Warum Stehen auf Sansibar das Zukunftspessimistische Meisterwerk ist, das wir brauchen

Warum Stehen auf Sansibar das Zukunftspessimistische Meisterwerk ist, das wir brauchen

Wer braucht schon ein politisch korrektes Märchen, wenn man die provokante und zukunftsweisende Brillanz von „Stehen auf Sansibar“ haben kann? John Brunner, der brillante britische Schriftsteller, entführt uns in eine apokalyptische Vision der Welt von 2010.

Vince Vanguard

Vince Vanguard

Wer braucht schon ein politisch korrektes Märchen, wenn man die provokante und zukunftsweisende Brillanz von „Stehen auf Sansibar“ haben kann? John Brunner, der brillante britische Schriftsteller, bringt uns mit diesem Roman aus dem Jahr 1968 mitten in die unkontrollierte und absolut chaotische Welt von 2010. Die Geschichte entfaltet sich in einer globalisierten Gesellschaft nach einem Konzept, das treffend nicht in die süßlichen Vorstellungen der hippen Kulturkirche passt. Die Menschheit stolpert wie auf einer überfüllten Insel, auf der die moralischen Grundfesten zu zerbröckeln drohen.

Der Roman fängt ein apokalyptisches Bild einer Gesellschaft ein, die in der Überbevölkerung versinkt. Brunners scharfe Beobachtungen darüber, wie Technologie die menschliche Existenz steuert, treffen direkt ins Schwarze. Dies ist nicht das gemütliche Zukunftsbild voller Sozialprogramme und Regenbogen; hier gibt es ungebremsten Kapitalismus, entmenschlichte Politik, genetische Manipulation und eine Tyrannen-mäßige Medienwelt. Der liberalen Elite wird es da schnell mulmig, wenn die unangenehmen Vorzeichen auf einer skandalgeschwängerten Leinwand ausgebreitet werden.

Der zentrale Protagonist Norman House wurde erschaffen, um einem soliden und zynischen Design zu folgen: ein Ingenieur, der die Zukunft gestalten will, aber unter dem Gewicht einer kaputten Gesellschaft gedrückt wird. Brunner enthüllt eine Realität, in der persönliche Freiheit ein Fremdwort ist und in der Big Government nicht der freundliche Samariter, sondern ein seelenverschlingendes Monster ist.

Was bei „Stehen auf Sansibar“ so aufregend ist, ist nicht nur die erzählerische Brillanz. Es ist die Art und Weise, wie Brunner die Gefahr der Massenüberwachung und die totale Durchdringung der Massenmedien lang bevor Orwell'sche Dystopien nur gewünschte, liberale Albträume waren. Die Geschichte einer Welt, die am Rande des Zusammenbruchs steht, vermeidet es nicht, mit dem Finger auf die wunde Stelle zu legen, wo die Mechanismen der Illusion und politischer Macht aufeinandertreffen.

Ein weiteres unglaubliches Element ist die Darstellung der genetischen Manipulation. Was damals Science-Fiction war, ist heute nicht mehr weit von unserer Realität entfernt. Während der liberale Mainstream im Schrecken über genmodifizierte Nahrung zergeht, präsentiert Brunner eine Welt, in der Menschen nach Wunsch gestaltet werden können – nicht ganz das faire und gleichberechtigte Gelände, das gewünschterweise für alle gilt.

Und lasst uns nicht die Kraft der Nachrichtendominanz übersehen! Brunners Future Shock Show, eine Sendung, die das Informationszeitalter anführt, spiegelt unsere aktuelle Liebe zu Instant-Nachrichten und Clickbait. Medienmanipulation ist überall, aber während die alles umarmenden Liberalen dies herunterspielen wollen, ruft „Stehen auf Sansibar“ deutlich nach, indem es die totale Macht dieser Maschinen zur Kontrolle des Narrativs aufzeigt.

Selbst die Förderung der kulturellen Verblendung durch so genannte Intellektuelle, die liberale Utopien vorzüglich anbeten, wird gnadenlos enthüllt. Norman House und andere Protagonisten finden sich in einer Welt wieder, in der das kollektive Denken den gesunden Menschenverstand erstickt, was unweigerlich zur Autokratie führt.

„Stehen auf Sansibar“ sticht heraus und zeigt eine Gesellschaft, die im Schatten ihrer selbst zerfällt – nicht in einem Traumszenarium von Harmonie und Gleichheit getränkt, sondern in einem brodelnden Chaos, getrieben von Machtstreben und Kontrollsucht. Brunner hat einen Hammer in Form eines Romans geschaffen, um die verlorene Kunst über die gefährlichen Seiten der Sozialentwicklung zu meißeln.

Der Nervenkitzel an „Stehen auf Sansibar“ liegt in Brunners Fähigkeit, die goldene Zukunft skeptisch und kritisch zu dekonstruieren. Es ist ein provokativer Schub mit der unbarmherzigen Ehrlichkeit eines Schriftstellers, der es wagte, Grenzen infrage zu stellen, welche die weichgekochten Ideale so vieler Zeitgenossen in Frage stellen. Brunners Meisterwerk bleibt eine unüberwindbare Macht, die jeden zum Nachdenken anregen kann – oder wie von einigen politisch korrekten Besserwissern befürchtet, zum Umdenken zwingt.