Das Ticket T+: Günstiger Reisen oder Schröpfung der Wirtschaftstreibenden?

Das Ticket T+: Günstiger Reisen oder Schröpfung der Wirtschaftstreibenden?

Das Ticket T+ in Deutschland: Eine günstige Mobilitätslösung oder zum Nachteil der Wirtschaft? Ein Blick hinter die Fassade der öffentlichen Verkehrsmittelrevolution.

Vince Vanguard

Vince Vanguard

Das neue Ticket T+, das in Deutschland eingeführt wurde, ist die Art von Vorschlag, die einem den Kopf schütteln lässt, ob vor Staunen oder Entsetzen, sei einmal dahingestellt. Wer: Jeder, der öffentliche Verkehrsmittel in Deutschland nutzt. Wann: Bereits seit einigen Monaten im Gespräch und jetzt Realität. Wo: Nahezu im gesamten Bundesgebiet. Was: Ein monatliches Ticket für den öffentlichen Nahverkehr für den unschlagbar niedrigen Preis von 49 Euro. Warum: Um den öffentlichen Nahverkehr „attraktiver“ zu machen. Doch sind wir schon hier bei einem Punkt, der die Gemüter spaltet.

Viele sehen in diesem Ticket eine Rettung für das Klima. Andere, vor allem aus unternehmensnahen Kreisen, würden es als Belastung der Wirtschaft bezeichnen, etwas, das ineffizient Renditen schmälert und Arbeitskräfte faul macht. Tatsächlich hat das Ticket den öffentlichen Nahverkehr für viele „attraktiver“ gemacht, doch auf wessen Kosten?

Erstens, schauen wir uns die Wirtschaft an. Staaten verhalten sich wie ein großes Unternehmen; sie brauchen Einnahmen, um zu funktionieren. Jetzt stellen wir uns einmal vor, dass dieselben Einnahmen durch künstlich subventionierte Ticketpreise auf lange Sicht schwinden. Wer zahlt den Preis dafür? Richtig: die arbeitenden Steuerzahler, die letztlich die Rechnung begleichen müssen durch höhere Steuern oder geringere öffentliche Investitionen in lebensnotwendige Infrastruktur.

Zweitens, wie sieht es mit der Wertschätzung für den öffentlichen Nahverkehr aus? Wenn etwas zu billig ist, wird es durch die Menschen oft nicht geschätzt. Eine Überfüllung der Züge und Busse ist da die logische Konsequenz. Wieso sollten wir uns hierbei auf das Niveau anderer europäischer Länder begeben, die Verkehrschaos oft als Lebensstil feiern, anstatt eine effiziente und gut durchdachte Infrastruktur anzustreben?

Doch das Ticket hat auch seine Unterstützer. Diejenigen, die glauben, Mobilität müsse für alle erschwinglich sein. Aber sind das nicht dieselben Menschen, die auch bei den Benzinpreisen klagen, den Fahrradhelmpflicht verweigern, und zugleich laut nach mehr Umweltbewusstsein schreien? Es ist eine kognitive Dissonanz sondergleichen.

Schauen wir auf die Rechnung. Nehmen wir an, der Deutsche fährt im Durchschnitt pro Monat für 98 Euro mit öffentlichen Verkehrsmitteln. Mit dem Ticket T+ reduziert sich das auf 49 Euro. Wo kommt der Unterschied her? Genau, aus den Einnahmen des Staates. Jemand muss für die Differenz aufkommen und es wird nicht die Klimaschutzbewegung sein, die ohnehin nicht für ihre kostenneutrale Innovation bekannt ist.

Nun sind wir an dem Punkt angekommen, an dem über das soziale Gefüge geredet werden muss. Was ist mit den Kleinunternehmern, die kaum noch Fachkräfte an der Arbeitsstelle erwarten können, weil die Anreize, zu pendeln und den luxuriöseren Lebensstil im städtischen Gebiet zu führen, größer sind?

Hier reden wir nicht von einer Chance auf Gleichstellung, sondern von der Viktimisierung des ländlichen Raums, die einmal mehr dazu führt, dass die urbanen Zentren profitieren, während die ländlichen Gebiete ausbluten.

Nun, was können wir also lernen? Etwa, dass subventionierter Nahverkehr vielleicht nicht die Klimarettung ist, sondern eher eine Einkommenssenkung für die Fleißigen unter uns. Der öffentliche Nahverkehr muss attraktiv sein, ja, aber zu einem Preis und in einer Form, die langfristig tragbar ist.

Unser Ticket T+: Ein Raub an den Ressourcen unserer wirtschaftlichen und sozialen Ingeniosität. Ein Ticket, das vor allem eines widerspiegelt – gut gedacht ist nicht immer gut gemacht. Hier wird den Menschen eine Mobilität vorgegaukelt, für die langfristig viele von uns zahlen, ob wir wollen oder nicht.