Man könnte fast behaupten, dass die "Ständige Zukunft" ein Konzept ist, das Politikern, die sich der konservativen Richtung verschrieben haben, ihr Adrenalin in Wallung bringt. Warum? Weil es all das repräsentiert, worüber man sich in unserer heutigen Gesellschaft aufregen kann: ein unablässiges Streben nach Veränderung, das ohne Rücksicht auf Verluste voranschreitet. Was, wenn die Zukunft uns aber auch nur ein modisches Etikett ist, das gebraucht wird, um wahllos alles Alte über Bord zu werfen? In diesem glorreichen Zeitalter sucht man die "Ständige Zukunft" bei jedem Politiker, in jeder Schlagzeile und überall, wo Zukunftsvisionen verkauft oder verhökert werden. Doch werfen wir einen nüchternen Blick auf diese überladene Fantasie.
Erstens: Die "Ständige Zukunft" ist ein Deckmantel für all die unausgegorenen Ideen, die niemand umsetzen will, es sei denn, sie werden mit Schnickschnack und Glitzer verhüllt. Es werden Projekte ins Leben gerufen, Technologien gepusht und Veränderungsprozesse angestoßen, die kaum jemand versteht und deren Nutzen oft in den Sternen steht. Mit einem modernen Technologie-Wahn werden wir konfrontiert, in dem jeder glaubt, die Zukunft sei ein Konstrukt, das nur dann existiert, wenn es unter einem digitalen Mikroskop untersucht wird.
Zweitens: An jedem "Zukunftsprojekt" scheinen gigantische Summen dranzuhängen, die zu keinem Zeitpunkt durch tatsächliche Fortschritte gerechtfertigt werden. Geld regiert die Welt, das ist keine Neuigkeit. Doch wenn blind Geld in vage Projekte gepumpt wird, die für "Ständige Zukunft" stehen sollen, ist das eine andere Geschichte. Infrastrukturen werden versprochen, aber nicht gebaut; Technologien werden als Heilsbringer angekündigt, um schließlich irgendwo in den Schubladen der Innovationsentwicklung zu versauern.
Drittens: Wer bestimmt überhaupt, wie diese Zukunft aussieht? Ist es eine Handvoll technokratischer Eliten, die im Hintergrund die Fäden ziehen? Der Gedanke, dass eine nicht gewählte Elite plötzlich festlegt, wie unsere "Zukunft" auszusehen hat, könnte düsterer kaum sein. Die Realität ist doch so, dass einige wenige die Entscheidungen treffen und diese oft gegen den Willen der Mehrheit durchsetzen.
Viertens: Einige sprechen von "Ständiger Zukunft" und meinen damit nur, das Rad der Gesetzgebung schneller drehen zu lassen. Was dabei übersehen wird, ist die Verkettung von Versprechen mit einer Geschwindigkeit, die man kaum nachvollziehen kann. Ganze Wirtschaftssysteme und Gemeinschaften sollen mit einem Wisch auf den Prüfstand gestellt werden – wo bleibt der Respekt vor dem, was sich bewährt hat?
Fünftens: Fortschritt, das Lieblingskind der "Ständigen Zukunft", kann ebenso zur Bedrohung werden, wenn er jede Tradition und Kultur als hinderlichen Ballast behandelt. Unsere Identität wird bedroht, wenn alles auf Modernität getrimmt wird, ohne zu fragen, was wirklich verloren geht, wenn Traditionen aufgegeben werden.
Sechstens: Die Unfähigkeit, sich in einer "Ständigen Zukunft" zurechtzufinden, wird damit begründet, dass diese ständig im Wandel befindlich sei. Dabei wird übersehen, dass einige Menschen schlicht nicht mitkommen und auf der Strecke bleiben. In der Zukunft wird immer mehr vergessen, dass der Mensch, abseits aller revolutionären Erfindungen, zentraler Bestandteil des Fortschrittsprozesses sein sollte.
Siebtens: Uns wird oft erzählt, dass die "Ständige Zukunft" dringend Maßnahmen gegen den Klimawandel erfordert. Doch die Mär der bedingungslosen Transformation bleibt ein Instrument der Kontrolle, das genutzt wird, um besser regulieren zu können. Wir sollten nicht vergessen, dass die Umwelt liebend gerne politisch instrumentalisiert wird.
Achtens: Zukunftsprojekte mit einem hohen prestigeträchtigen Anspruch haben es sich zur Aufgabe gemacht, einmalige Bilder zu produzieren. Sie behaupten von sich, einer "Ständigen Zukunft" den Weg zu ebnen, und verkaufen Utopien, die so prachtvoll und unerreichbar sind, dass jede Forderung danach, diese Realität werden zu lassen, nicht mehr als ein Luftschloss ist. Wieviel davon ist realisierbar, wieviel Utopie bleibt eine offene Frage.
Neuntens: Man blickt gerne auf Superlative, die die "Ständige Zukunft" verspricht, räumt aber weder Mängel im Innersten noch makroökonomische Schwächen ein. Der “Hunger” nach dem Neuen wird nicht gesättigt, sondern nutzt sich ab, denn nachhaltiger Fortschritt baut auf Beständigkeit und nicht auf Oberflächlichkeiten.
Zehntens: Was bleibt, ist der Eindruck, dass die Erwartung der "Ständigen Zukunft" zu einem Fetisch geworden ist. Ein Fetisch, der uns suggeriert, es gäbe nur den Weg der Revolution und Innovation, um Wohlstand und Sicherheit zu garantieren. Dabei wartet ein großer Teil der Bevölkerung einfach auf festen Boden, auf Beständigkeit in einer rapide wechselnden Welt. Warum also immer nur für eine Zukunft planen, die niemals Ruhe findet? Ist es vielleicht an der Zeit, teure und nicht durchdachte "Zukunftsprojekte" in Frage zu stellen und die Vergangenheit mit der Gegenwart auf eine Weise zu versöhnen, die mehr Stabilität garantiert?