Steigende Meere: Ein Lied für grüne Träumer

Steigende Meere: Ein Lied für grüne Träumer

Das Lied "Steigende Meere" von Gert Steinbäcker erweckt apokalyptische Sorgen über den Klimawandel, doch fragt sich, ob Panik der richtige Begleiter für Umweltschutz ist.

Vince Vanguard

Vince Vanguard

Es ist schon faszinierend, wie ein Lied namens "Steigende Meere" von Gert Steinbäcker, ein Österreicher mit Hang zur Dramatik, zum Lieblingssoundtrack von Umweltaktivisten avanciert ist. Ihr wisst schon, diese Weltverbesserer, die einem den Spaß verderben wollen, indem sie vor dem sicheren Weltuntergang durch den Klimawandel warnen. In einem Song aus dem Jahr 1991 schafft es Steinbäcker, diese apokalyptischen Visionen musikalisch zu verpacken.

Das Lied "Steigende Meere" ist ein Paradebeispiel für jene Weltuntergangs-Hysterie, die seit Jahrzehnten durchs Abendland wabert. Während es für manche wie der Weckruf zu sofortigem Handeln klingt, möchte man als rationaler Mensch vielleicht doch lieber einen Moment innehalten und überlegen, ob diese Panikmache wirklich angebracht ist. Immerhin gibt es bisher keinen Beweis, dass wir morgen alle untergehen werden. Der Song erzählt von den Auswirkungen steigender Meeresspiegel und malt ein Bild der Zukunft, das an ein postapokalyptisches Szenario erinnert. Ideal, um all diejenigen in Angst und Schrecken zu versetzen, die glauben, die Erwärmung der Erde werde uns alle verschlingen.

Steinbäcker hat in Österreich bereits so etwas wie einen Kultstatus, unterstützt von jenen, die sich gern als Retter der Welt sehen. Tatsächlich ergreift der Liedtext Maßnahmen gegen den Raubbau an der Natur als Rettungsanker, wobei ein merklicher Seitenhieb gegen jegliche politische Untätigkeit immer wieder mitschwingt. Humor scheint jedenfalls nicht sein erklärtes Ziel beim Schreiben dieses Songs gewesen zu sein.

Die Ironie ist nicht zu übersehen, dass ausgerechnet ein Lied wie "Steigende Meere" in einer Zeit besondere Aufmerksamkeit bekommt, wo einige Staaten, die sich rühmen, umweltbewusst zu sein, gleichzeitig massiv in andere Kontinente investieren, um dort Industrien anzukurbeln - und dabei CO2 Emissionen zu übersehen.

Ein weiterer interessanter Aspekt von "Steigende Meere" ist die Beziehung, die der Song mit Machtzentren wie der EU hat, die selbst nicht unbeteiligt an Umweltverschmutzungen sind. Die vielfältigen Programme, die scheinbar dazu gedacht sind, die Erde zu retten, entpuppen sich oft als Fass ohne Boden, aus dem unzählige Ressourcen herausgezogen werden, ohne wirklich nachhaltige Ergebnisse zu produzieren.

Der Text ist durchdrungen von einer tiefen Melancholie und der Überzeugung, dass rasches Handeln nötig sei. Während hier der Alarmismus musikalisch zelebriert wird, unterscheiden sich doch die Meinungen darüber, wie radikal dieser Wandel sein sollte. Wir sehen hierbei oft einen Gegensatz zwischen denjenigen, die jede umweltschädliche Handlung sofort stoppen wollen und denen, die glauben, dass wirtschaftlich vertretbare Lösungen gefunden werden müssen.

Was Steinbäckers Lied uns aber deutlich vor Augen hält, ist ein andauerndes Unbehagen in der Gesellschaft im Umgang mit der Natur. Die ewige Debatte, ob der Mensch der Erde mehr schenkt oder nimmt, wird auch durch diesen Song befeuert. Allerdings warnt der Song auf beinahe naive Weise vor einem Szenario, über das wir bisher nur spekulieren können. Aber „irgendwann wird es wahr“, könnte der durchdramatische Tenor sein.

Ein unbestrittener Gewinn des Songs ist die emotionale Verbindung, die er schaffen kann. Auch wenn einige es als manipulativ empfinden mögen, so schafft „Steigende Meere“ die Möglichkeit der Auseinandersetzung. Selbst wenn wir nicht allen Botschaften oder dem Weg, den uns Steinbäcker aufzeigen will, zustimmen müssen, bietet das Lied Raum für Reflexion darüber, was wir von dieser Welt möchten.

"Steigende Meere" ist letztlich ein fenomenaler Versuch, Aufmerksamkeit für den Umweltschutz zu gewinnen mit den Mitteln, die ein Lied bieten kann. Ob das Drama wirklich so groß wie befürchtet sein wird, bleibt abzuwarten. Man könnte sich aber darauf einigen, dass solch musikalische Stücke nur einen Fingerzeig für andere, womöglich realistischere Wege darstellen können. Denn wenn eines sicher scheint, ist es, dass die Erde nicht so einfach untergeht wie mancher uns das Glauben machen möchte.