Ein Album für die Schnösel: Steigend von Mxmtoon

Ein Album für die Schnösel: Steigend von Mxmtoon

Können Sie sich ein Album vorstellen, das die ohnehin schon flauschige Wolkenwelt der 21. Jahrhundert-Gefühlskultur noch kitschiger macht? Willkommen bei 'Steigend' von Mxmtoon, einem Paradebeispiel für popkulturellen Sirup.

Vince Vanguard

Vince Vanguard

Können Sie sich ein Album vorstellen, das es tatsächlich schafft, die ohnehin schon flauschige Wolkenwelt der Hypergefühlskultur des 21. Jahrhunderts noch kitschiger zu machen? Willkommen bei 'Steigend', dem neuesten Werk der amerikanischen Künstlerin Maia, besser bekannt als Mxmtoon. Dieses Album, das am 20. Mai 2022 veröffentlicht wurde, ist ein Paradebeispiel dafür, was passiert, wenn man der Generation YouTube freie Hand mit einem Mikro gibt. Aufgenommen in der immer trendigen Indie-Metropole Los Angeles, bietet 'Steigend' eine Reise durch die mit Emojis gespickte Fantasy-Welt der jungen Kalifornierin. Orchestriert, produziert und bis zum letzten Tropfen Zucker ausgequetscht, ist es ein Versuch, den Moment des Daseins in ein erhebendes Klangabenteuer zu verwandeln.

Wenn man Mxmtoon's 'Steigend' auf sich wirken lässt, funkelt zunächst die süße Naivität, an der sich ein Großteil der Generation Selfie erfreut. Die Gefahr besteht hier, dass man vor lauter Zuckerüberzug nicht mehr atmen kann, aber Kunst für den Massengeschmack war schon immer ein zweischneidiges Schwert. Die Songs sind durchdrungen von Melancholie, gemischt mit einem allumfassenden Versprechen von Hoffnung und Unverwüstlichkeit – quasi ein musikalisches Minenfeld der liberalen Selbstverwirklichung.

Doch was erwartet man von einem Album, das sich selbst mit solchem Pathos trägt? Antworten wie "es geht um das Wachstum als Individuum" oder "man lernt, sich selbst zu lieben" sind hier ein zentraler Punkt. Und selbstverständlich fehlt der obligatorische Kampf gegen die vermeintlichen Ungerechtigkeiten dieser Welt genauso wenig wie die Glorifizierung von Gefühlen als die absolute Wahrheit unserer Existenz.

Obwohl die Melodien eingängig sind, überwiegen doch die plakativen Botschaften einer Generation, die es sich zum Hobby gemacht hat, sich über alles und noch mehr zu beklagen, während sie in ihrer digital aufpolierten Blase thront. Die meist ruhigen und harmonischen Klänge bieten einen Kontrast dazu, doch der wirkliche Anspruch eines musikalischen Meisterwerks bleibt irgendwo im pastellfarbenen Äther stecken.

Die Texte, wie gewohnt in English gehalten, erinnern an ein Tagebuch eines Teenagers voller Klischees und Gefühlsdramen. Man träumt, reflektiert viel, aber bleibt letztlich innerhalb des gewohnten emotionalen Terrains. Es ist schwer zu übersehen, wie viele offene Fragen unbeantwortet bleiben, weil der eigentliche Tiefgang fehlt, abgesehen von einigen netten Zeilen hier und da.

Was die Zuhörerschaft betrifft, wird 'Steigend' sicher seine Zielgruppe finden: Eine Generation, die es versteht, sich in wohlig-warme Nostalgie einzukuscheln, während sie auf Instagram den nächsten Sonnenuntergang postet. Ein Ideal, das sich unserer jüngeren Generation sehr nahe steht, nichts gegen ein zur Schau gestelltes Wohlfühlmantra einzuwenden hat. Wo anständiger Freiheitsdrang scheitert, gewinnt die Flucht ins Paradox der Serienproduktion.

Es bleibt festzuhalten, dass Mxmtoon mit 'Steigend' einen Glanzpunkt in ihrer Karriere setzen mag, aber es wirft auch die Frage auf: Reicht ein Album dieser Art, um als würdiges Kulturerbe in Erinnerung zu bleiben, oder wird es als bloße Fußnote der Generation "Teenie-Tweet" enden? Es bleibt die Antwort abzuwarten, doch bei all der Süße könnte man glatt einen Kariesbefall vermuten.