Ein Phänomen geht derzeit in unserer Gesellschaft um: Viele reden, aber die Taubheit nimmt zu. In einer Zeit, in der Informationen nonstop zugänglich sind und Meinungen jeder Art lautstark vertreten werden, scheint es, als ob das Zuhören zu einer verlorenen Kunst wird. Der Grund? Eine nie dagewesene Flut an einseitigen Informationen und einer konservativen Skepsis gegenüber alles, was als 'Mainstream' angesehen wird. Taubheit wird hier zu einem politischen Instrument, das besonders aufhorchen lässt. Gehen wir den Punkten nach, die diese prickelnde Situation verursachen.
Erstens haben wir den kollektiven Ohrstöpsel, allgemein bekannt als Ignoranz. Dies wird befeuert durch das ständige Getrommel von ideologisch gefärbten Botschaften, die der eine Lager nicht einmal erwartet zu hören geschweige denn zu verstehen, wenn sie vom anderen kommen. Ein konservativer Denker fragt sich vielleicht: Warum weiter zuhören, wenn ohnehin jeder denkt, laut schreien zu müssen?
Zweitens die Reizüberflutung. In einer Umwelt, die jede Sekunde neue Informationen produziert, sind viele gezwungen, unerwünschtes Rauschen abzuschalten. Wir leben in einer Welt voller Eindrücke, wo es für die ‚dauerbeschallten‘ Gemüter eben eines: Ruhe. Aber nicht die Ruhe, die auf Dialog hofft, sondern die, die in der unerbittlichen Bestärkung eigener Wertvorstellungen Zuflucht findet.
Drittens verstärkt die Echo-Blase die selektive Wahrnehmung. Deren Wände dämmen alles bis auf das eigene Echo. Konservative Kreise haben das Prinzip 'Warum die Filterblase platzen lassen?' verstanden und erkannt, dass dies der einfachste Weg ist, die eigene Position zu stärken, ohne sich permanent gegen die Verwässerung durch alternative 'Wahrheiten' wehren zu müssen.
Viertens gibt es da die politische Korrektheit, eine Last für wahre Meinungsfreiheit, unter der alles wahrheitsgetreu verpackt wird, bis man nicht mehr hört, was wirklich gesagt werden soll. "Taub" wird man in solchen Fällen, um der Zensur und Stigmatisierung zu entgehen. Ein konservativer Blogger würde bestätigen: Freiheit wird dadurch durch Kammern der Stille ersetzt.
Fünftens kann man die Feststellung treffen, dass die Galionsfiguren bestimmter Ideologien längst aufgehört haben, mit ihren Feinden zu sprechen. Sie brüllen ihre Manifeste hinaus und erwarten blind, dass die Ansichten anderer umfallen wie Dominosteine. Taubheit hier als Strategie gegen eines: Zu viel Verständnis anderer Sichtweisen, das die eigene schlägt.
Sechstens stellt die Technologie ein zweischneidiges Schwert dar. Einerseits ermöglicht sie den Zugang zu einem Meer an Meinungen, andererseits fördert sie eine Rückzugstaktik, die sich in präzise zugeschnittenen News-Feeds zeigt. Wissen bleibt damit selektiv, um den konstanten Fluss von Informationen zu verarbeiten, ohne in der Bedeutungslosigkeit zu ertrinken.
Siebtens: Prioritäten setzen. In einer Welt von endlosen Wahlmöglichkeiten, will man wenigstens ungestört in seinen Standpunkten verharren können. Taub zu werden, ist dann eine logische Folge, die Komfort bietet vor dem Ansturm einer Realität, die nur von den wirklich Wissbegierigen als diskussionswürdig betrachtet wird.
Achtens bieten persönliche Erfahrungen einen Grund, die Ohren zuhause zu verbarrikadieren. Wer erlebt, dass die eigene Meinung regelmäßig abgewertet wird, der verhält sich wie Greta Garbo und erklärt: "Ich will allein sein."
Neuntens hat die Natur der öffentlichen Diskurse die Ohren unserer Nation blockiert. Statt konstruktiver Diskussionen erleben wir oft Streitgespräche ohne Ausgang. Ein Dialog, der nur mit der Faust auf den Tisch schlägt, stellt Gewissheit über Empathie und Selbstbestätigung über Offenheit. Wieder ein Argument dafür, irgendwann einfach aufzuhören, mitzuhören.
Zehntens sind die Medien dabei, dies weiter anzuheizen. Diese verstärken mit ihrer lauten Berichterstattung die Tendenz, Taubheit als Strategie zu nutzen. Ein echter Konservativer würde sich auf Bewährtes stützen, bevor er sich erneut plagt, die 'verlorenen' Vermittler seiner Werte zu verstehen.
In der modernen Gesellschaft ist die Taubheit nicht nur eine psychoakustische Barriere. Sie ist ein politisches Werkzeug, das genutzt wird, um die eigene Ideologie zu schützen und die Unzulänglichkeiten der anderen zu betonen. Die Zeiten mögen liberal sein, doch die Hörzone einer Nahaufnahme jener, die nicht die nötige Aufmerksamkeit aufbringen wollen, wird immer konservativer.