Wenn man den exzentrischen Geschmack und die Unterhaltung der 1950er Jahre verstehen will, ist "Sohn des Bleichgesichts" (1952) mit Bob Hope und Jane Russell ein Film, der in puncto provokanter Komödie und sozialem Kommentar seinesgleichen sucht. Produziert in den USA, verkörpert dieser Film die Welle von Western-Comedy-Filmen, die nach dem Zweiten Weltkrieg die Kinokassen eroberten. Bob Hope, König der slapstickhaften Comedy, spielt Junior Potter, den Ursinnbild eines tunichtguten Erben, während Jane Russell als tapfere und selbstbestimmte Calamity Jane ihre modernere Frauenvorstellung einbringt. Das an sich klingt schon nach Sprengstoff!
Doch warum ist dieser Film heute so brisant? Zunächst einmal wird die souveräne Kombination von Comedy und Western-Elementen in einer Weise von Hope und Russell umgesetzt, die die zeitgenössischen Meister der Unterhaltung emuliert. In einer konservativen Nachkriegsszenerie beleuchtete der Film nicht nur das Streben nach Glück und Reichtum, sondern persiflierte auch die Zielstrebigkeit und Überheblichkeit einer Generation. Und obwohl Humor aus der Zeit schnell stagniert, ist dieser Film nach wie vor ein Zeugnis für die künstlerische Freiheit und den ungezogenen Witz, den die damaligen Kreativen genossen.
"Sohn des Bleichgesichts" spielt mit den archetypischen Wild-West-Stereotypen, bringt sie aber mit unvergesslichem Humor auf die Leinwand. Bob Hope als Junior präsentiert ein Bild, das irgendwie sympatisch wirkt: Reichtum ohne Verstand, Schusseligkeit mit Charme. Dies war eine Zeit, in der Comedy nicht entschuldigte, sondern durch das Überbordende der Darstellung und den Blitz der Dialoge zu überleben wusste. Der Film kritisierte die zunehmenden selbstgerechten Tendenzen in der Gesellschaft – beißend und unterhaltsam zugleich, genau das, was heutzutage fehlt.
Die Entwicklung der Figuren ist alles andere als subtil. Russells Calamity Jane ist eine Modernisierung der wahren Heldin des Westens. Sie spielt gekonnt mit der Rolle der unabhängigen Frau, die ihren eigenen Weg beschreitet, ohne die Welt um sich herum, sprichwörtlich, in die Luft zu jagen. Der Kontrast zu den stereotypen schwachen Frauenfiguren ihrer Zeit könnte selbst die spöttischen Geister der damaligen Filmkritik provoziert haben.
In der Zeit seiner Veröffentlichung zog "Sohn des Bleichgesichts" eine breite Zuschauerschaft an. Hope und Russell waren bereits zwei markante Persönlichkeiten im Hollywood der 50er, doch der Erfolg dieses Films festigte ihren Status endgültig. Als kommerzieller Hit inspirierte er eine Art Comedy-Revolution, auf die die Regisseure von heute gerne blickten, wäre da nicht die propagierte gesellschaftlich-wirtschaftliche Kälte von damals.
Wo man sich heute förmlich verbiegt, um nur ja nicht auf die Füße einer „politisch korrekten“ Meute zu treten, stand der Film für eine Komik, die sich keinen Zensuren beugte. Der Unfug, den Hope und Russell auf die Leinwand brachten, entfaltete sich in all seiner Herrlichkeit ohne Rücksicht auf Verluste. Das war Unterhaltung pur, ein wahres Perlenstück der Kinogeschichte, das genau wusste, wann es Zeit war, das Feingefühl abzulegen.
Ja, "Sohn des Bleichgesichts" mag aus heutiger Sicht kontrovers wirken. Der Film erinnert uns an eine Filmindustrie, die sich nicht scheute, Kollektive zu polarisieren und damit durchzukommen! Diese Zeiten sind heute, verständlicherweise, reines Wunschdenken geworden, denn jetzt wird alles mit einem fine-tooth Comb geprügelt. Die Provokationen, der spritzige Humor und die frechen Dialoge von damals sind in Vergessenheit geraten. Jetzt wo es so scheint, dass wir in einer gleichgeschalteten Welt leben, war dieser Film Blaupause für Lockerheit und Unbekümmertheit, trotz einem geladenen Ambiente in einer postsensiblen Welt.
Ein Umschwung, der vieles auf den Kopf stellt: Während die Welt damals mit regionalen Spannungen und Veränderungen umging, stellten Hope und Russell jungrfräulich-dreist genau die Erwartungen in Frage, die später, in Umarmung mit der kommerziellen Entertainment-Industrie, aussehen sollten, als dass vieles von diesem rebellischen Funken wieder verloren ginge.
"Sohn des Bleichgesichts" ist kein Film, der für seine Sensibilität bekannt ist, vielmehr steht er als manifestiertes Sinnbild der Ära, in der er geschaffen wurde. Ein Werk über das Gelächter und die unwiderstehlichen Charakterschauspiele, über die Glorifikation der Unangepasstheit und den respektlosen Humor. Und obwohl Zeit nicht immer das Publikum verschlucken mag, für das der Film einst gemacht wurde, bleibt ein Gedanke unentzündlich: Der Reichtum, den diese Filme an gesellschaftlicher Verwegenheit in sich trugen, fehlte uns heute vielerorts.