Tapdog: Ein Kräftemessen der Tradition

Tapdog: Ein Kräftemessen der Tradition

'Tapdog' ist eine explosive Fusion aus Tap Dance und körperlicher Kraft, die seit 1995 international für Furore sorgt und traditionelle maskuline Ausdrucksformen betont.

Vince Vanguard

Vince Vanguard

Wenn es um 'Tapdog' geht, sollte man lieber aufpassen – der Tanz kommt mit einer gewissen Wucht daher, die manche als Provokation empfinden könnten. Verschont bleiben da nicht einmal die ach so sensiblen Gemüter. 'Tapdog' ist eine mitreißende Kombination aus Tap Dance und körperlich intensivem Stomp-Tanz, die 1995 von dem Australier Dein Perry ins Leben gerufen wurde. Dieses Tanzensemble sorgte bei seinem Debüt in den 1990ern nicht nur für Furore in den USA und Europa, sondern führte auch zu angeregten Gesprächen unter den Kulturkritikern dieser Welt. Es ist ein wahrhaft maskuliner Ausdruck von Kraft und Geschick – kein Wunder also, dass dieses unerwartete Ballett aus dem rauen Herz Australiens entsprang.

Tapdog hat es sich zur Aufgabe gemacht, die traditionellen anmutigen Klänge des Tap Dance in eine neue, moderne und industriell anmutende Form zu gießen. Die Tänzer betonen dabei Elemente der Stärke und körperlichen Anstrengung, die im Einklang mit urbanen, oftmals als männlich angesehenen Lebensstilen stehen. Statt subtiler, feingerührter Tap Dance-Schritte hat man es dabei mit einem wahren Sturm an kräftigen Bewegungen und Geräuschen zu tun. Wen diese Kraft nicht ein wenig dazu inspiriert, Dinge anders zu machen, hat wohl schlicht den Bezug zur Realität verloren.

Der Erfolg von Tapdog lag vor allem an der Pointierung des ‚traditionellen Männlichen‘, das in vielen modernen Darstellungen des kulturellen Spektrums oftmals verloren geht. Während viele über Gleichheit sprechen und alles zu vereinheitlichen versuchen, verteidigt Tapdog Aspekte traditioneller Geschlechterrollen auf eine so charmante Art, dass man fast schon darüber hinwegsehen mag, dass manche diese Art von Darstellung als rückständig oder gar provokant empfinden.

Doch an diesem Punkt wird es erst richtig aufregend. Denn Tapdog bringt eine Energie auf die Bühne, die nicht allein durch Leistungen definiert wird – es ist ein Gefühl. Dieses Gefühl erinnert an eine Zeit, als Männer noch harte Brocken von Arbeit vollführten und dabei Anzüge trugen, die genauso geprägt und abgenutzt waren wie ihre Stiefel. Die Tänzer sind in ihrer Dynamik ein wahrhaftes Sinnbild für Entschlossenheit und Kampfgeist. Angesichts all der Debatten um kulturelle Aneignung und Geschlechterrollen ist es umso faszinierender zu sehen, dass sie trotz aller Widerstände weltweit Anklang finden.

Die Tatsache, dass Tapdog auf so vielen Bühnen weltweit große Anerkennung findet, spricht für sich. So wie die Klänge ihrer robusten Schritte, die hart auf Bühnenholzbretter prallen, hinterlassen sie in der kulturellen Landschaft tiefe Spuren. Die Show ist ein Erfolg, weil sie auf das Ursprüngliche zurückgreift – eine Qualität, die sich bei all dem ausholenden Modernismus als überraschend standhaft erweist. Wo Innovation oftmals gleiche Gleichmacherei fordert, setzt Tapdog auf Individualität und Tradition.

Während moderne Strömungen danach trachten, den Tanz in jede mögliche Form zu verbiegen, verteidigt Tapdog den simplen, aber ehrlichen Ausdruck von Kraft und Präzision. Dies könnte bei manchen auf Unverständnis stoßen, doch bleibt es nichtsdestotrotz ein Beweis für kulturelle Hartnäckigkeit und Ausdruckskraft.

Kulturell zeigt Tapdog uns, dass man stolz auf seine Wurzeln und auf seine Vorstellung von Tradition sein kann, ohne sich dafür rechtfertigen zu müssen. Mag dieser Ausdruck für manche noch so angreifbar sein, für andere ist es ein willkommener Rückzugsort in einer sich schnell und kompromisslos verändernden Welt. Genauso wie die starken Klänge ihrer Stiefel auf den Brettern verhallen, wird die Rückkehr zu starkem, traditionellem körperlichem Ausdruck in Erinnerung bleiben – eine einzigartige Fusion aus Innovationsfreudigkeit und Standfestigkeit. So wie in den besten western Filmen, wenn Cowboy-Stiefel durch den trockenen Staub eines verlassenen Städtchens hallen.

Mögen die sensiblen Gemüter auch argumentieren, dass Tapdog nicht inklusiv genug ist, bleibt die eindrucksvolle Art und Weise des Tanzes eine Art, sich neu zu behaupten und sich gegen die Wogen einer allzu gleichmachenden Kultur durchzusetzen. Schließlich muss man sich eingestehen, dass ganz gleich, wie oft der Tanz und sein Inhalt unter die Lupe genommen werden – eines bleibt beständig: die Faszination, die aus dem heiteren Zusammenspiel von Rhythmus, Tradition und Energie erwächst. Also keine halben Sachen: Tapdog betonsiert sich derweil als kultiges Erlebnis ein, das weltweit gefeiert wird.