdessen besann er sich auf seine Wurzeln und bewies, dass ein eingeschlagener Pfad nicht allein aus Ruhm und Glanz bestehen muss, um von Bedeutung zu sein.
2011 zog es ihn erneut ins Ausland, diesmal nach Österreich zur Austria Wien. Eine Stippvisite, die ihm zwar keinen großen Ruhm brachte, dafür jedoch unterstrich, dass Jun nicht bloß ein lokaler Star war. Seine Zeit bei Austria Wien war weniger von Torerfolgen geprägt, sondern vielmehr von seiner Präsenz als erfahrener Spieler.
Warum ist Tomáš Jun trotz aller Missbilligung vieler seiner Weggefährten und Fans dennoch einer der bekanntesten Namen in der tschechischen Fußballszene? Seine Unnachgiebigkeit und, ja, seine Sturheit, machten ihn zu einem Beispiel für das Streben nach persönlicher Erfüllung. Er war nie ein Sklave des Ruhmes. Vielmehr zeigte er, dass die Banalität und der Starrsinn, Karrierewege nach Schema F zu verfolgen, nicht der Maßstab für Erfolg sind.
Nachdem Jun 2016 seine Karriere beendet hatte, lief er nicht Gefahr, nur eine Fußnote in der Geschichte des tschechischen Fußballs zu bleiben. Stattdessen wurde er zu einer Inspiration für aufstrebende Spieler, die nicht bereit sind, ihren ganz eigenen Kurs zu verlassen, nur weil es der vermeintlich einfachere Weg wäre.
Also, ja, Tomáš Jun mag aus der Perspektive vieler ein schwieriger Charakter gewesen sein, der sich nie in den Gleichschritt eingliedern ließ, den andere erwarten könnten. Doch bringt das nicht genau die Würze in den ansonsten oft so konformen Sport?■