Stadtsocializer: Wie Städte den gesunden Menschenverstand verlieren

Stadtsocializer: Wie Städte den gesunden Menschenverstand verlieren

Stadtsocializer ist eine Plattform, die 2021 in Berlin gestartet wurde, um Bürger zusammenzubringen, doch statt Gemeinschaft zu fördern, entmündigt sie uns. Die Absurdität dieser Plattform zeigt das gedankenlose Wachstum der digitalen Kontrolle in Städten.

Vince Vanguard

Vince Vanguard

Stadtsocializer ist eine neue Initiative, die einen weiteren Beweis dafür liefert, dass die verrücktesten Ideen oft von den Menschen stammen, die glauben, sie hätten den moralischen Kompass für alle anderen gefunden. Aber was ist Stadtsocializer? Es handelt sich um eine Plattform, die 2021 in Berlin gestartet wurde, um die Bürger zusammenzubringen und soziale Events zu organisieren. Das klingt harmlos. Schließlich wollen wir alle Gemeinschaft und Zusammenhalt. Stellen Sie sich aber vor, dass Ihre Stadt bereit ist, viel Geld für das zu verschwenden, was unsere Großeltern kostenlos voller Stolz selbst organisiert haben – so sind Dorffeste und Nachbarschaftstreffen schließlich entstanden. Dank der modernen Technik wird aus dem, was früher ein kleiner Spaziergang zum Nachbarn wäre, eine hochgetriebene Maschine der Organisierung mit online gestellten Ankündigungen und algorithmengesteuerten Treffen.

Städte wie Berlin, München und Köln haben schnell Gefallen gefunden und bieten großzügige finanzielle Mittel an, um das zu unterstützen. Aber warum? Eigentlich ist es doch so einfach: Jeder vernünftige Bürger kann seine Freunden zu Kaffee und Kuchen einladen, ohne dass eine riesige digitale Plattform notwendig ist. Der Grund, warum Städte dennoch auf Stadtsocializer schwören, ist leicht zu ergründen. Es geht um Kontrolle. Was läge näher, als die sozialen Kontakte und Aktivitäten der Bürger im Auge zu behalten? Nach dem Motto: 'Je mehr wir planen und wissen, desto besser.' Die Gefahr ist, dass man am Ende nicht mehr selbst entscheidet, wie man seine Freizeit verbringt, sondern dass der digitale Algorithmus das tut. Das ist die Zukunft, die wir wollen?

Wem Stadtsocializer nützlich erscheint, scheint völlig fernab der Realität zu leben. Auch der Aufwand und die Energie, die hinter dieser Plattform stecken, werfen Fragen auf. Warum brauchen wir eine App, um unseren Nachbarn kennenzulernen? Vielleicht ist das wahre Problem dieses Socializing nicht die Technik, sondern einfach die Tatsache, dass wir verlernt haben, wie man über den Gartenzaun plaudert. Während manche behaupten, durch große digitale Kanäle wie Stadtsocializer vernetzt zu werden, geht doch das Persönliche vollkommen verloren. Frei nach dem Prinzip: Das Persönliche ist unter dem Digitalen begraben.

Stadtsocializer hat in den letzten Jahren große Aufmerksamkeit auf sich gezogen. Doch die Begeisterung ist keineswegs universell. Viele Bürger – insbesondere die, die sich noch an die Zeiten vor Smartphone und Co. erinnern – stehen dem Ganzen skeptisch gegenüber. Sie sehen es als eine weitere Möglichkeit, ihre Freiheiten Schritt für Schritt abzugeben. Und das, ohne es vielleicht bewusst zu bemerken. Sicherlich werden sich noch einige Skeptiker finden, die die Entwicklung kritisch sehen werden.

Wir sollten nicht zulassen, dass unsere Städte zu weiteren Großstadtdschungeln werden, in denen der menschliche Kontakt zu einer verengten Verbindung zwischen 'Usern' verkommt. Gemeinschaft war einst der Eckpfeiler jeder Gesellschaft, nicht das dystopische Versprechen einer App. Die Einführung einer staatlichen Plattform, die vorschreibt, wie wir unsere Mitmenschen treffen, gehört zu einer der abwegigsten Ideen, die Städte in letzter Zeit hervorgebracht haben.

Wenn wir wirklich an einer lebhaften Stadtentwicklung und sozialen Gesellschaft interessiert sind, sollten wir zur Tradition zurückkehren: persönliche Treffen und ehrliche Nachbarschaftsbeziehungen. Das allein wird den Unterschied ausmachen. Stadtsocializer zeigt deutlich, dass es höchste Zeit ist, den gesunden Menschenverstand wieder in die Stadtplanung einfließen zu lassen. Jeder technologiegläubige Trend ist gut gemeint, doch häufig ist der Preis die Aufgabe unserer Kontrolle über unsere soziale Sphäre.